Microsoft vs. Yahoo Die Ruhe vor dem Showdown

Microsofts Ultimatum für die Übernahme von Yahoo läuft ab. Der Softwareriese hat zuvor noch einmal bekräftigt, sein Angebot von 45 Milliarden Dollar nicht zu erhöhen - was die Yahoo-Führung aber fordert. Von der feindlichen Übernahme bis zum Rückzug Microsofts ist alles möglich.

Im Übernahmepoker um den Internet-Konzern Yahoo hat der Softwareriese Microsoft kurz vor Ablauf seines Ultimatums eine Erhöhung des milliardenschweren Angebots erneut ausgeschlossen. Sollte bis zu diesem Wochenende keine Einigung mit dem Management von Yahoo gelingen, werde sich Microsoft entweder in einer feindlichen Übernahme direkt an die Aktionäre wenden oder aber seine Offerte zurückziehen, bekräftigte Microsoft-Finanzchef Chris Liddell. Die Forderungen von Yahoo nach einer höheren Offerte beruhten auf "unrealistischen Erwartungen".

Microsoft will zur Steigerung seines Online-Geschäfts den Rivalen Yahoo für ursprünglich knapp 45 Milliarden Dollar (28 Mrd Euro) in bar und Aktien übernehmen und gemeinsam die Dominanz des Rivalen Google bei Online-Suche sowie Internet-Werbung brechen. Yahoo ist der Preis bislang zu niedrig, schließt aber eine Übernahme nicht generell aus. Der Internet-Pionier Yahoo gilt seit einiger Zeit als Übernahmekandidat. Konkurrent Google hat Yahoo längst bei den Werbeeinnahmen überholt und nimmt in zwei Monaten so viel Geld ein wie Yahoo in einem ganzen Jahr. Der Kurs der Yahoo-Aktie war zuletzt auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren gefallen. Der Gewinn des Unternehmens geht seit Ende 2006 beständig zurück. Yahoo-Vorstandschef Jerry Yang sagte, das Angebot werde nicht weiter geprüft, solange der Preis nicht erhöht werde. "Unsere Fähigkeit, an mehreren Fronten erfolgreich zu sein, verbessert sich deutlich", erklärte der Mitbegründer von Yahoo. Zugleich spricht Yahoo mit möglichen anderen Bündnispartnern wie Google, dem Online-Portal AOL aus dem Time-Warner-Konzern und dem Medienmogul Rupert Murdoch.

Kartellrechtler prüfen Yahoo-Google-Kooperation

Das US-Justizministerium prüft Kreisen zufolge, ob Yahoo und Google mit ihrer probeweisen Zusammenarbeit im Internet-Anzeigengeschäft gegen das Kartellrecht verstoßen. Es sei deshalb eine Untersuchung eingeleitet worden, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Die Bedenken beträfen unter anderem einen Anruf, in dem Google-Chef Eric Schmidt seinem Yahoo-Kollegen Jerry Yang Hilfe bei der Abwehr des Microsoft-Übernahmeangebots für den Konkurrenten angeboten habe.

Einem anderen Insider zufolge hat das Ministerium Bedenken wegen einer längerfristigen Zusammenarbeit der beiden Unternehmen. Sprecher von Google und Yahoo sagten, die Konzerne hätten die Behörden vorab über ihre Pläne unterrichtet. Yahoo hatte vor rund zwei Wochen bekanntgegeben, versuchsweise Google-Anzeigen auf drei Prozent der Ergebnisseiten der eigenen Suchmaschine anzuzeigen.

Microsoft will kommende Woche entscheiden

Anfang nächster Woche werde Microsoft über sein weiteres Vorgehen informieren, sagte Liddell. Er widersprach Yahoo-Chef Jerry Yang, der sein Unternehmen im Aufwind sieht. Der Wert von Yahoo steige nicht, sondern sinke im Gegenteil derzeit, sagte der Finanzchef. Die Wall Street rechnete zuletzt überwiegend mit einem Erfolg Microsofts bei der Übernahme, aber womöglich zu einem leicht erhöhten Preis. Es wäre der bisher mit Abstand teuerste Zukauf in Microsofts Geschichte.

Anleger hatten sich von den Quartalszahlen in dieser Woche eine mögliche Vorentscheidung im Tauziehen zwischen Microsoft und Yahoo erwartet. Keiner der beiden konnte aber mit einem echten Paukenschlag beeindrucken. Ausgerechnet Konkurrent Google hatte allerdings die Märkte mit seinen Zahlen und Prognosen begeistert.

Internet rückt in den Mittelpunkt

Erst in dieser Woche hatte der Softwareriese unter dem wachsenden Druck von Rivalen wie Google eine überraschende Wende seiner Firmen- Philosophie rund um den PC verkündet. Mit dem neuen Web-Service "Live Mesh" steht künftig mehr denn je das Internet statt des Computers zu Hause im Mittelpunkt. Nutzer können ihre Daten im Netz speichern, den PC und alle mobilen Geräten synchronisieren und so von überall aus auf die Anwendungen zugreifen.

Microsoft kündigte nach einem wegen Sondereffekten bereits erwarteten Gewinnrückgang im vergangenen Quartal für das im Juli beginnende neue Geschäftsjahr ein kräftiges Ergebnisplus von rund 15 Prozent an. Die US-Konjunkturkrise habe sich bisher nicht wesentlich auf das Geschäft ausgewirkt, sagte Liddell in einer Telefonkonferenz. Rund zwei Drittel des Umsatzes erzielt der weltgrößte Softwarekonzern außerhalb der USA.

Microsofts Überschuss sank von Januar bis März um rund 11 Prozent auf 4,39 Milliarden Dollar (2,80 Mrd Euro). Der Umsatz erhöhte sich nur leicht auf 14,45 Milliarden Dollar. Im Vorjahresquartal hatten jedoch Sondereffekte beim Verkauf des neuen Betriebssystems Windows Vista die Erlöse nach oben getrieben. Um diese bereinigt stieg der Gewinn um 14 Prozent.

Experten hatten einen stärkeren Gewinnrückgang befürchtet. Die Analysten waren aber zugleich von den Gewinnaussichten im laufenden Quartal etwas enttäuscht. Die Aktie kam nachbörslich deutlich unter Druck und verlor fast fünf Prozent auf rund 30,30 Dollar.

DPA/Reuters/AP AP DPA Reuters

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