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Drogendeals, Sex, Arztbesuch: Apple gibt intime Siri-Aufzeichnungen an Firmen weiter - so können Sie das abstellen

Apples Siri bekommt viel zu hören - auch aus sehr privaten Momenten. Jetzt kommt heraus: Wie Google und Amazon gibt auch Apple Aufzeichnungen seiner Sprachassistentin an externe Firmen weiter. Doch es gibt eine Möglichkeit, das abzustellen.

Siri startete 2011 auf Apples iPhone 4s

Siri startete 2011 auf dem iPhone 4s

"Was auf dem iPhone passiert, bleibt auf dem iPhone" - so bewirbt Apple seine für die Branche durchaus starken Privatsphäre-Bemühungen. Nun stellt sich jedoch heraus: Auch der iPhone-Konzern gibt teils sehr intime Aufzeichnungen seiner Sprachassistentin Siri an Dritte weiter. Die Möglichkeit, das zu unterbinden, ist gut versteckt.

Apple bestätigte dem "Guardian", dass man die Aufzeichnungen weitergibt. Als Grund für die Weitergabe nannte der Konzern die Qualitätskontrolle. Demnach werden ein Teil der Siri-Anfragen im Nachhinein von Menschen geprüft, um Siri und ihre Spracherkennung zu verbessern. Es handle sich um weniger als ein Prozent der Anfragen, so Apple. Die Anfragen seien dabei nicht mit der Nutzer-ID verknüpft, sind also anonymisiert.

Sex, Arztbesuche, Drogendeals

Glaubt man einem der Prüfer, bekommen diese aber trotzdem jede Menge private Details aus dem Leben der Nutzer mit. Die externen Dienstleister würden untersuchen, ob Siri den Nutzer richtig verstanden hat, ob es sich um eine für Siri bearbeitbare Frage handelte und ob Siri tatsächlich helfen konnte, erklärte ein anonymer Prüfer dem "Guardian". Und natürlich auch, ob es sich um eine versehentliche Aufzeichnung handelte.

Gerade letztere Anfragen hätten es in sich. Die Mitarbeiter würden regelmäßig sehr intime Momente mithören, erklärt er. So seien Sex-Aufzeichnungen, Arzt- und Geschäftsgespräche und auch Drogendeals alltäglich. "Teilweise enthalten sie auch persönliche Daten wie Positionsdaten, Kontakt-Daten oder Daten aus Apps." 

Die versehentlichen Aktivierungen entstehen, wenn ein Gerät die Aktivierungsphrase "Hey Siri" falsch interpretiert, aber auch, weil Aktivierungstasten versehentlich gedrückt werden. Gerade die Apple Watch scheint für Fehlaufzeichnungen anfällig zu sein, so der Prüfer. "Sie nimmt dann 30-sekündige Clips auf. Das ist nicht sehr lang - aber man bekommt einen guten Eindruck, was gerade passiert."

Branchen-Problem

Mit dem Privatsphäre-Dilemma ist Apple nicht allein. Auch Google und Amazon mussten Anfang des Jahres bestätigen, dass sie Aufzeichnungen ihrer Sprachassistenten von Menschen prüfen lassen. Schon 2015 hatte eine Reddit-Nutzerin berichtet, dass sie Aufzeichnungen von Siri und Cortana prüfe. An sich ist das auch nachvollziehbar: So gut die Spracherkennung und das Verständnis der Assistenten auch ist - am Ende kann ein Mensch deutlich besser beurteilen, was ein anderer Mensch wollte. Dass dabei auch intime Momente gehört werden, lässt sich nicht vermeiden, wenn die Samples zufällig ausgewählt werden. 

Das größte Problem ist allerdings, dass sich aus dem Gesagten dann eben doch oft Rückschlüsse auf den Nutzer ziehen lassen, so der Prüfer. "Es wäre oft nicht schwer, die Person zu identifizieren, der man zuhört. Vor allem bei versehentlichen Aufzeichnungen. Da gibt es Adressen, Namen und so weiter", erklärt er. Melden könne er das nicht: Fehl-Aufzeichnungen würden einfach als technischer Fehler bewertet. Um Inhalte gehe es nicht.

Abschalten nicht (offiziell) vorgesehen

Für die Kunden ist die Weitergabe der Aufzeichnungen auch deshalb ärgerlich, weil sie sich offiziell nicht verhindern lässt, ohne Siri abzuschalten. Während man bei Amazon und Google die eigenen Aufzeichnungen anhören und löschen kann (hier geht das bei Amazon, hier bei Google), ist das bei Siri-Aufzeichnungen nicht möglich. Der einfache Grund: Apple speichert die Daten nicht in Verbindung mit dem Nutzerkonto. Die eigentlich zum Schutz der Kunden gedachte Lösung erweist sich in diesem Fall als Nachteil.

Tatsächlich gibt es aber eine Möglichkeit, die Weitergabe der Aufzeichnungen zu verhindern. Der Privatsphäre-Experte Jan Kaiser hat in den Tiefen des iPhone-Systems iOS eine Option gefunden, die Weitergabe abzuschalten. Das Problem: In der Benutzeroberfläche gibt es keinen Schalter dazu. Kaiser hat deshalb ein installierbares Konfigurations-Profil erstellt, mit dem die Option aktiviert wird. Ob man es sich installiert, sollte man sich allerdings überlegen: Diese Art von Profilen kann im System viel verändern. Wer es lieber selbst erstellen möchte, findet bei den Kollegen von "Heise" eine entsprechende Anleitung.

Quellen: Guardian, Reddit, Heise