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Netzwerk: Zu geil für diese Welt

Im Internet-Club "Beautiful People" wollen die Schönen und Reichen unter sich bleiben.

Von Mascha Jacoby

Andrés (Name von der Redaktion geändert) Weltbild ist schlicht: "Die Frauen müssen gut aussehen, die Männer Kohle haben", sagt er und grinst in die Runde. Es ist Samstagnacht in München, auf der Dachterrasse des elitären Nachtclubs "8Seasons". Andrés Zuhörer sind wie er Mitglieder von "Beautiful People Germany", die sich zum Feiern versammelt haben. Unter der Adresse beautifulpeople.de findet sich im Internet ein Club, in den nur schöne und reiche Menschen reinkommen - so lautet zumindest das Konzept. Auf der Webseite heißt es: "BeautifulPeople.net ist die erste und einzige Online-Community für Menschen, die sich auf Grund ihres Aussehens und ihrer Qualitäten vom Durchschnitt der Mehrheit abheben."

Da möchte nicht nur André dazugehören: 65.000 Mitglieder hat Beautiful People weltweit - BPs nennen sie sich kurz und cool. BP startete vor gut vier Jahren in Dänemark; inzwischen gibt es den Schönen-Club in zehn Ländern.

Heiß oder hässlich?

In Deutschland öffnete er Ende März. Rund 4400 Menschen haben sich seither beworben - und die Betreiber verweisen stolz darauf, dass nur gut 900 angenommen wurden. Denn akzeptiert werden nur die Schönsten, Wichtigsten, Reichsten. Wer das ist, entscheiden die Mitglieder selbst, per "Voting". Das Bewerbungsformular, weltweit schon 400.000-mal ausgefüllt, fragt nach Alter, Wohnort, Beruf - und nach "wichtigen Werten": Wie groß? Wie schwer auf der Waage und, wichtiger, im Geldbeutel? Wohnhaft bei Mutti, in Loft oder Schloss? Dazu ein paar Sätze zur Selbstbeschreibung. Und ein Foto. Natürlich das bestmögliche. Darauf folgen drei Tage, in denen die Mitglieder des jeweils anderen Geschlechts wählen, ob der Bewerber heiß oder hässlich ist. Ob er reindarf oder draußen bleiben muss.

Auf der Dachterrasse erklärt André, eher ein Durchschnittstyp, das geschlechtsspezifische Votingverhalten: "Männer gucken nur auf das Foto. Ey, mir ist's auch scheißegal, ob eine die Welt retten will oder so. Hauptsache, die sieht geil aus!" Stammtischlachen: "Klar, mit Bikini sind die immer schnell drin!" Wieder Lachen. "Ja, und Frauen schauen mehr auf alles, die lesen auch mal den Text."

Was tun die Schönen?

Wer aufgenommen ist, darf nun Nachrichten an die Mitglieder senden, im Chat flirten, im Forum diskutieren, ein Fotoalbum eröffnen und die Bilder der anderen begucken. Oder beglotzen: Viele zeigen sich halbnackt - egal, ob Mann oder Frau. Beliebt auf den Fotos der Frauen sind Knutschszenen mit der besten Freundin, Posieren auf dem heimischen Sofa, Heben der Wodkaflasche auf einer Party. Was man eben so tut, wenn man sich "über dem Durchschnitt" wähnt.

Besonders preiswert ist die Mitgliedschaft nicht. Nach Ablauf einer kurzen Einstiegsperiode sind 30 Euro pro Monat fällig oder 120 Euro für ein Jahr. Das muss sich schon lohnen - aber wofür? Was wollen die Leute hier? Sich verlieben? Zugeben tun das wenige; Liebe im Netz suchen hat etwas Verzweifeltes, noch immer. Und die geprüft Schönen haben das natürlich nicht nötig.

"Beautiful People begann als Dating-Service, doch mittlerweile ist es mehr ein Party- und Business-Netzwerk", sagt Robert Hintze, Sprecher in der BP-Zentrale in Kopenhagen. Denn Beautiful People will Vorteile nicht nur online, sondern auch im "echten Leben" bieten. Die Leute sollen Zutritt haben, wo der Durchschnitt ihn nicht hat - möglichst kostenlos. Zu Partys, die nur für Mitglieder veranstaltet werden; in Clubs, für die man sonst teuer bezahlen muss. Auch Urlaub machen und Fliegen soll für BPs bald billiger sein.

Werber finden's geil

Das Konzept geht auf, weil sich Werber eine interessante Zielgruppe versprechen: "Wir haben schöne, meist junge, erfolgreiche Leute auf der Seite - Trendsetter. Deshalb finden wir leicht Sponsoren", sagt Hintze. Martini, Bacardi, Carlsberg und Heineken sind dabei. In Deutschland verhandeln die Macher mit Air Berlin und Lufthansa über Sonderkonditionen.

Auch beim Reich-und-berühmt-Werden kann die Mitgliedschaft helfen. Besonders in England, Dänemark und Schweden suchen Model- und Casting-Agenturen neue Gesichter auf den BP-Seiten. "In den TV-Realityshows in Dänemark sind ungefähr 80 Prozent der Teilnehmer von Beautiful People", berichtet Hintze stolz.

Ab 2007 werden die Seiten aller Länder zusammengeführt: eine Website für 65.000 Mitglieder. André freut sich mächtig darauf. Denn die Auswahl wird dann härter. Bei so genannten Re-Votings können die Mitglieder immer wieder neu entscheiden, ob ein Kandidat nicht doch zu hässlich für den Club ist. André findet das gut, er ist mit der deutschen Seite unzufrieden. Zu schlecht findet er die Fotos, oft zu unansehnlich die Leute darauf: "Die Deutschen sind zu schmuddelig." Auf die Idee, dass eine härtere Auswahl sich gegen ihn richten könnte, kommt André nicht. Sein Selbstbewusstsein immerhin ist deutlich über dem Durchschnitt.

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