Browser Angriff der Winzlinge


Fast alle WWW-Surfer gehen mit Microsofts Internet Explorer ins Netz, der in das Betriebssystem Windows integriert ist. Dabei surft man mit alternativen Browsern oft sicherer und schneller.

Die Festplatte ist gelöscht. Sämtliche Dateien verloren. Fotos, Briefe, Videos: alles weg. Und das nur, weil man im World Wide Web die falsche Seite angesurft hat: Wer den Internet Explorer (kurz IE) von Microsoft als Browser für das WWW benutzt und dabei nicht die allerneueste Version installiert hat, dem kann das passieren. Mit genügend krimineller Energie lassen sich Webseiten bauen, die für Rechner mit Microsoft-Browsern fatal sein können. Immer wieder weisen Sicherheitsexperten dem kostenlosen Programm schwere Fehler nach. Mal ermöglicht es Eindringlingen das Ausschnüffeln von Daten, mal das Starten beliebiger Programme, Viren, Trojaner und anderer Übeltäter. Nicht immer muss es zum totalen Datenverlust kommen - oft wird der Rechner einfach nur "komisch".

Vernichtendes Expertenurteil

Zwar stellt Microsoft meist innerhalb kurzer Zeit kostenlose Reparatur-Software ("Patches") ins Netz, die man herunterladen und mit denen man die Löcher stopfen kann (www.windowsupdate.com). Doch "bis alle Endanwender - oder zumindest die Mehrzahl - auf ihren PC die Neuerungen eingespielt haben, kann es Jahre dauern", gibt die Fachzeitschrift "c't" zu bedenken. Ihr Urteil ist vernichtend: "Der Internet Explorer ist ein massives Sicherheitsrisiko - insbesondere in Unternehmensnetzwerken."

Marktanteil von 95 Prozent

Die Nutzer ließen sich durch solche Berichte bislang wenig beeindrucken: Als die erste Version des IE im August 1995 freigegeben wurde, avancierte der Microsoft-Browser schnell zu einem der meistbenutzten Programme der Welt. Weil er im Betriebssystem Windows integriert ist und ihn auch große Provider wie T-Online und AOL favorisierten, schrumpfte die Konkurrenz bis zur Bedeutungslosigkeit zusammen. Marktforschungsinstitute ermittelten für den Internet Explorer zuletzt einen Marktanteil von 95 Prozent - diese Dominanz brachte Microsoft letztlich eine Kartellklage ein, die gerade zu einem Vergleich mit dem Browser-Konkurrenten Netscape führte: 750 Millionen Dollar musste Microsoft an die Netscape-Mutterfirma AOL bezahlen.

Dennoch bleibt der IE integraler Bestandteil von Windows. Obwohl das seine Nutzung einfach und bequem macht, empfehlen viele Experten auch privaten Surfern, aus Sicherheitsgründen eine der kostenlosen Alternativen zu verwenden. Und die gibt es in großer Fülle.

Netscape immer noch wichtigster Konkurrent

Noch immer ist Netscape der wichtigste Konkurrent für den IE. Die aktuelle Version 7.02 (www.netscape.de) wurde inzwischen millionenfach heruntergeladen und beruht zu großen Teilen auf der Fleißarbeit ehrenamtlicher Programmierer. Die haben auch etliche Ableger von Netscape entwickelt, unter anderem Mozilla (www.mozilla.org) und den besonders schlanken und schnellen Firebird (www.firebird-browser.de). Ebenfalls aus einem solchen "Open-Source-Projekt" hervorgegangen ist der Safari-Browser (www.apple.com/de/safari) für den Apple Macintosh.

Den Vergleich zum Microsoft-Browser brauchen die alternativen WWW-Programme keineswegs zu scheuen: Sie sind ebenfalls kostenlos erhältlich, laufen stabil, sind oft schneller und können meist noch mehr. So beherrschen die Konkurrenten inzwischen allesamt das "Tabbed Browsing", also das Laden von mehreren Webseiten innerhalb eines Windows-Fensters, zwischen denen sich einfach hin- und herwechseln lässt. Außerdem können sie nervige Pop-up-Fenster blockieren und verfügen über komfortable, integrierte Mail- und Chat-Funktionen.

Das Gute aus dem Norden

Auch der Browser der kleinen norwegischen Firma Opera (www.opera.com) hat sich zu einer ernst zu nehmenden Alternative zu Microsoft gemausert. Die aktuelle Version 7.11 gibt es kostenlos und in deutscher Sprache. Anders als Mozilla und Netscape finanziert Opera sich allerdings durch ein Werbebanner, das in die Software integriert ist. Wer die Reklame abschalten will, muss die Vollversion für 39 Dollar kaufen - wozu aber nur die wenigsten bereit sind.

Trotzdem erfreut sich Opera auch in Deutschland einer wachsenden Fangemeinde. Seine Vorteile: Die Software zeichnet sich gerade bei älteren Computern durch besondere Schnelligkeit und sparsame Verwendung der Systemressourcen aus. Wie Mozilla ist auch Opera für alle Betriebssysteme verfügbar - sogar für manche Taschencomputer. Außerdem hat sich Opera in den vergangenen Jahren als innovativster Browser-Hersteller gezeigt: Zahlreiche Features wie mausgesteuertes Surfen, stufenloses Zoomen und die Möglichkeit, Webseiten in andere Sprachen zu übersetzen, hatten zuerst die Norweger im Programm, bevor andere sie übernommen haben - wie Microsoft.

Die Alternativen sind nicht ohne Probleme

Doch nach wie vor gibt es auch Probleme mit Mozilla und Co.: Kompliziert gebaute Webseiten, etwa beim Online-Shopping, sind manchmal so programmiert, dass sie nur mit dem Internet Explorer einwandfrei funktionieren. "Bitte benutzen Sie einen neuen Web-Browser der Marke Microsoft - Ihr Browser kann die Webseite leider nicht korrekt darstellen", heißt es dann auf mancher Seite. Zwar gibt es eigentlich allgemein gültige Standards, die von dem internationalen Firmenverbund W3C - zu dem auch Microsoft gehört - entwickelt wurden. Doch viele Seiten-Bauer halten sich einfach nicht daran.

Da hilft manchmal nur, die Herkunft des Alternativ-Browsers zu verschleiern - und ihn so einzustellen, dass er sich gegenüber den Web-Servern als Internet Explorer ausgibt. Oder - was auch die eingefleischtesten Opera- und Mozilla-Fans zuweilen zähneknirschend tun - doch auf das meist ohnehin vorhandene Monopolistenprodukt zurückzugreifen.

Ulf Schönert print

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker