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Soziales Netzwerk: Manager flüchten, Facebook ist offline: Mark Zuckerbergs rabenschwarzer Tag

Es gibt Tage, da wäre man lieber nicht aufgestanden. So einen dürfte Mark Zuckerberg gestern gehabt haben. Erst liefen ihm wichtige Mitarbeiter weg, dann schmierten auch noch sämtliche Facebook-Dienste ab. Und sein Ex-Sicherheitschef machte Facebook zum Bösewicht.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg schaut bei seiner F8-Rede betreten

Der gestrige Tag war sicher nicht Mark Zuckerbergs Lieblingstag

Manche Tage will man einfach nur hinter sich bringen - das ist bei den reichsten Menschen der Welt kaum anders als bei uns. Für Mark Zuckerberg hagelte es am Donnerstag pausenlos Nachrichten. Und das, obwohl es in den letzten Wochen ohnehin schon nicht gut für ihn lief.

Für die Nutzer weltweit dürfte der Dauerausfall das größte Problem gewesen sein. Ab Mittwochabend waren Facebooks Server in vielen Ländern nicht erreichbar, auch Whatsapp und Instagram fielen aus. Laut "Digitaltrends" waren knapp 30 Prozent der Nutzer weltweit betroffen, die größte Störung in der Geschichte Facebooks.

Was steckte hinter dem Ausfall?

Donnerstag Abend verkündete der Konzern zwar, man habe die Probleme im Griff, in sozialen Medien und Seiten wie "AlleStörungen.de" berichteten die Nutzer aber bis Freitag Vormittag von Problemen bei Einloggen und anderen Funktionen. Alternative Dienste profitierten davon. Laut dem Tech-Blog "The Verge" konnte alleine der Messenger Telegram am Donnerstag drei Millionen neue Nutzer vermelden. Mark Zuckerberg, einst geradezu besessen davon, wie stabil Facebook im Internet lief, dürfte geschäumt haben.

Was dahinter steckt, ist zumindest der Öffentlichkeit bislang noch unbekannt. Einen Angriff hatte der Konzern - ironisch genug - bei Twitter als Grund ausgeschlossen. Bemerkenswert ist allerdings, dass alle großen Dienste des Netzwerkes gleichzeitig betroffen waren. Nach offizieller Darstellung nutzen sie nicht die gleichen Ressourcen. Kein Wunder, dass schnell spekuliert wurde, dass Facebook mit einer Zusammenlegung der Angebote beschäftigt war, als etwas schief ging. Besonders ärgerlich ist der Ausfall für den Konzern, weil Facebooks neuer Sicherheitschef erst vor kurzem Facebook zur modernen Infrastrukur der Demokratie erklärt hatte. 

Meuterei gegen Zuckerbergs Pläne

Doch Zuckerbergs mieser Tag war noch nicht vorbei. Mit Chris Cox verkündete einer seiner engsten Vertrauten, den Konzern nach mehr als zehn Jahren verlassen zu wollen. Cox war für sämtliche Apps verantwortlich, stand damit über Instagram und Whatsapp. Einige sahen ihn gar als Zuckerbergs möglichen Nachfolger. Öffentlich wurden keine konkreten Gründe genannt, beide wünschten sich gegenseitig alles beste. Cox scheint aber nicht mehr mit Zuckerbergs Zukunftsplänen einverstanden gewesen zu sein.

In einem Post schrieb er: "Das wird ein großes Projekt und sollte von einer Führung umgesetzt werden, die von der neuen Richtung begeistert ist." Er war das offenbar nicht. Mit dem "Projekt" bezieht sich Cox auf Zuckerbergs durchaus umstrittene Pläne Whatsapp, Instagrams Nachrichten und den Facebook Messenger in ein einzelnes Chat-Instrument umzubauen. Auch Whatsapp-Chef Chris Daniels scheint das nicht mitgehen zu wollen. Er hatte den Messenger letztes Jahr von Gründer Jan Koum übernommen, nun reichte er gestern ebenfalls die Kündigung ein.

Die Verluste sind für Zuckerberg schwer zu verkraften. Die Strategie, die Messenger zusammenzulegen, wird von ihm als wichtiger Schritt zu mehr Privatsphäre verkauft. An diesem Ziel, immerhin eine Reaktion auf die großen Datenskandale des letzten Jahres, waren allerdings immer mehr Zweifel laut geworden. Facebook könnte so schlicht noch mehr Zugriff auf Daten haben, wurde von vielen Beobachtern spekuliert.

Facebook ist die Matrix

Dazu passt das Bild, das der ehemalige Sicherheits-Chef Alex Stamos von Facebook zeichnet. Als krönenden Abschluss von Zuckerbergs schwarzem Tag machte er Facebook auch noch zum Bösewicht. Stamos, der bis letztes Jahr für Facebooks Sicherheit verantwortlich war, kommentierte den Ausfall mit einer Serie von Gifs aus den "Matrix"-Filmen. Sie sollten erklären, wie ein kleiner Fehler eine Kettenreaktion auslösen kann. Das bemerkenswerte: Facebook ist in seinem Bild die Matrix - also die Unterdrückungsmaschine, die Menschen als Ressource festhält. Wie ernst er das Bild meint, zeigt sein letzter Post. "Die Menschen gewinnen, aber mit spürbaren Kosten. Das System, nun in seiner jüngsten Form neu gestartet, ist vorerst sicher. Aber wie lange kann der Frieden zwischen Mensch und Maschine wirklich halten?" Nicht nur Mark Zuckerberg dürfte an dieser Frage zu knabbern haben.

 

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