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Modemsparte eingekauft: Milliarden-Übernahme: Intel-Deal soll Apples iPhone-Zukunft sichern

Mit einem Paukenschlag hat Apple einen Milliarden-Einkauf bei Intel angekündigt. Ziel ist, die iPhone-Zukunft zu sichern. Doch der Deal ist nicht ohne Risiken.

Apple-Chef Tim Cook musste einen Umsatzrückgang im letzten Quartal ankündigen

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Schnelle Prozessoren, schicke Displays und eine starke Kamera - das erwarten Kunden beim Kauf eines Spitzensmartphones. Dabei wird schnell vergessen, dass die ohne den passenden Internetempfang nur halb soviel Spaß machen. Für das iPhone will Apple diesen Bereich nun selbst übernehmen und kauft dafür Intels Modemsparte ein. Der Milliarden-Deal könnte das iPhone weit nach vorne bringen - birgt aber auch echte Risiken.

Milliarden-Deal

Das Geschäft, über das Anfang der Woche das "Wall Street Journal" erstmals berichtet hat und gestern Abend von Apple offiziell gemacht wurde, sei eine gute Milliarde Dollar wert, kündigte der Konzern in einer Presseerklärung an. Dafür wechseln 2200 Intel-Mitarbeiter zu Apple. Viel wichtiger dürften allerdings die gut 17.000 Patente sein, die sie mitbringen.

In ihnen steckt das wahre Potenzial des Deals: Schon lange gelten vor allem Apples selbst entwickelte Prozessoren als einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren des iPhones. Weil Apple die Chips perfekt auf die eigene Software abstimmen kann, haben iPhones gegenüber der Android-Konkurrenz und deren meist eingekauften Rechenkernen meist einen deutlichen Vorteil.

Alles aus einer Hand

Beim Modem musste Apple sich allerdings weiter auf externe Zulieferer verlassen. Lange stammten die Modems des iPhones von Qualcomm, der auch die meisten Konkurrenten versorgt. Wegen Lizenzstreitereien zwischen den Unternehmen wechselte Apple 2016 auf Intel-Chips - um dann im Frühjahr einen Wechsel zurück zu Qualcomm anzukündigen. Für Intels Modemgeschäft war das das Ende: Mit dem Verlust seines wichtigsten Kunden kündigte man den Rückzug aus dem Bereich an. Entsprechend überraschend kam die Übernahme der Sparte durch Apple für die Branche.

Für den Konzern ergibt sie allerdings Sinn. Schon während der Zusammenarbeit mit Intel hatte Apple sich bei der Entwicklung beteiligt, jetzt hat man die ganze Kontrolle. Der große Vorteil: Das Modem kann nun direkt im sogenannten "System-on-a-chip", kurz SOC eingebaut werden. So bezeichnet man die in Smartphones übliche Kombination von Prozessor, Grafikkarte und Arbeitsspeicher in einem einzelnen Chip.

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Die größten Vorteile dieses Ansatzes sind bessere Performance sowie eine größere Energie-Effizienz. Wird nun auch noch das Modem integriert, verspricht das nicht nur bessere Akkulaufzeit und Performance, sondern auch noch Platzgewinn. Neben dem iPhone dürften auch Apples Wearables wie die Apple Watch oder eine seit Jahren gemunkelte smarte Brille davon profitieren.

Teurer Lizenzstreit

Einer der wichtigsten Beweggründe dürfte aber das Ende des Lizenzärgers sein. Der Konflikt mit Qualcomm entstand, weil Apple die Lizenzen für die Nutzung von Qualcomms Technologien als zu hoch empfand. Im Frühjahr hatten sich die beiden Konzerne außergerichtlich geeinigt, Apple muss in der Folge eine nicht bekannte Summe an den Konzern zahlen. Auch bei einer Nutzung von Intels Technik wären wegen der Patente Lizenzkosten angefallen. Mit der Übernahme der Patente entfällt dieser Kostenfaktor.

Auf die Schnelle wird sich allerdings wohl erst einmal nichts ändern. "Ich sehe nicht, dass Apple in den nächsten drei bis fünf Jahren Qualcomm herausfordern wird", sagte der Analyst Patrick Moorhead gegenüber "Fast Company". Samsung und Huawei hätten jeweils zwischen acht und zehn Jahren gebraucht, um eigene Modems zu entwickeln. Und das, obwohl Huawei als Hersteller von Netzwerk-Komponenten begann. Intels Technologie dürfte seiner Einschätzung nach Apple einen schnelleren Start ermöglichen, trotzdem steht noch viel Forschungsarbeit an.

Nicht ohne Risiko für Apple

Der Wechsel zu Intel-Modems hatte schon vor der Übernahme für Kundenärger gesorgt. In Tests, Foren und sozialen Medien wurden den aktuellen iPhone-Modellen XR, XS und XS Max, die auf Intel-Modems setzen, vielfach vorgeworfen, im Vergleich zu den Vorgängern schlechteren Empfang zu haben. Offiziell hat Apple versprochen, das Problem zu untersuchen. Eine offizielle Lösung gab es aber nicht.

Die größte Unbekannte bei Apples Modem-Entwicklung ist ausgerechnet der wichtige 5G-Standard. Intel haderte mit der Entwicklung der Technologie, die Probleme gelten als einer der Gründe, warum die Modem-Sparte dort in Ungnade fiel. Die für 2020 erwarteten ersten iPhones mit Unterstützung des neuen Standards werden wohl auch deshalb auf Qualcomm-Modems setzen.

Quellen: Apple, Wallstreet Journal, Fast Company

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