Safer Internet Day Für mehr Sicherheit im Netz


Europaweit können sich Kinder und Eltern am "Safer Internet Day" über die Gefahren im Internet informieren und sich Tipps geben lassen, wie sie die positiven Seiten des Netzes sicher nutzen. Die sieben größten Bedrohungen für Kinder im Internet - und was Eltern dagegen tun können.

Mit dem Aktionstag "Safer Internet Day" an diesem Dienstag will die Europäische Union auf Gefahren beim Umgang mit dem Internet hinweisen und Tipps für mehr Sicherheit geben. Unter der Schirmherrschaft der EU setzen zahlreiche Portalbetreiber, Verbände und Organisationen das Thema auf die Tagesordnung. Unter anderem gibt es Wettbewerbe und Workshops, Chats und Diskussionen. Als Zielgruppe nennen die Veranstalter Eltern, Kinder und Lehrer, aber auch Betreiber von Internetseiten. In Deutschland betreut die hauptsächlich von Landesmedienanstalten finanzierte Organisation Klicksafe.de den Aktionstag.

Eine der laut Klicksafe.de größten Aktionen läuft unter dem Namen "Respekt im Netz", an der sich auch das soziale Netzwerk SchülerVZ beteiligt. In drei Workshops diskutieren die Teilnehmer darüber, welche Informationen man im Netz preisgeben darf, wie man öffentlich über andere Menschen - etwa Lehrer - spricht und was bei der Kontaktaufnahme im Internet zu beachten ist.

Zum "Safer Internet Day" erklärten mehrere Verbände, Kinder seien beim Surfen im Internet nicht ausreichend vor jugendgefährdenden Inhalten geschützt. "Oft genügt nur ein falscher Klick, und das Kind landet auf Seiten, die man gerne noch einige Jahre von ihm ferngehalten hätte", sagte ein Sprecher des bayerische Landesverband des Kinderschutzbundes.

Viele Eltern fühlten sich dem Thema Sicherheit im Netz nicht gewachsen oder wüssten gar nicht, welche Gefahren im Internet für ihr Kind lauern. "Die Liste der nicht-jugendfreien Angebote ist lang." So gebe es Web-Seiten mit pornografischen Inhalten oder mit gewalttätigen Bildern, Filmen oder Texten. Außerdem könnten die Kinder ungeeignete Kontakte knüpfen. Besonders computerversierte Kinder könnten die im Handel angebotene Filtersoftware umgehen. Mit neuen Medienkompetenzkursen will der Deutsche Kinderschutzbund deshalb Eltern und Erziehenden sichere Wege durch den Mediendschungel zeigen.

"Die Befähigung der Kinder, Medien bewusst zu nutzen, wird nicht durch den alltäglichen Umgang mit Medien erworben. Sie muss erlernt werden", sagte Ekkehard Mutschler vom Vorstand des Kinderschutzbundes in Bayern. "Die Medienkompetenz der Eltern ist dabei von zentraler Bedeutung."

stern.de hat die die wichtigsten Gefahren und Schutzmaßnahmen in dem Kasten oben links zusammengestellt.

Ralf Sander mit DPA

Gefahr: Ungeeignete Inhalte

Obwohl es falsch wäre, das Internet auf solche Inhalte zu reduzieren, ist es eine Tatsache: Es gibt viele Onlineangebote, die explizite Darstellungen von Pornografie, Gewalt und Unfällen beinhalten, die auf keinen Fall für Kinderaugen geeignet sind. Hinzukommen rassistische, nationalsozialistische, extremistische oder auf andere Art aufhetzende Websites. Solchen Angeboten kann man auch begegnen, wenn man nicht explizit nach ihnen sucht.

Schutzmaßnahme

Startseiten

: Sorgen Sie dafür, dass der Internetbrowser für ihr Kind eingerichtet ist. Sinnvoll sind zum Beispiel spezielle kinderfreundliche Startseiten, die mit jedem Browserstart aufgerufen werden.

Einige Beispiele sind die Kinderportale:
www.internet-abc.de,
www.internauten.de,
www.milkmoon.de,
www.helles-koepfchen.de,
und die speziell für Kinder designte Suchmaschine http://www.blinde-kuh.de/

Eine gute Auflistung von kindergerechten Webseiten finden Sie auch unter www.seitenstark.de.

Filterprogramm

: Mit Hilfe von Jugendschutzprogrammen ("Filter") können Sie die Computernutzung Ihrer Kinder einschränken. Diese Programme blockieren den Zugang zu von Ihnen bestimmten Inhalten und können auch die Zeit, die das Kind vor dem PC verbringt kontrollieren. Aber Sie müssen sich im Klaren sein, dass ein computerversiertes Kind irgendwann in der Lage sein wird, diese Filter zu umgehen. Mehr zum Thema bietet der stern-Artikel "Super-Nanny für PC-Nachwuchs".

