HOME

Geheimschrift "ZXX": Ich sehe was, was Google nicht sieht

Viel Geld fließt für Informationen über das Konsumverhalten und die Website-Nutzung von Usern. Um die Privatsphäre zu schützen, hat der Ex-NSA-Mitarbeiter Sang Mun nun "Geheimschriften" entwickelt.

Von Jannik Tille

Internetnutzer werden pausenlos gescannt. Suchmaschinen wie Google beobachten quasi jeden Schritt im Internet. Ein gefundenes Fressen für die Werbeindustrie, die sich diese Informationen längst zu Nutze macht und viel Geld für gezielt geschaltete Werbung zahlt. Mittlerweile ist die Technik so ausgereift, dass Konsumenten nicht mehr nur mit Werbung geködert werden können, sondern selbst die Texteingabe ausgespäht wird.

Die optische Wort-Wiedererkennung verwendet Google beispielsweise, um Bücher zu scannen. Mit erstaunlicher Exaktheit werden geschriebene Texte so noch genauer analysiert. Diese Erkenntnis verwundert in Zeiten von NSA-Skandal und Co wohl kaum noch jemanden. Etwas dagegen tun wollen Experten trotzdem.

Ein Jahr Entwicklungszeit

Sang Mun arbeitete während seiner Zeit beim koreanischen Militär mit der NSA zusammen und will sein Know-how jetzt Verbrauchern zur Verfügung stellen. Mithilfe der Schriftart "ZXX" sollen Informationen unbeobachtet im Internet geschrieben werden können. Obwohl "ZXX" für Menschen lesbar ist, sind Computer nicht in der Lage, die Schrift zu entschlüsseln.

Ein Jahr hat Sang Mun für die Entwicklung von "ZXX" benötigt. Die Abkürzung bedeutet so viel wie "Kein linguistischer Inhalt/Nicht anwendbar". Das Paket besteht aus insgesamt vier verschiedenen Schriftarten. Jede von ihnen ist mit anderen Zusätzen versehen, die es Suchmaschinen unmöglich machen, die Wörter klar zu erkennen. Wahlweise werden einzelne Buchstaben mit einem kleinen "X" unterlegt, durch Anfügen kleinerer Hochzahlen entfremdet oder mit einer Art Graffito versehen.

Für Mun ist das Projekt eher eine Provokation als eine ernst gemeinte Sicherheitsmaßnahme. "Manchmal können sich Ideen über die Sicherheit der Privatsphäre für Menschen sehr groß und abstrakt anfühlen. Ich wollte mit dem Design der Schriftarten aber eher Menschen darauf aufmerksam machen, wieder mehr miteinander zu reden", sagt Mun der Technologiemagazin-Site wired.com.

Kostenloser Download

Die Inspiration für die Entwicklung kam Sang Mun vor allem durch die neuesten Google-Entwicklungen wie Google Glass, die neue Bildersuche oder die Bücher-Scans. "Diese Software-Algorithmen sind so programmiert, dass sie sämtliche Informationen aus jeglichem Input ziehen können", erklärt Mun.

Die Geheimschrift kann wichtig für die Zukunft der Kommunikation werden. Dabei ist sie nur ein kleiner Schritt in Richtung Privatheit. Sang Mun bietet sie zum kostenlosen Download auf seiner Homepage an. Da es wohl nur eine Frage der Zeit ist, wann Google die verschlüsselten Schriftarten erkennen kann, arbeitet Mun bereits an "ZXX Version 2.0".

Themen in diesem Artikel