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Le Web 09: Königliche Fete für das Echtzeit-Netz

Bei der "Le Web"-Konferenz in Paris kommen Online-Unternehmer aus ganz Europa zusammen, feiern die Twitter-Kultur - und fragen sich, warum Amerika eigentlich immer erfolgreicher ist. Neben vielen Web-Kings sorgt eine echte Königin für royalen Glanz.

Von Karsten Lemm, Paris

Für die Königin springen sie alle auf, Applaus!, und anschließend liegen sie ihr zu Füßen: Am Morgen des zweiten Tages schwebt Queen Rania von Jordanien in den Raum und verzaubert eine Viertelstunde lang die Teilnehmer der "Le Web"-Konferenz in Paris. Die Bilderbuchschönheit Ihrer Hoheit lässt Kamerablitze aufzucken, ihre Worte bringen Herzen zum Schmelzen: Die Königin berichtet, wie sie mit einer Online-Kampagne, "1Goal", 75 Millionen Kindern in armen Ländern eine Schulausbildung ermöglichen will. "Mit dem Echtzeit-Internet werden wir der Welt echten Wandel bringen", verspricht sie. Und sie schwärmt von E-Mail, Twitter, Facebook als Wege, mit ihren Untertanen besser in Kontakt zu kommen. "Im Internet haben die Menschen keine Angst", sagt Queen Rania. "Soziale Netzwerke haben ein Fenster zu meinem Leben aufgestoßen, sie zeigen den Menschen besser, wer ich bin."

Kein Zweifel, die jordanische Königin ist eine von ihnen: Sie atmet Bits und Bytes, versteht die Online-Welt wie wohl keine Zweite aus den Rängen der Staatslenker. Schade eigentlich, dass sie nach ihrem kurzen Auftritt gleich wieder verschwunden ist. Sie passt perfekt auf diese Konferenz, die größte ihrer Art in Europa - ein Treffen aufstrebender Jungunternehmer, Webdesigner, Blogger, Investoren, das in diesem Jahr zum sechsten Mal abgehalten wird. Über 2000 Teilnehmer sind aus allen Himmelsrichtungen angereist, um in einem Kulturzentrum fernab von Louvre und Eiffelturm, umgeben von schmucklosen Hochhäusern, die Zukunft des Internets zu erkunden.

Mitstreitersuche per Twitter

"Wir haben großartige Firmen in Europa", sagt Loic Le Meur, Organisator der Konferenz. "In Amerika werden Unternehmer als Helden gefeiert, wir in Europa dagegen neigen dazu, sie eher zu verstecken. Das versuchen wir mit Le Web zu ändern." Zwei Tage lang dreht sich alles um die aktuellen Trends der Online-Welt - soziale Netze, Mobildienste, Echtzeit-Informationen - und die Frage, wie man das Ganze am besten für sich nutzen kann. Billig ist der Spaß nicht: Teilnehmer zahlen weit über tausend Euro, und deshalb hat sich Vesna Gudlin mit anderen zusammengetan, die sie persönlich gar nicht kannte, um ihr Ticket erschwinglich zu machen. "Es gab ein Sonderangebot", erzählt die Marketing-Beraterin aus Göttingen. "Wer mindestens drei Tickets kauft, bekommt sie billiger." Per Twitter suchte sie Mitstreiter, fand sie binnen Minuten, recherchierte schnell bei Google, Facebook, Xing, ob es sich um vertrauenswürdige Leute handelte - und dann, digital in Echtzeit informiert, schlugen die Drei gemeinsam zu.

Einfallsreichtum der Amerikaner

Es ist die Art von Einfallsreichtum, die man sonst eher von Amerikanern kennt - von den Erfolgreichen der Internetwelt, die auch in Paris als Vorbilder dienen und einer nach dem anderen auf der Bühne stehen: Vertreter von Facebook, MySpace, Twitter, LinkedIn - und gleich nochmal Twitter, in Form von Jack Dorsey, einem der Gründer, der schon wieder weitergezogen ist und sich jetzt der nächsten Idee widmet. "Es ist sehr, sehr einfach, etwas mit einer Kreditkarte zu bezahlen", erzählt Dorsey, während er auf der Bühne steht, ein iPhone in der Hand, "aber enorm schwer, sich selbst per Kreditkarte bezahlen zu lassen. Also haben wir uns etwas überlegt, um das möglich zu machen."

