Chinesisches Website-Imitat Google, aus Liebe kopiert


Google will sich aus China zurückziehen. Ein Schock für die chinesischen Fans der Suchmaschine. Als Hommage haben sie ein Google-Plagiat entwickelt. Doch "Goojje" zieht sich den Zorn von Google zu.
Von Ina Linden

Die Seite hat das Zeug, Kultstatus zu erreichen: Kaum gegründet, erfreut sich die Suchmaschine Goojje, die Ergebnisse von google.cn und dem chinesischen Konkurrenten Baidu vermischt, großer Beliebtheit. Zehntausende Nutzer besuchen die Homepage täglich, in Expertenforen ist gar von zwei bis drei Millionen Klicks täglich die Rede - beachtlich für eine Seite, die erst seit knapp vier Wochen auf dem Markt ist.

Das Projekt beruht auf einem chinesisch-amerikanischen Streit. Die Idee entwickelten acht Freunde, alles Studenten, nachdem sich Google über permanente Hackerangriffe aus China beschwert und angekündigt hatte, das Land zu verlassen. Ihr erklärtes Ziel war es, einen Tummelplatz für Google-Fans zu schaffen, die sich einsam fühlen. Jedenfalls formulierte es so Xiao Xuan, einer der Gründer von Goojje.

Aus der spontanen Eingebung wurde ein regelrechtes Unternehmen. 150 Ehrenamtliche arbeiten laut Goojje inzwischen für das Start-Up, die meisten davon sind Studenten. Die jüngste Mitarbeiterin sei 13 Jahre alt und kümmere sich um die Austauschforen, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Drohungen vom US-Konzern

Mit dem Traum der Studenten vom Google-Ersatz könnte es bald vorbei sein: Goojje bedient sich nicht nur der Suchergebnisse von Google, sondern schmückt sich mit einem Schriftzug, der sich schon auf den ersten Blick an das Vorbild anlehnt: Bis auf die Endung ist das Logo mit dem bekannten Markenzeichen der Amerikaner identisch. Vor das "je" am Ende von Goojje haben die Gründer einen blauen Pfotenabdruck gesetzt - das Markenzeichen der größten chinesischen Suchmaschine Baidu.

Während Baidu die Nutzung durch den kleinen Konkurrenten gelassen hinnimmt, hat Google mit einer Unterlassungsklage gedroht. Die Anwälte des US-Konzerns bemängeln in einem Schreiben an Goojje Urheberrechtsverletzungen, wie die chinesische Zeitung "Global Times" berichtete. Die Betreiber wurden aufgefordert, das Logo von Google nicht weiter zu kopieren. Sonst werde juristisch dagegen vorgegangen.

"Die Website ist das Verdienst unseres Teams"

Die Drohungen zeigten bisher nicht die von Google gewünschte Wirkung. Auf der Homepage der Chinesen steht weiterhin das zusammengebastelte Logo. "Die Website ist das Verdienst unseres Teams", sagte Goojje-Gründer Huang Jiongxuan der "China Daily". "Es ist unmöglich, dass wir die Seite schließen." Die Nutzer wüssten sehr wohl über den Unterschied zwischen den beiden Anbietern Bescheid. Es gebe auch keine kommerziellen Interessen. Lukrative Werbeangebote seien abgelehnt worden.

Die heftige Reaktion des kleinen Suchmaschinenbetreibers kann auch auf verschmähte Liebe zurückzuführen sein. Wie Goojje von Anfang an betonte, hat es die Seite als Hommage an den US-Konzern ins Leben gerufen. "Wir wollen nicht, dass Google uns verlässt, deshalb haben wir Goojje erstellt", sagte Mitbegründer Xiao Xuan, der die Software für die Website entwickelt hat. Goojje veröffentlichte sogar einen Aufruf an das US-Unternehmen, in China zu bleiben.

Doch die Appelle sind offenkundig wirkungslos geblieben. Google scheint den kleinen Bruder nicht als Unterstützer, sondern als lästigen Fälscher zu begreifen. Sollten sich die Fronten weiter verhärten, könnte es zum Prozess kommen. Goojee-Mitbegründer Huang Jiongxuan gibt sich gelassen: "Viele Rechtsanwälte haben angeboten, uns kostenfrei zu verteidigen und viele Leute unterstützen uns."

FTD

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker