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Nach Hacker-Angriffen: "The Interview" gibt's noch nicht mal auf DVD

Sony Pictures gibt den Hackern nach und will die Anti-Nordkorea-Komödie "The Interview" nicht mehr veröffentlichen - auch nicht online oder auf DVD. Hollywood reagiert geschockt.

Von Malte Mansholt

Noch hängen die Plakate, mit denen Sony Pictures für "The Interview warb. Bald dürfte das Filmstudio sie abhängen lassen.

Noch hängen die Plakate, mit denen Sony Pictures für "The Interview warb. Bald dürfte das Filmstudio sie abhängen lassen.

Erst waren es nur einzelne Kino-Ketten, am Ende aber zog Sony Pictures selbst die Reißleine: Die Komödie "The Interview" soll nicht im Kino erscheinen und auch sonst nicht vertrieben werden. Der Grund waren die Hacker-Attacken gegen das Filmstudio sowie die Anschlagsdrohungen gegen sämtliche Kinos, die den Film zeigen wollten. Auch wenn die US-Sicherheitsbehörden keine konkrete Bedrohung ausmachen konnten, wollte keiner für mögliche Opfer verantwortlich sein. Der Grund für die vermutlich aus Nordkorea stammenden Drohungen: Präsident Kim Jong Un fühlte sich durch den Film verunglimpft, er handelt von einem Attentat auf den als Lebemann dargestellten Dikator.

In Hollywood reagierte man derweil geschockt auf die Ankündigung. Von Zensur ist die Rede, viele kritisieren, dass die Verantwortlichen sich zu leicht einschüchtern lassen hätten. Andere wie Scrubs-Star Zack Braff versuchen, die Sache mit Humor zu nehmen. Der stern hat die Reaktionen aus Hollywood auf Twitter zusammengesammelt.

Schauspieler Rob Lowe ist entsetzt: "Wow, jeder hat klein beigegeben. Voller Sieg für die Hacker. Wow." Der ehemalige Präsidentschafts-Kandidat der Republikaner Newt Gingrich geht in seiner Antwort noch weiter: "Es waren nicht die Hacker, die gewonnen haben - sondern die Terroristen und fast sicher die nordkoreanische Diktatur. Das war ein Kriegsakt."

Late-Night-Moderator Jimmy Kimmel hat kein Verständnis für Sonys Entscheidung. Er nennt sie einen "unamerikanischen Akt der Feigheit".

Schauspieler Steve Carell sieht Sonys Rückzug als "Traurigen Tag für die kreativen Ausdrucksformen. Zuvor war bekannt geworden, dass sein eigener Nordkorea-Film "Pyongyang" ebenfalls abgeblasen wurde.

Kollege Ben Stiller findet es ebenfalls schwer zu glauben, dass Amerika auf diese Weise auf eine Bedrohung der Freiheit, sich auszudrücken, reagiert.

Comedian Bill Maher stellte die Frage, ob nun ein anonymer Verweis auf den 11. September ausreiche, um die Kunstfreiheit vor den Bus zu werfen. Und bezeichnete die USA als Nation von Angsthasen - allerdings mit einer etwas vulgäreren Wortwahl.

Scrubs-Star Zack Braff hat immerhin einen Lösungsvorschlag zur Hand: Nur Dennis Rodman könne die Situation auflösen. Der ehemalige Basketballstar hat Kim Jong Un bereits mehrfach privat besucht.

Der aus "King of Queens" bekannte Comedian Patton Oswalt befürchtet als Folge weitere Selbstzensur.

Horror-Autor Stephen King findet die Entscheidung in vielerlei Hinsicht beunruhigend. "Gut, dass sie (Sony) nicht die 'Satanischen Verse' verlegt haben".

"Bowling for Columbine"-Regisseur Michael Moore hat seine ganz eigenen Wünsche an die Hacker: "Nun da ihr Hollywood kontrolliert, hätte ich gerne auch weniger romantische Komödien, Michael-Bay-Filme und keine Transformers mehr".