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Offizielle Biografie von Steve Jobs Die persönliche Seite des iGods


Es war vielleicht das letzte Buch, das Steve Jobs gelesen hat. In den USA ist jetzt die offizielle Biografie des Apple-Gründers erschienen. Sie offenbart auch die persönliche Seite des Technikgenies.
Von Christoph Fröhlich

Genie, Tyrann, Visionär - für einige war Steve Jobs ein Weltverbesserer, für die anderen ein arroganter Geizhals. Doch wer war der Mensch wirklich, der unseren Alltag beeinflusste wie wenige zuvor? Einblicke in das Leben des Steve Jobs liefert die offizielle Biografie, die in den USA erschienen ist.

"Ich wollte, dass meine Kinder mich kennen", zitiert Autor Walter Isaacson Jobs' Erklärung für die Aufzeichnung seines Lebens. "Ich war nicht immer für sie da, und ich wollte, dass sie verstehen, warum das so war und was ich getan habe." Nach dem Tod von Steve Jobs am 5. Oktober landete das Buch dank zahlreicher Vorbestellungen bereits Wochen vor Erscheinen auf Platz eins der Bestseller-Liste. Allein in den USA beträgt die Startauflage rund eine Million Bücher. Knapp vierzig Interviews führte Isaacson mit dem Apple-Gründer, das letzte wenige Wochen vor seinem Tod. Auch seine Familie, Freunde und Weggefährten kommen in dem 650-seitigen Buch zu Wort - ehrlich und unverblümt, so wie es der ehemalige Apple-Chef von seinem Biografen gefordert hatte. In dem Buch äußert sich Jobs über seinen Kampf mit dem Krebs, über seine Familie und die Zukunft von Apple.

Angst vor der Operation

Ein großes Kapitel des Buches dreht sich um die Krebserkrankung des Apple-Genies. Nach der Diagnose im Oktober 2003 zögerte Jobs die nötige Operation um mehrere Monate heraus - aus Angst vor den Schmerzen: "Ich wollte nicht, dass sie meinen Körper aufschneiden. Also versuchte ich, ob ein paar andere Dinge funktionieren würden." Mit einer veganen Diät, einem Akupunktur-Programm und verschiedenen Kräutermedikamenten versuchte Jobs, seine Krankheit zu besiegen, vergebens. Nach neun Monaten beugte er sich dem Wunsch seiner Familie und ließ sich behandeln. Kurz vor seinem Tod schien Jobs die vergeudete Zeit zu bedauern, schreibt Isaacson. Ob eine frühere Operation seine Lebenserwartung positiv beeinflusst hätte, ist nach Angaben von Ärzten allerdings unklar.

"Wir hatten keinen Kontakt"

Auch die Beziehung mit seinem leiblichen Vater wird thematisiert: Steve Jobs wurde im Februar 1955 als uneheliches Kind in San Francisco geboren und von seinen Eltern zur Adoption freigegeben. In den späten Achtzigern trifft er seinen leiblichen Vater zum ersten Mal - allerdings ohne ihn zu erkennen. Jahre später will Jobs mehr über seine leiblichen Eltern erfahren und heuert einen Detektiv an. Der findet heraus, dass sein Vater Abdulfattah "John" Jandali heißt, gebürtiger Syrer ist und einmal ein bekanntes Restaurant im Silicon Valley besessen hat.

Jobs erinnert sich an seine wenigen Besuche in jenem Restaurant und an den syrischen Besitzer, dem er sogar die Hände schüttelte. Zu diesem Zeitpunkt wusste auch Jandali nicht, dass Steve Jobs sein Sohn ist, wie die "Huffington Post" schreibt. Doch Jobs verweigerte den persönlichen Kontakt mit seinem Vater – bis zu seinem Tod. Lediglich ein paar E-Mails wurden hin- und hergeschickt: In einer Nachricht wünscht Jandali seinem Sohn alles Gute zum Geburtstag, in einer anderen "Gute Besserung" im Kampf gegen den Krebs. Jobs antwortete kurz und knapp "Danke" – sechs Wochen vor seinem Tod.

In einem Interview mit dem "Wall Street Journal" sagt Jandali später: "Ich weiß gar nicht, warum ich ihm die Mails geschickt habe. Ich denke, ich habe es aus Sorge um seine Gesundheit getan. Er hatte sein Leben, ich hatte mein Leben und wir hatten keinen Kontakt." Das Interview beendet Jandali mit einer kleinen Bemerkung: Beim Verabschieden winkt er mit dem iPhone in seiner Hand und sagt leise: "Steve Jobs war ein Genie."