Im neuen Windows Vista sind verschiedene Jugendschutzfunktionen bereits eingebaut.

Aufklärung

: Klären Sie Ihr Kind darüber auf, welche Art von gefährlichen Inhalten es im Internet gibt. Die Kommission für Jugendmedienschutz hat einen Kriterienkatalog für derartige Inhalte veröffentlicht. Sagen Sie ihm, dass es sofort zu Ihnen kommen soll, wenn es etwas Schlimmes entdeckt hat.

Begleitung

: Begleiten Sie Ihr Kind bei seinen Aktivitäten im Internet. Das Onlineangebot "Eltern im Netz" des Bayrischen Landesjugendamts empfiehlt zum Beispiel: "Fragen Sie Ihr Kind nach seinen neuen Erfahrungen im Internet. Werfen Sie gelegentlich einen Blick auf den Bildschirm, wenn Ihr Kind am PC sitzt. So bekommen Sie einen Eindruck davon, womit sich Ihr Kind gerade beschäftigt. Seien Sie auch "Lehrling". Ihr Kind wird Ihnen stolz zeigen, was es am PC schon alles kann. Durch seine bereits erworbene Computererfahrung kann es Ihnen vielleicht sogar manches Mal bei Schwierigkeiten behilflich sein. Lassen Sie sich beispielsweise die bevorzugten Suchmaschinen oder Links erklären. "

Melden

: Melden Sie bedenkliche Angebote den Beschwerdestellen von jugendschutz.net. Diese Einrichtungen können geeignete Schritte gegen die Seitenbetreiber ergreifen.

Gefahr: Datenschutz

Kinder und Jugendliche geben im Netz häufig leichtfertig persönliche Daten preis. Wenn sie ihre E-Mail-Adresse bei Gewinnspielen, in Foren oder anderswo eintragen, werden diese Adressen häufig zu Werbezwecken verkauft. Eine Fülle von Spam ist die Folge.

Viel gravierender kann allerdings das Offenbaren intimster Details und das Veröffentlichen privater Fotos in bei jungen Menschen besonders beliebten sozialen Netzwerken wie Myspace, SchülerVZ oder StudiVZ sein. Ein besonderes Merkmal dieser Daten ist außerdem, dass sie nicht im Laufe der Zeit "verschwinden". Jugendsünden sind nach Jahren im Internet noch zu entdecken.

Schutzmaßnahme

Schärfen Sie Ihrem Kind ein, sich stets unter einem Nicknamen im Netz zu bewegen. Besorgen Sie ihm eine zweite E-Mail Adresse, die es beim Surfen verwenden kann; die reguläre Adresse bleibt für Freunde reserviert. Und überprüfen Sie in Absprache mit Ihrem Kind dessen Posteingang auf merkwürdige Mails.

Die österreichische Initiative saferinternet.at empfiehlt: "Erklären Sie Kindern und Jugendlichen die Gefahren leichtfertiger Datenweitergabe. Eine sinnvolle Regel, die sie gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen aufstellen können ist, dass diese Name, Adresse, Telefonnummer, Fotos etc. nur nach Absprache mit Ihnen weitergeben. Wichtig ist, dass Kinder und Jugendliche die Hintergründe der Gefahren verstehen und die Vorsicht auch als sinnvoll erachten. Ansonsten sind solche Vereinbarungen zwischen Eltern und Kindern zumeist sinnlos."

Gefahr: Chat

Die Möglichkeit, sich mit anderen über das Internet zu unterhalten - zu chatten - wird von vielen Kindern und Jugendlichen intensiv genutzt. Leider kommt es immer wieder vor, dass Pädophile in solchen Chats mit Minderjährigen Kontakt aufnehmen und sie sexuell belästigen.

Selbst wenn Kinder nicht direkte Opfer von Belästigungen werden, können sie in Chats Diskussionen mitverfolgen, die nicht für sie geeignet sind. Teilweise kann auch der rüde Ton in Chats und eine sexuell gefärbte Sprache Kinder verunsichern und verstören.

Schutzmaßnahme

Der Verein "Internet-ABC" empfiehlt: "Zeigen Sie Ihrem Kind Chats, die speziell für seine Altersgruppe angeboten werden. In unbedenklichen Kinder-Chats lesen Moderatoren die Beiträge mit und greifen gegebenenfalls ein. Dort werden keine persönlichen Daten abgefragt; eine Unterhaltung einzelner Teilnehmer in privaten Chaträumen ist nicht möglich."

