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Grimme Online Award: Wiki und die starken Websites

Gleich zweimal wurde die freie Enzyklopädie "Wikipedia" beim Grimme Online Award ausgezeichnet. Weitere preisgekrönte Websites beschäftigen sich mit dem Holocaust, Einstein - und einer großen Boulevardzeitung.

Die Internetseite "Wikipedia - Die freie Enzyklopädie" ist beim Grimme Online Award 2005 in Bensberg bei Köln gleich mit zwei Preisen ausgezeichnet worden. Das Wissensnetzwerk erhielt "als herausragendes Beispiel kollaborativer Nutzung des Internet" den Preis des Adolf Grimme Instituts in der Kategorie "Wissen und Bildung". Außerdem gewann es den Intel-Publikums-Preis, der von Hollywood-Star John Malkovich überreicht wurde.

Einen Grimme Online Award erhielten dieses Mal insgesamt sieben Websites. Der Grimme Online Award würdigt seit 2001 Internet-Angebote mit besonders hoher publizistischer Qualität und gilt als wichtigste Auszeichnung der deutschen Online-Branche.

Ebenfalls in der Kategorie "Wissen und Bildung" erhielt die Website "Holocaust-Mahnmal - Gedächtnis aus Stein" (ZDF, HR Neue Medien, Redaktion heute.de) die begehrte Trophäe für "ein inhaltlich überzeugendes und emotional sehr ansprechendes Gesamtwerk, welches keine vordergründige Betroffenheit sucht, sondern an der Reflexion teilhaben lässt", so die Begründung der Jury. Daneben wurde der Internetauftritt der ZDF-Sendung "Einsteins Welt" gekürt, die "das Leben und Werk Albert Einsteins in seinen wesentlichen Aspekten auf sympathische und verständliche Weise begreifbar" mache.

"Schräg liegende Optik"

Eine weitere Preisträgerseite, "Jugendopposition in der DDR" der Robert-Havemann-Gesellschaft und der Bundeszentrale für politische Bildung, habe die Jury inhaltlich begeistert und mit ihrer eigenwilligen, etwas "schräg liegenden Optik" überzeugt. Erstmals wurde der Preis auch in der Kategorie "Spezial" vergeben, in der "Spiegel Online" geehrt wurde. Damit werde ein journalistisch geprägtes Onlineangebot ausgezeichnet, "das seit zehn Jahren wesentlich mit dafür gesorgt hat, dass das Internet zu einem respektierten Medium geworden ist."

Wiki kontra Lisa

In der Kategorie Kultur und Unterhaltung erhielt die Internetseite "Lyrikline - Poesie hören und lesen" einen Award für Konzept und Idee. Eine weitere Trophäe ging an das boulevardkritische Weblog "BILDblog". Insgesamt waren aus 1400 Einreichungen 28 Seiten nominiert worden. An der Abstimmung des Intel-Publikums-Preises hatten sich in diesem Jahr mehr als 120.000 Internet-Nutzer beteiligt. "Wikipedia" hatte sich hier ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Online-Angebot "Lisas Leben" zur Sat.1-Telenovela "Verliebt in Berlin" geliefert.

Malkovich für Hoffman

Als Star des Abends hat Hollywood-Schauspieler John Malkovich (51) den Intel-Publikums-Preis überreicht. "Ich kann mir ein Leben ohne Internet gar nicht mehr vorstellen", sagte Malkovich. "Was ich mag, sind professionelle Medien-Seiten", sagte Malkovich. Seinen Namen in Suchmaschinen eingeben würde er dagegen nie. Der Schauspieler schloss mit seinem Auftritt den Kreis der drei Musketiere: In den vergangenen zwei Jahren wurde die Auszeichnung von Gerard Depardieu und Jeremy Irons übergeben, die mit Malkovich 1998 in dem Film "Der Mann in der eisernen Maske" vor der Kamera standen. Derzeit ist Malkovich in "Per Anhalter durch die Galaxis" zu sehen. Ursprünglich war für die Preisverleihung Dustin Hoffman eingeladen, der aber wegen einer Erkrankung kurzfristig absagte.

"Mein Sohn fand es peinlich"

Zu weiteren prominenten Preispaten gehörten "Hart aber fair"-Moderator Frank Plasberg, RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel sowie die Schauspielerinnen Sabine Postel und Annette Frier. Postel (51) ist beim Nutzen des Internets nach eigenen Worten noch in der "Learning by doing-Phase". Das sagte die Bremer Tatort-Kommissarin alias Inga Lürsen, als sie die Trophäe der Kategorie "Wissen und Bildung" an die ZDF-Internetseite "Holocaust-Mahnmal - Gedächtnis aus Stein" übergab.

"Mein Sohn war ganz erstaunt und fand es peinlich, dass ich als Internet-Neuling dafür ausgewählt wurde", sagte Postel. Es gebe im Internet einen Menge Dinge, die von Nutzen sind. "Ich sehe aber auch Gefahren und bin irritiert, was man da manchmal so sieht, wie etwa pornografische Bilder." Umso besser sei eine solche Auszeichnung wie der Grimme Online Award, fand die in Köln lebende Schauspielerin. "Das gibt vielleicht auch Anreize".