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"Peek Performance"-Event Gerade erst hatte die Konkurrenz aufgeholt – jetzt jagt Apple sie erneut vor sich her

Bei der Vorstellung des M1 Ultra hatte Apples Chef-Ingenieur John Ternus noch ein letztes Ass im Ärmel
Bei der Vorstellung des M1 Ultra hatte Apples Chef-Ingenieur John Ternus noch ein letztes Ass im Ärmel
© Apple / PR
Es kam aus dem Nichts: Auf Apples Frühjahrs-Event wurden eigentlich nur kleinere Updates für die Mittelklasse-Produkte des Konzerns erwartet. Dann holte CEO Tim Cook zum Paukenschlag aus. Für Intel und Co. dürften schwere Zeiten ins Haus stehen.

Es war eine Überraschung, wie sie in diesem Ausmaß außer Apple nur wenige Firmen beherrschen. Als Apple-Chef Tim Cook zu Beginn des Produkt-Events "Peek Performance" die Bühne betrat, ahnte noch niemand, dass Apple am Ende den Computermarkt umgekrempelt haben würde. Wieder einmal. Denn für die Konkurrenten dürfte der jüngste Streich des Unternehmens nur schwer zu verdauen sein.

Nachdem Apple mit den erwarteten Updates zu iPhone (mehr erfahren Sie hier) und iPad (hier zu finden) die Pflicht erledigt und durchaus spannende, aber keine revolutionären Produkte angekündigt hatte, wandte sich der Konzernchef und sein Team der Kür zu. Und definierte zum dritten Mal in zwei Jahren neu, was Performance in einem Computer bedeuten kann.

Aus zwei mach eins

Der neue, M1 Ultra genannte Prozessor des Konzerns ist schlicht eine Revolution. Schon wieder. Hatten sich die Konkurrenten auf dem Chipmarkt gerade vom Schock von Apples Vorstellung des M1 Ende 2020 und dem letzten Herbst folgenden Leistungsschub des M1 Max erholt, war ihr Traum, den Herausforderer bald wieder in Griff zu bekommen, mit einem Schlag wieder geplatzt. Vor allem Intel dürfte an der Vorstellung schwer zu knabbern haben. Mit den neuen Prozessoren der Alder-Lake-Serie hatte der schwächelnde Chip-König es im November geschafft, Apples Spitzenprozessor um gerade einmal vier Prozent zu überholen. Und schon kündigt Apple an, dass sein Ultra-Chip nicht ein bisschen, sondern gleich doppelt so schnell ist wie sein bisheriges Spitzenmodell.

Möglich wird das durch eine bereits im M1 Max integrierte Schnittstelle. "Der M1 Max hat ein Geheimnis", verriet Hardware-Chef Johny Srouji. "Ein verstecktes Feature, über das wir bisher bloß nicht gesprochen haben." Dank einer in allen M1 Max verbauten Schnittstelle sei es möglich, zwei der Chips so zu kombinieren, dass sie vom Mac als einer erkannt werden - und so die Leistung auf einen Schlag zu verdoppeln. Möglich wird das, weil die Chips über die rasante Schnittstelle quasi verzögerungsfrei kommunizieren und Apples System MacOS die Leistung der Chips einfach skalieren kann.

Power-Zwerg

Was das in der Praxis bedeutet, führte Apple in der Keynote gewöhnt stolz in zahlreichen Vergleichen aus. Den 10-Kerne-Intel des iMac schlägt der Chip um das 3,8-fache, im Vergleich zum Mac Pro mit einem 16-Kerne-Prozessor gibt Apple ein Leistungsplus von 90 Prozent an. Selbst ein Mac Pro mit 28-Kerne-CPU - der Aufpreis für diesen Prozessor zum Basismodell beträgt 8050 Euro - kann nicht ansatzweise mithalten: Der M1 Ultra stellt ihn mit 60 Prozent mehr Leistung in den Schatten.

Das ist umso beachtlicher, weil der Mac Studio, in dem der Chip bislang exklusiv verbaut ist, schockierend klein geworden ist. Mit 19,7 x 19,7 Zentimetern ist er in der Grundfläche genauso klein wie der vor allem für leichte Büroarbeiten gedacht Mac Mini. Auch in der Höhe kommt er mit 9,5 Zentimetern nur auf das 2,6-Fache. Und steckt trotzdem Rechner im Vollformat locker in die Tasche. Dass er dabei pro Jahr auch noch bis zu 1000 Kilowattstunden weniger Strom verbrauchen soll, macht das Horrorszenario der Konkurrenz perfekt.

Das Schlimmste kommt zum Schluss

Der schwerste Moment des Abends für die Konkurrenten wie Intel sollte aber erst nach dem schwindelerregenden Tornado an Leistungs-Beweisen kommen. Apple hatte auch ein ungewohnt offenes Versprechen an seine Fans in petto, das bei den anderen Chip-Herstellern eher als unverhohlene Drohung angekommen sein dürfte. "Wir haben unsere Umstellung auf eigene Chips fast abgeschlossen", erläuterte Chef-Ingenieur John Ternus. "Nur eines fehlt noch: der Mac Pro". Also ausgerechnet das mit Abstand leistungsstärkste System. "Aber das heben wir uns für später auf", freute er sich sichtlich.

Die Konkurrenz wird spätestens mit dieser Ansage sehr nervös geworden sein. Bis zu diesem Moment war es denkbar, dass Apple mit dem Mac Studio und seinem M1 Ultra seine wertvollste Karte schon gespielt hatte und den Mac Pro langsam auslaufen lassen würde. Diese Idee war mit einem Schlag vom Tisch. Apple wird noch mindestens einen noch stärkeren Rechner im Ärmel haben, sonst hätte man sich die ungewohnt klare Ansage schlicht gespart.

Angesichts dessen wirkt der Name des Events plötzlich selbst wie eine Drohung. "Peek Performance" ist ein Wortspiel, das sich aus dem Begriff "Peak Performance" - also Spitzenleistung - und dem Wort "Peek" zusammensetzt. Letzteres steht für einen kurzen Blick, den man erhascht, eine Vorahnung auf das was kommt. Apple kündigte mit dem Namen also nicht die Spitzenleistung an, die man nun zeigte. Sondern deutet auch an, dass sie nur der Anfang sein könnte.


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