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Microsoft ist raus Trump wollte China bei Tiktok rauswerfen – jetzt geht der Deal an einen seiner Unterstützer

Sehen Sie im Video: TikTok – ByteDance will mit neuer Partnerschaft Verkauf in den USA verhindern.




Der chinesische Technologiekonzern ByteDance will Insidern zufolge das US-Geschäft der Kurzvideoplattform TikTok nun doch nicht verkaufen. Geplant sei vielmehr eine Partnerschaft mit dem US-Soft- und Hardwarehersteller Oracle, um einem Verbot in den USA zu entgehen und gleichzeitig die chinesische Regierung nicht zu verärgern, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. Im Rahmen des geplanten Vertrags würde Oracle der Technologiepartner von ByteDance werden und die Verwaltung der US-Benutzerdaten von TikTok übernehmen, so die Insider weiter. Oracle sei auch an einer Beteiligung an den TikTok-Vermögenswerten in den USA interessiert. ByteDance hatte zuvor auf Druck der amerikanischen Regierung Gespräche geführt, um die US-Tochter TikTok an ein von Oracle oder Microsoft geführtes Konsortium zu veräußern. US-Präsident Donald Trump drohte wegen Sicherheits- und Datenschutzbedenken im vergangenen Monat mit dem Verbot der beliebten App, sollte diese nicht mehrheitlich in die Hand eines US-Konzerns übergehen. Die US-Behörde zur Überprüfung ausländischer Investitionen muss einem Deal zustimmen. ByteDance und Oracle reagierten nicht sofort auf Anfragen zur Stellungsnahme. Das Weiße Haus lehnte einen Kommentar ab. Microsoft ist nach eigenen Angaben aus dem Rennen um Tiktok ausgeschieden.
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Gleich mehrere US-Konzerne wollten das US-Geschäft der Hype-App Tiktok übernehmen. Nun ist der Verkauf wohl geplatzt. Stattdessen steht nun ein anders Modell im Raum - und profitieren soll ausgerechnet einer der wenigen Trump-Unterstützer im Silicon Valley.

Die Deadline ist fast abgelaufen: Ab dem 20. September ist Tiktok nach einem Dekret von US-Präsident Donald Trump in den Vereinigten Staaten verboten. Schuld sind Spionage-Befürchtungen der aus China betriebenen App. Doch der Verkauf des US-Geschäfts scheint trotz des engen Zeitrahmens vom Tisch. Und statt Favorit Microsoft soll auf einmal ein ganz anderes Unternehmen den Zuschlag bekommen. Und zwar eines, mit einem kurzen Draht zu Trump.

 Die überraschende Meldung kam gestern zunächst von Microsoft. Man sei von Tiktok-Betreiber Bytedance informiert worden, dass das Geschäft geplatzt sei, erklärte der Konzern in einem Statement. Gleichzeitig meldete "Reuters" unter Berufung auf chinesische Medien, dass überhaupt kein direkter Verkauf mehr geplant sei. Stattdessen gehe es nun um eine Art Partnerschaft für den Betrieb der Hype-App in den USA. Und Bytedance habe dafür den US-Konzern Oracle ausgewählt, berichten das "Wall Street Journal" und "Reuters" unter Bezug auf Insider. 

Favorit Microsoft ist raus

Die Entwicklung kommt überraschend. Oracle hatte zwar wie Microsoft schon länger sein Interesse bekundet, der Windows-Konzern galt aber als klarer Favorit für den Deal. Zwar betreiben beide Konzerne kein soziales Netzwerk, mit seinen Töchtern LinkedIn und den Xbox-Diensten hat Microsoft aber deutlich mehr Erfahrung in dem Bereich als der reine Business-Anbieter Oracle. Zudem sind die Taschen deutlich tiefer. Auf bis zu 40 Milliarden Dollar wurde der Tiktok-Verkauf geschätzt. Das wäre für Microsoft mit seinen geschätzten 136 Milliarden Dollar Bargeldreserven deutlich leichter zu stemmen gewesen. Oracle soll nur etwa ein Drittel davon in der Kriegskasse haben. 

Der Deal bekommt aber eine ganz andere Richtung, wenn man die politische Nähe von Oracles Führung bedenkt. Larry Ellison Mitgründer und CEO des Konzerns, ist einer der wenigen Trump-Unterstützer im Silicon Valley. Noch im Februar hatte er in einem Fundraiser Geld für die Wiederwahl des Präsidenten gesammelt. Kein Wunder, dass Trump im August die ersten Gerüchte zu Oracles Einstieg in die Tiktokgespräche sehr positiv bewertete. "Ich glaube, Oracle ist eine großartige Firma und der Besitzer ist ein fantastischer Typ", sagte Trump auf Anfrage eines Reporters. "Ich denke, Oracle könnte das auf jeden Fall hinbekommen."

Bleibt das Herz der App in China?

Das neue Modell der Partnerschaft dürfte Trump an sich eigentlich nicht passen. Er hatte in der Vergangenheit sehr klar gefordert, die App und ihre Daten zu amerikanischen Bürgern komplett in amerikanische Hand bekommen zu wollen. Glaubt man dem Berichten von "Reuters" und dem "WSJ" wird das aber so nicht passieren. Schon letzte Woche hatte es Befürchtungen gegeben, dass nach einer Änderung der Export-Regeln durch die chinesische Regierung das Herzstück Tiktoks, sein Algorithmus, nicht verkauft werden dürfte. China werde lieber ein Abschalten der App in den USA zulassen, als sein Gesicht zu verlieren, indem man sich zum Verkauf zwingen lasse, hieß es in den Berichten.

Wie genau die nun gemunkelte Partnerschaft aussehen soll, ist noch nicht bekannt. Der Algorithmus, der entscheidet, welche Inhalte den Nutzern als nächstes angezeigt werden, gilt als wichtigster Erfolgsfaktor der App, seine geschickte Inhalte-Auswahl als hauptverantwortlich für das rasante Wachstum. Insidern zufolge soll Bytedance darauf setzen, die US-Daten von Oracle verwalten zu lassen, um die Spionage-Befürchtungen zerstreuen zu können. Sollte der US-Anbieter der App aber einen eigenen Algorithmus entwickeln müssen, könnte das erheblich Zeit in Anspruch nehmen.

Die Entscheidung, ob der Deal so abläuft, liegt nun bei der Trump-Regierung und bei China. Die endgültige Frist für den Verkauf - von Trump separat gesetzt wurde - ist der 12. November. Zumindest auf US-Seite dürfte die Beteiligung Ellisons die Verhandlungssituation deutlich entlastet haben.

Quellen:Reuters, Wall Street Journal, Business Insider


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