Bleibt Apple standhaft?

Geschätzt wurde Jobs vor allem für seine Kreativität und seine visionäre Weitsicht. Ob diese auf seinen exzessiven Drogenkonsum in den 1960ern zurückzuführen ist, ist nicht sicher. Er selbst beschreibt diese Phase als "eine der tiefgreifendsten Erfahrungen", die er je gemacht hat. Mit 15 Jahren konsumiert er Marihuana, später folgen LSD und andere bewusstseinserweiternde Substanzen. Später reist Steve Jobs nach Indien und bekennt sich zum Zen-Buddhismus, Anfang der 1990er wird er sogar von einem Zen-Meister getraut. Mit verschiedenen Diäten versucht er zur Erleuchtung zu gelangen: Während er Apple gründete, war er gerade auf einer Fruchtdiät und kehrte von einer Apfelfarm zurück. Er glaubte, der Name "Apple" klinge "spaßig, temperamentvoll und nicht einschüchternd".

Kurz vor seinem Tod machte sich Steve Jobs auch Gedanken um sein Erbe. Mit Blick auf das Konkurrenzunternehmen Hewlett-Packard, dass derzeit in einer großen Krise steckt, sagte Jobs, die Gründer Hewlett und Packard hätten ein großartiges Unternehmen aufgebaut. "Sie dachten, sie hätten es in gute Hände gegeben." Doch das Gegenteil ist der Fall, allein im letzten Jahr verlor die Aktie mehr als die Hälfte ihres Wertes. "Ich hoffe, ich habe ein stärkeres Erbe hinterlassen, sodass das bei Apple nie passieren wird."

Kommt bald der iFernseher?

Steve Jobs war entscheidend an der Entwicklung von neuen Podukten beteiligt. Seit Monaten spekulieren Apple-Fans über die Entwicklung eines iTV. Jetzt werden die Gerüchte neu angeheizt: Walter Isaacson zitiert den Apple-Gründer mit den Worten "Ich möchte ein integriertes Fernsehgerät entwickeln, das ganz einfach zu bedienen ist." Es soll Anschluss an den Online-Speicher iCloud haben und sich mit weiteren Apple-Geräten synchronisieren lassen. "Er wird die einfachste Bedienung haben, die man sich vorstellen kann. Ich habe es schließlich geknackt", sagte Jobs seinem Biografen.

Aus dem Buch "Steve Jobs. Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers" geht auch hervor, dass der ehemalige Apple-Chef bis zu seinem Tod gegen Googles mobiles Betriebssystem Android kämpfte. Jobs war zerfressen vom Hass auf Googles Android-Produkt: "Wenn es sein muss, werde ich meinen letzten Atemzug dafür verwenden, und jeden Penny von Apples 40 Milliarden Dollar bei der Bank, um dieses Unrecht zu korrigieren. Ich werde Android vernichten, weil es ein gestohlenes Produkt ist. Ich werde einen Atomkrieg dagegen führen." Noch nie zuvor habe Isaacson ihn so wütend erlebt, sagte er in einem Interview.

Steve Jobs, der Berater des Präsidenten

Eine andere brisante Stelle der Biografie dreht sich um die Affäre zwischen dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton und seiner damaligen Praktikantin Monica Lewinsky, wie die britische Tageszeitung "Daily Mail" berichtet: Eines Abends gestand Clinton dem Apple-Gründer am Telefon die Affäre und fragte, wie er mit der Situation umgehen soll. Clinton und Jobs verband eine jahrelange Freundschaft, das Wort des Apple-Chefs bedeutete dem Präsidenten viel. Und Jobs antwortete: "Ich weiß nicht, ob du es getan hast, falls ja, musst du es der Öffentlichkeit erklären." Danach blieb die Leitung eine ganze Weile still, erzählt Jobs seinem Biografen. Im Januar 1998 trat Clinton schließlich vor die Presse und gestand die Affäre.

Kurz nach dem Tod von Steve Jobs sprach Bill Clinton über seine Freundschaft mit dem Apple-Gründer: "Als meine Tochter nach Stanford ging, kam Steve Jobs auf mich zu und bot mir an, auf seinem Anwesen zu übernachten. 'Du und Hillary, ihr könnt bei mir bleiben und eure Tochter und ihre Freundinnen zu euch einladen, wann immer ihr wollt.' Er gab mir die Möglichkeit, in Ruhe mein Kind zu sehen, während ich eine sehr bekannte Persönlichkeit war. Seitdem steht er in meiner Gunst weit oben."


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