Ein kleiner Plastik-Quader, an das iPhone gesteckt, verwandelt das Mobiltelefon in ein Kreditkarten-Lesegerät, das jeder immer bei sich tragen kann. Die Plastikkarte wird einfach durch den Aufsatz gezogen, das iPhone übernimmt die Datenverarbeitung; im Zusammenspiel mit der Software, die Dorseys neue Firma "Squares" entwickelt hat, könnte daraus ein bargeldloses Bezahlsystem für Jedermann werden. "Aus unserer Sicht eignet sich das für Händler genauso wie für Privatleute", sagt Dorsey, "zum Beispiel, um jemandem nach einem gemeinsamen Dinner Geld zurückzuzahlen."

Verrückt? Absurd? Ein Träumer? In Europa, das hört man immer wieder auf dieser Konferenz, sind Skeptiker schnell dabei, abseitige Ideen kleinzureden, im Keim zu ersticken, selbst wenn sie bei Erfolg sehr lukrativ sein könnten. "Keiner wollte uns Startkapital geben", klagt Niklas Zennström, Mitgründer des Internet-Telefondienstes Skype. "Alle europäischen Risiko-Investoren fanden Skype zu riskant." Zennström und sein Partner Janus Friis wagten es trotzdem - und verkauften Skype 2005 für 2,6 Milliarden Dollar an das Auktionshaus eBay.

Den Großteil seiner Rede widmet der Schwede dem Unterschied zwischen alter und neuer Welt: Hier Zögerlichkeit und Scheu vor dem Unbekannten, dort die Bereitschaft, immer wieder Neues in Angriff zu nehmen - auch wenn es längst nicht immer klappt. "Für Erfolg gibt es keine Garantie, keine feste Formel", sagt Zennström - er hat das selbst erfahren, als sein Internet-TV-Service Joost eine Bauchlandung machte. Aber ohne Ausprobieren, ohne Mut zum Risiko gibt es auch keine Chance auf Erfolg, argumentiert er, deshalb müsse Europa das "Stigma des Versagens" überwinden: Scheitern ist OK. Man steht wieder auf, hat etwas gelernt, versucht das Nächste. Bis es irgendwann klappt.

Mekka für Jungunternehmer

So machen sie das in Amerika, besonders im Silicon Valley, dem Mekka für Jungunternehmen. Aber lässt sich das so einfach auf Europa übertragen? "Das Silicon Valley ist in einer einzigartigen Lage", sagt YouTube-Mitgründer Chad Hurley im Gespräch mit stern.de. "Ideen allein reichen ja nicht - man braucht ein ganzes Ökosystem." Die Universitäten, die Geldgeber, die Unternehmer - eine seltene Mischung aus Köpfen und Kapital ist das, schwer zu kopieren, auch wenn es viele Gegenden rund um die Welt seit langem versuchen. Und so gehen manche Jungfirmen aus Europa lieber gleich nach Kalifornien.

Während Hurley auf der Bühne sitzt und über seine Liebe zur Formel 1 spricht, stehen ein Stockwerk tiefer Vincent Rithner und François Bochatay beisammen. Die beiden Schweizer haben "Sobees" entwickelt, eine kostenlose Software, die Freunden von sozialen Netzen helfen soll, im Gewirr der verschiedenen Dienste den Überblick zu behalten: Ob Facebook, Twitter, MySpace oder LinkedIn, alle Informationen fließen mit Sobees an einer Stelle zusammen. Deutsche Netzwerke wie Xing und StudiVZ würden die Schweizer auch gern einbeziehen, "aber die sind sehr verschlossen", klagt Bochatay. Stattdessen gibt es Sobees jetzt für Yahoo, so stehen die Nachrichten aus dem sozialen Netz gleich neben der E-Mail. "Wir haben zwei Jahre lang Kontakte im Silicon Valley aufgebaut", erzählen die Sobees-Gründer, "und jetzt zahlt es sich aus. Viele andere Firmen aus Europa konzentrieren sich einfach nur auf ihr eigenes Land."