Gefahr: Copyrightverletzungen

Das kostenlose - und in den meisten Fällen illegale - Herunterladen von Filmen, Musik und Software ist ein weit verbreitetes Hobby nicht nur, aber vor allem unter Jugendlichen. Dass sich dabei der PC mit Viren und Trojanern infiziert, ist eine Gefahr. Gravierender ist aber die Tatsache, dass dabei Rechtsverstöße begangen werden können.

Schutzmaßnahme

Machen Sie Ihrem Kind klar, dass es sich strafbar macht, wenn es Raubkopien herunterlädt, und dass die Konsequenzen für die ganze Familie sehr unangenehm sein können. Denn dass die Plattenindustrie aktiv Urheberrechtsverletzungen verfolgt, ist hinlänglich bekannt. Zeigen Sie legale Alternativen auf, zum Beispiel Onlineshops wie iTunes und Musicload oder kostenlose Musikportale wie Last.FM oder Tonspion.

Gefahr: Sucht

Die Themen Computer- und Internetsucht werden im Detail von Experten noch heiß diskutiert. Dass es zu Fällen von exzessiver Nutzung dieser Medien kommt, ist aber bekannt. Es muss ja nicht gleich, der Tod vor dem PC durch Erschöpfung sein, wie es in Südkorea einige Fälle gegeben hat. Und ob überhaupt und wie stark ein Mensch süchtig wird, ist individuell unterschiedlich. Dennoch macht die Dosis das Gift, das gilt auch für Internetsurfen und Computerspielen. Aufmerksamkeit der Eltern ist angebracht.

Schutzmaßnahme

Der Verein "Internet ABC" empfiehlt: "Aufmerksam sollten Sie werden, wenn Ihr Kind sich aus der realen Welt der Gleichaltrigen immer mehr zurückzieht und das Internet zum 'besten Freund' wird. Sprechen Sie mit Ihrem Kind und versuchen Sie, klare Regeln zu schaffen und einzuhalten. Suchen Sie Rat bei Fachleuten."

Gefahr: Mobbing

Die Möglichkeiten des Internet, Inhalte mit geringem Aufwand zu verbreiten, sowie die empfundene Anonymität im Netz erleichtern bestimmte Arten von "Scherzen" und des Herumhackens auf Schwächeren. Üble Nachrede und Beleidigungen in sozialen Netzwerken, Chats und Foren sowie das Verbreiten von peinlichen Fotos und Videos sind nur einige Varianten dieses Cybermobbing genannten Phänomens. Die Schäden bei den Opfern sind unter Umständen alles andere als virtuell.

Schutzmaßnahme

Das Kind muss lernen, dass es im Internet nicht wirklich anonym ist und sein Verhalten Spuren hinterlässt und Konsequenzen haben wird. Ist Ihr Kind ein Opfer von Cybermobbing, suchen Sie Hilfe an der Schule oder zur Not bei der Polizei.

Gefahr: Abzocke

Im Internet tummeln sich auch Betrüger, die ahnungslosen Internetsurfern Fallen stellen. Minderjährige sind besonders gefährdete Opfer. Es gibt betrügerische Angebote, die sich direkt an Kinder wenden, indem sie zum Beispiel Zusatzinhalte zu beliebten TV-Serien, Tipps für Hausaufgaben oder lustige Bilder und Klingeltöne versprechen. Beim Abrufen der Informationen können dann sehr hohe Kosten entstehen, weil beispielsweise unwissentlich ein Abonnement abgeschlossen wird.

Schutzmaßnahme

Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, dass es nur nach Absprache mit Ihnen etwas abonniert, sich "Geschenke" schicken lässt oder irgendwo Mitglied wird.

Links und Literatur

Literatur

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vertreibt kostenlos die Broschüre "Ein Netz für Kinder - Surfen ohne Risiko? Ein praktischer Leitfaden für Eltern und Pädagogen." Sie enthält neben häufigen Fragen von Eltern zum Internet auch eine Übersicht mit hilfreichen Regeln, Tipps zum spielerischen Umgang, Wissenswertes über Jugendmedienschutz und Verbraucherschutz, Buchtipps sowie kindgerechte Link-Hinweise. Bestellt werden kann das Heft unter Tel. 01888/555-2152 (Broschürenstelle) oder 0180/532-9329 (Sondertelefon).

Eine sehr ausführliche Literaturliste bietet klicksafe.de

Allgemeines zum Thema Kinder und Internet:

Deutsches Jugendinstitut

Deutsches Kinderhilfswerk

familie.deElterntalk.net der Arbeitsstelle Jugendschutz

Kinder- und Jugendschutz im Internet

Jugendschutz.net der Bundesländer, mit Beschwerdestelle bei Verstößen gegen das Jugendschutzgesetz

Bayrisches Landesjugendamt

Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien

Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter


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