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Homeoffice kaum möglich: Apples strenge Geheimhaltung macht den Umgang mit Corona schwer

Die Gefahr durch das Coronavirus treibt immer mehr Unternehmen ins Homeoffice. Techkonzerne sind darauf besser vorbereitet als viele andere Branchen. Doch Apple steht ausgerechnet einer seiner wichtigsten Erfolgsfaktoren im Weg.

Apple World Wide Developer Conference Tim Cook

Um bei seinen Keynotes für Überraschungen sorgen zu können, legt Apple viel Wert auf Geheimhaltung

DPA

Wenn es einen Konzern gibt, der für seine Geheimhaltung bekannt ist, dann ist das Apple. Während bei vielen Tech-Neuvorstellungen schon vor der offiziellen Präsentation jedes Detail bekannt ist, gelang es dem iPhone-Konzern immer wieder, mit völlig überraschenden Produkten um die Ecke zu kommen. Nun steht der iPhone-Konzern vor einem Problem: Wegen des Coronavirus sollen die Mitarbeiter ins Home Office - können dort aber oft nicht richtig arbeiten.

Schuld sind die strengen Sicherheitsregeln, berichtet das "Wall Street Journal". Demnach dürften die Angestellten etwa weiterhin keine unveröffentlichten Produkte von Apples Campus entfernen. Die Regel wurde eingeführt, weil 2010 ein Angestellter einen Prototyp des iPhone 4 in einer Bar liegengelassen hatte. Die Folge der Regel: Viele Angestellte müssen trotz der Empfehlung zum Home Office weiter ins Büro kommen.

Was ist geheim und was nicht?

Doch auch Angestellte, die nicht mit Hardware arbeiten, stehen vor Hürden. So sollen sich mehrere Software-Entwickler über Unsicherheit beklagt haben, welchen Programmcode sie überhaupt Zuhause bearbeiten dürfen. Die Sicherheitsregeln werden demnach laufend überarbeitet; Apple machte etwa bereits Ausnahmen, um überhaupt das Arbeiten von Zuhause möglich zu machen. Erlaubt Software Schlüsse auf noch nicht angekündigte Features und Produkte, darf sie den Campus aber nicht verlassen.

Einen gewissen Schutz vor Ansteckungen dürfte es aber auch so schon geben. "Es geht vor allem darum, die Dichte an Mitarbeitern zu verringern", sagte ein Angestellter der Zeitung. Zusätzlich verschärfte der Konzern auch die Kontrollen beim Einlass. Statt nur einen Sicherheitscheck durchzuführen, würden nun auch die Gesundheit der Angestellten geprüft.

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Geheimniskrämerei als Erfolgsrezept

Apples Sicherheitsmaßnahmen sind in der Branche legendär. So berichteten etwa Ingenieure, dass sie gebeten wurden, theoretische Benutzeroberflächen für größere Touchdisplays zu entwerfen. Erst als Steve Jobs dann offiziell das iPad präsentierte, erkannten sie, dass sie tatsächlich an einem Produkt mitgearbeitet hatten. Auf diese Weise gelingt es immer wieder, Produkte vorzustellen, zu denen vorher nichts bekannt war, wie etwa Apple Pay, die AirPods oder das Macbook Air. Den größten Aufwand betreibt der Konzern aber beim iPhone. Mehr zu den teils drastischen Sicherheitsmaßnahmen für Apple wichtigstes Produkt erfahren Sie in diesem Text.

Bisher war diese Strategie stets ein Vorteil. Während andere Konzerne oft bereits schon Konzepte von Produkten vorstellen und dann zurückziehen müssen, gelangen bei Apple in der Regel erst vollständig ausgereifte Produkte in die Öffentlichkeit - begleitet von einer oft sehr positiven Wahrnehmung. Ausnahmen gibt es natürlich reichlich. Einzelne Bauteile tauchen immer wieder im Netz auf und erhalten im Nu gigantische Aufmerksamkeit. Zudem leistete sich Apple durchaus Patzer, wie die vollmundig angekündigte und dann nie erschienene Ladematte AirPower.

Dass Apple sich die Geheimhaltung leisten kann, liegt aber auch in der besonderen Position des Konzerns. Während andere Marken sich stets mit neuen Ankündigungen vor den Kunden und den Investoren als innovative Unternehmen präsentieren müssen, gilt das bei Apple in der Wahrnehmung meist als gesetzt. Die gelegentlichen Leaks gerieren so nur noch mehr Aufmerksamkeit und bringen dem Konzern so kostenlose Werbung. Die Geheimhaltung wird paradoxerweise zum Marketingtool.

Nicht nur Apple hat Probleme

Insgesamt dürften die Tech-Konzerne auf das Zwangs-Homeoffice aber besser vorbereitet sein als viele andere Branchen. Mit den Werkzeugen wie Skype oder den Cloud-Diensten ermöglicht sie es schließlich überhaupt erst den Arbeitsplatz zuhause. Entsprechend früh stellte sich das Silicon Valley auch auf die Gesundheitsgefahr durch das Coronavirus ein. Amazon, Microsoft und Google schickten sehr schnell die meisten Mitarbeiter zur Arbeit nach Hause, sogar Bewerbungsgespräche werden oft nur noch per Skype geführt.

Ganz ohne Probleme ist das Homeoffice aber auch bei Apples Konkurrenten nicht. Laut dem "Wall Street Journal" hadert Google damit, die fast 120.000 Mitarbeiter mit ausreichenden Monitoren und anderer Ausstattung für Zuhause auszustatten. Der Berg an Anfragen wachse, ein Ende sei nicht in Sicht, berichten Angestellte. Daher würden viele trotzdem ins Büro fahren, um sich die Ausstattung selbst abzuholen. Die Atmosphäre in den leeren Räumen sei gruselig, berichten die Angestellten. Die Büros wirkten demnach wie ausgeraubt.

Quelle: Wall Street Journal

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