Google Desktop Search "Ein sehr mächtiges Werkzeug"


Mit der Google Desktop Search lässt sich eine Volltextsuche über die gesamte Festplatte eines Rechners durchführen. Nun schlagen Datenschützer gegen das "Spionageprogramm" Alarm.

Das neue Google-Werkzeug für die Suche nach Dateien auf der Festplatte arbeitet gründlicher, als der Datenschutz erlaubt. Weil das kleine Tool einen Index erstellt, der auch den Web-Cache erfasst, bringt es persönliche Informationen aus diesem Zwischenspeicher zum Vorschein.

"Es ist zweifellos ein sehr mächtiges Werkzeug, um Informationen auf dem Computer zu lokalisieren", sagt der amerikanische Datenschutzexperte Richard Smith aus Cambridge, Massachusetts. "Es ist aber auch ein perfektes Spionageprogramm." Wenn die Desktop-Suche auf einem von mehreren Personen genutzten Computer installiert ist, findet sie auch vertrauliche Daten in E-Mails, wenn die elektronische Kommunikation über eine Web-Site erfolgt. Dies ist gerade dann oft der Fall, wenn Computer in einer öffentlichen Bücherei oder in einem Internet-Cafe genutzt werden.

Die Suche fördert Passwörter zutage

So kann man bei häufiger Nutzung von Web-Mail auf einem Computer mit Google gezielt nach Mails von einem bestimmten Absender suchen. Und der Suchbegriff "Passwort" oder "password" fördert Mails zutage, in denen ein vergessenes Kennwort erneut zugeschickt wurden. Ebenso können Web-Seiten auftauchen, über die eine Online-Bestellung abgewickelt wurde. Neben dem Web-Cache des Internet Explorers erfasst die Google-Suche auch E-Mails in Outlook und Outlook Express und Chats bei Verwendung der Instant-Messaging-Software von AOL.

Die Software sei eine Art "fotografisches Gedächtnis von allem, was man auf dem Computerbildschirm gesehen hat", sagt Google-Managerin Marissa Mayer. Deshalb sollten die Verwalter von Computern mit mehreren Nutzern genau überlegen, ob sie das Tool wirklich installieren sollten, räumt Mayer ein.

Dateikopien verbleiben nach dem Löschen im Google-Index

Bei öffentlich genutzten Rechnern sind die Betreiber ohnehin meist dazu übergegangen, die Installation von Programmen durch einfache Nutzer zu unterbinden. Einige Anbieter wie die amerikanische Copyshop-Kette Kinko des Speditionskonzerns FedEx verwenden eine Technik, bei der ein Computer nach jeder Benutzung in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt wird. Auf diese Weise würden auch persönliche Einstellungen und Daten im Web-Cache wieder gelöscht, erklärt Kinko-Sprecherin Maggie Thill.

Datenschützer sorgen sich aber auch um den Einsatz der Google-Desktop-Suche in der Familie und im Unternehmen. Annalee Newitz von der Electronic Frontier Foundation (EFF) findet es besonders bedenklich, dass die Kopie einer Datei auch dann im Google-Index verbleibt, wenn das Original schon gelöscht wurde.

Allerdings wenden andere ein, dass es viele andere Programme gibt, mit denen sich Daten weit wirkungsvoller ausspähen lassen. Die Google-Suche sei eben nicht als Spionage-Tool, sondern als Suchmaschine für den Desktop entwickelt worden, sagt Neel Mehta von der Firma Internet Security Systems.

Solange aber die Möglichkeit zum Missbrauch besteht, sollte man in Internet-Cafes darauf achten, ob links unten am PC-Bildschirm das runde bunte Symbol für das Google-Tool zu sehen ist. Eine Vorsichtsmaßnahme kann auch darin bestehen, alternative Browser wie Mozilla und Opera zu verwenden, deren Cache von Google bisher noch nicht erfasst wird. Und bei der PC-Nutzung daheim ist es ohnehin sinnvoll, für jeden Nutzer einen eigenen Zugangsaccount anzulegen - die Google-Suche auf dem Desktop kann nur von einem einzigen Nutzer installiert und verwendet werden.

Anick Jesdanun/AP AP

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