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Netz-Verhalten: Wonach Surfer suchen

Wenn Internet-Suchmaschinen ihre Statistiken über die häufigsten Suchbegriffe offenlegen, gibt es gleich mehrere Überraschungen. Eine davon ist, dass Suchworte aus einem Themenbereich völlig fehlen.

Nutzer von Internet-Suchmaschinen wollen Orientierung haben. Was für das Zurechtfinden im Web gilt, scheint auch fürs reale Leben zuzutreffen. So wurde der Begriff "Routenplaner" 2006 am häufigsten in die deutschen Suchmaschinen eingetippt.

Doch auch wenn Statistiken einen Eindruck von den Interessen der Nutzer liefern - uneingeschränkt aussagekräftig sind sie nicht. Bei Google Deutschland führte 2006 "Routenplaner" die Top-15-Liste der Suchabfragen an. Beim zweitgrößten Anbieter Yahoo rangierte das Wort auf Platz zwei. Bei Yahoo lag "Wetter" ganz vorn, auf Rang drei kam "Erotik". Dass dieses Themenfeld auch Google-Nutzer nicht uninteressant fanden, lässt sich aus der Platzierung von "Paris Hilton" auf Rang fünf schließen.

"Impulse" werden nicht beachtet

Mit diesen Daten kann Nadine Schmidt-Mänz nicht viel anfangen: "Die Listen bleiben statisch", sagt die Wissenschaftlerin. Sie hat an der Uni Karlsruhe zum Suchverhalten im Web promoviert. "Impulse" - sich kurzzeitig häufende Suchbegriffe - würden etwa in der Google-Statistik gar nicht berücksichtigt.

Ein Impuls wird laut Nadine Schmidt-Mänz durch unvorhergesehene Ereignisse, Nachrichten oder Werbung angeregt. Ihn kennzeichne ein plötzliches Interesse, das bald wieder abebbt. Ein Beispiel sei die Suche nach "Tsunami" nach der Naturkatastrophe im Pazifik 2004. Um ein genaues Abbild der Suchvorlieben zu erhalten, müsse man die Suchabfragen daher im Zeitverlauf betrachten.

Das hat Schmidt-Mänz für ihre Dissertation von 2004 bis 2005 anhand der Suchmaschinen Fireball, Lycos, MetaGer und Metaspinner getan - und dabei teils ganz andere Suchvorlieben festgestellt als diejenigen in der Google- und Yahoo-Statistik. Ein Dauerbrenner-Thema sei vor allem "Erotik".

Statistiken werden von Erotik-Themen gesäubert

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Suchverhalten bei Google anders ist als bei den Suchmaschinen, die ich untersucht habe." Es werde vermutet, dass die Statistiken der großen Suchmaschinen von Erotik-Themen gesäubert werden. Stefan Keuchel von Google Deutschland räumt dies auf Nachfrage ein.

Doch die Statistiken ließen sich auch anders manipulieren, sagt Schmidt-Mänz. So könnten Unternehmen versuchen, ihre Seite im Ranking nach vorne zu schieben - mit Programmen, die automatisch immer wiederkehrende Suchanfragen nach Begriffen stellen, die auf der Unternehmensseite auftauchen.

Über diese Hintergründe Bescheid zu wissen, kann Suchmaschinen-Nutzern helfen. Die registrierten Füllwörter und falsch benutzten Operatoren unter den Dauerbrennern lassen laut Nadine Schmidt-Mänz darauf schließen, dass viele Surfer nicht mit der Funktionsweise der Programme vertraut sind.

Die "richtigen" Suchbegriffe sind ein Problem

Oft hapert es auch an der Formulierung der Suchanfrage. Nach Ansicht der Suchmaschinenforscher des Regionalen Rechenzentrums für Niedersachsen (RRZN) an der Universität Hannover sind die richtigen Suchwörter "ein großes Problem": "Bei der Suche nach einem bestimmten Fachgebiet sind oftmals die richtigen Suchwörter, die Fachbegriffe und das Begriffsumfeld noch gar nicht bekannt."

Schmidt-Mänz rät Nutzern daher, sich zunächst in die Begriffswelt einzuarbeiten und dann bei der Suchmaschine die "Phrasensuche" zu nutzen. "Eine weitere Möglichkeit ist der Versuch, sich die perfekte Webseite vorzustellen, die zu einem Thema gefunden werden soll." Dann könnten schrittweise die wichtigsten Formulierungen und Wörter in die Suche aufgenommen werden.

DPA / DPA