Dabei macht es das WWW ja eigentlich ganz leicht, Menschen in aller Welt zu erreichen. Gleich neben Sobees demonstriert Stefan Lemper seinen "Club Cooee": Die deutsche Jungfirma verbindet Chat und Instant Messages mit 3D-Welten, wie man sie aus Computerspielen und Second Life kennt. Plötzlich haben alle Teilnehmer an virtuellen Unterhaltungen ein Gesicht, sie sind Figuren, die sich bewegen und eine Mimik haben, nicht mehr nur ein Name in einem Textfeld. "Jeder kann sich individuell ausdrücken", erklärt Lemper und zeigt, wie man mit ein paar Mausklick seine Avatar-Figur neu einkleiden oder ihr eine andere Frisur geben kann. "Man bekommt sofort einen Eindruck vom anderen", sagt Lemper, "es zeigt, wie jemand erscheinen möchte".

Nutzer hat die Zehn-Mann-Firma aus Kaiserslautern schon rund um die Welt gefunden. Auch der Name ist international: "Cooee", erklärt Lemper, ist der Ausdruck der Ureinwohner in Australien, wenn sie auf sich aufmerksam machen wollen. Dem Start-up selbst ist das schon gut gelungen; Club Cooee gehört zu einer Gruppe von Auserwählten, die Microsoft in seine "BizSpark"-Initiative aufgenommen hat, ein Förderprogramm für vielversprechende Jung-Unternehmen. "Unser Traum ist es, dass wir einen Großteil derjenigen, die Instant Messaging privat und zur Unterhaltung nutzen, für Cooee interessieren, weil wir eine spannende Alternative bieten", erklärt Lemper. Mehr muss gar nicht sein. So groß zu werden wie YouTube oder Facebook, das steht nicht auf dem Programm. "Das wäre vermessen", sagt der 39-jährige Firmenchef.

Europäer wollen nicht die Welt erobern

Aber warum eigentlich? Warum gilt meist nur in den USA: "The sky is the limit", die Ambitionen sind grenzenlos? "Die meisten europäischen Unternehmer gehen mit sehr bescheidenen Zielen an den Start", erklärt Edward Shenderovich, Managing Director bei Kite Ventures in Moskau. "Sie wollen gar nicht die Welt erobern, sondern einfach nur in ihrem eigenen Bereich Erfolg haben." Vielleicht, spekuliert der 33-Jährige, der lange in Kalifornien gelebt hat, fehle den Europäern da einfach ein Stück Unbekümmertheit, eine kindliche Naivität, die Amerikanern hilft, große Pläne zu schmieden und Neues auszuprobieren. "Man braucht das ja auch", sagt Shenderovich, "wenn man es wagen soll, von der Klippe zu springen."

Gegen Ende des zweiten Tages greift dann doch noch ein Europäer nach den Sternen, als der Franzose Tariq Krim auf die Bühne tritt und "Jolicloud" vorstellt: ein neues Betriebssystem speziell für Mini-Laptops, die hauptsächlich mit dem Internet arbeiten, sogenannte Netbooks. "Im nächsten Jahr wird es 50 Millionen Netbooks geben", rechnet Krim dem Publikum vor, "und was wäre, wenn all diese Geräte über ein Betriebssystem verknüpft wären, das Funktionen aus sozialen Netzen einbindet?" Google plant mit seinem "Chrome OS" Ähnliches, und Microsoft ist mit Windows immer noch der Platzhirsch der PC-Welt - scheinbar übermächtige Gegner, aber das kümmert Krim nicht. Er träumt trotzdem seinen Traum. "Wir wollen dafür sorgen, dass sich selbst die billigsten Rechner schön bedienen lassen", erklärt er. "Wir glauben, dass diese Maschinen das Zeug haben, alles zu verändern."

Sollen die Skeptiker ruhig die Nase rümpfen. Vielleicht, wenn er Glück hat und sein Plan aufgeht, steht Krim bei der nächsten "Le Web"-Konferenz wieder auf der Bühne - und wird gefeiert wie ein König.

Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.