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Streamingdienst Popcorn Time: Der Albtraum Hollywoods

Streamingdienste wie Netflix und Watchever boomen. Nun sorgt ein Newcomer für Aufsehen: Popcorn Time hat Tausende Hollywoodfilme, ist kostenlos - und illegal. Es erinnert an ein gepimptes kino.to.

Von Christoph Fröhlich

Popcorn Time rüstet gegen Hollywood auf

Popcorn Time rüstet gegen Hollywood auf

Filme schauen, wann man will. Ohne Wartezeiten, ohne Werbung, abrufbar per Mausklick: Das versprechen Online-Videotheken wie Watchever, Amazons kürzlich gestartetes Prime Instant Video oder das US-Schwergewicht Netflix, das die Erfolgsserie "House of Cards" mit Kevin Spacey in der Hauptrolle produziert. Die Internetdienste werden immer beliebter, was nicht nur an der kinderleichten Bedienung liegt, sondern auch den vergleichsweise niedrigen Preisen. Knapp zehn Euro kostet ein Monatsabo, dafür erhält man Zugriff auf Zigtausende Filme und Serien.

Seit Februar gibt es einen neuen Dienst, der mit viel Tamtam gestartet ist: Popcorn Time streamt aktuelle Kino- und DVD-Blockbuster kostenlos auf den Rechner des Users, das Angebot reicht von oscarprämierten Filmen wie "Dallas Buyers Club", "Gravity" oder "12 Years A Slave" bis hin zu Serien und Klassikern der Filmgeschichte. Auf Wunsch können die User bei den meisten Filmen zwischen HD- und SD-Auflösung wählen, oft gibt es sogar Untertitel für ein Dutzend Sprachen. Das Programm kann für Windows, Linux und Apples Mac OS X heruntergeladen werden. Nur: Popcorn Time ist illegal, und wer es benutzt, macht sich strafbar.

Wer herunterlädt, verteilt Raubkopien weiter

Anders als Netflix und Co. basiert Popcorn Time auf dem sogenannten Torrent-Netzwerk. Das ist ein Filesharing-Protokoll, das zur besonders schnellen Verteilung von großen Datenmengen entwickelt wurde. Im Gegensatz zum klassischen Download, bei dem eine Datei nur heruntergeladen wird, nutzt die Torrent-Technik zusätzlich den Upload, um die Datei oder Teile von ihr anderen Usern zur Verfügung zu stellen. Der Nutzer wird darüber beim ersten Start des Programms sogar informiert: "Popcorn Time lädt Filme über sogenannte Torrents hoch und runter. Dies kann in einigen Ländern illegal sein", heißt es in dem Popup.

Am Wochenende haben die Macher das Tool vom Netz genommen. Auf der offiziellen Homepage heißt es in einer kryptischen Erklärung: "Wir sind unheimlich stolz auf unser Projekt. […] Popcorn Time ist als Projekt legal. Wir haben das überprüft." In dem Blog-Eintrag argumentieren sie weiter: "Raubkopien sind kein Problem der Menschen. Sie sind ein Service-Problem. Ein Problem, das von einer Industrie erschaffen wurde, die Innovation als Bedrohung sieht." Warum das Projekt eingestellt wurde, obwohl sich die Macher nach wie vor im Recht sehen, bleibt unklar.

Popcorn Time unter neuer Federführung

Doch schon an Tag eins nach der Abschaltung kursierten die ersten Ableger der Open-Source-Software, mittlerweile hat die YTS-Community, die laut "Heise" das gleichnamige Torrentportal betreut und dessen Programierschnittstelle Popcorn Time nutzte, das Projekt übernommen. Eine neue Betaversion des Streaming-Programms kursiert bereits im Netz, Filme sind ohne Probleme abrufbar.

Wie auch in der ersten Version ist die Nutzung des Dienstes illegal. Wer Filme und Serien streamt, stellt sie anderen Zuschauern zur Verfügung und macht sich somit nach deutschem Urheberrecht strafbar.