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Reaktionen bei Twitter Das Netz lacht über die Regierungskrise in Großbritannien – und feiert eine deutsche Journalistin

Annette Dittert
Vertraut mit allem Britischem: Annette Dittert leitet das ARD-Studio in London
© Screenshot / tagesschau.de
Großbritannien steckt in einer tiefen politischen Krise. Premierministerin Liz Truss war gerade mal 44 Tage lang im Amt. Ein Salatkopf hielt länger durch als sie. Darüber freut sich Twitter in diesen Tagen. Und über eine deutsche Journalistin. 

Wer war Premierminister, als Queen Elizabeth II. starb? Das werde in 20 Jahren eine kaum zu knackende Quizfrage sein, prophezeit ein User bei Twitter. Das kommt mit mehr als 200.000 Likes gut an. Es ist ein Scherz von vielen auf Kosten der scheidenden britischen Premierministerin Liz Truss und der politischen Krise, in der Großbritannien derzeit steckt. 

Nach gerade mal sechs Wochen im Amt verkündete Truss am Donnerstag ihren Rücktritt. Von Anfang hatte ihr politischer Kurs unter keinem guten Stern gestanden. Mit ihren Pläne für große Steuererleichterungen inmitten der Inflation scheiterte sie als Premierministerin krachend. 

Für Twitter-Nutzer war das alles gefundenes Fressen 

Das Netz lacht. Es ist Zynismus in düsteren Zeiten, ein Ventil für die Absurditäten der politischen Realität. Legendär ist schon jetzt der Salatkopf, der länger durchhielt als die Premierministerin. Die Boulevardzeitung "Daily Star" hatte rund eine Woche vor Truss' Rücktritt einen Salatkopf neben ein Bild von ihr gestellt und die Frage gestellt, wer von beiden wohl länger durchhalten werde. Nun – das Grünzeug gewann. 

Essen spielt auch in einem vielbeachteten Tweet eine Rolle, in dem es heißt, dass die Italiener und Griechen wenigstens gutes Essen hätten. "Wir müssen all das durchstehen mit Bohnen auf fucking toast." 

Video einer deutschen Journalistin geht viral

Und mittendrin in den viralen Beiträgen rund um Truss' Rücktritt steckt eine deutsche Journalistin, die in diesen Tagen selbst zum Twitter-Hit wurde. Annette Dittert, Leiterin des ARD-Studios in London, zitierte in der "Tagesschau" den stellvertretenden Fraktionschef der Konservativen. Der habe das Parlament mit den Worten verlassen: "I am fucking furious and I don't fucking care anymore". Gewohnt professionell ergänzt Dittert, sie übersetze das jetzt mal nicht. Wie wütend und vulgär Craig Whittaker zu diesem Zeitpunkt gewesen sein muss, war auch ohne die Übersetzung seiner Flüche herauszuhören. 

Bei Twitter erhielt die Szene viel Aufmerksamkeit – insbesondere in Großbritannien. Der Ausschnitt des "Tagesschau"-Beitrags schaffte es in das Satire-Format der BBC "Have I Got News for You". Und auch die "Daily Mail" griff Ditterts Aussagen auf, woraufhin sie noch einmal bei Twitter betonte: Sie habe nicht selbst geflucht, sondern lediglich einen verzweifelten Tory zitiert. Sie scheint die Begeisterung über den Beitrag mit Humor zu nehmen. 

Wer kommt jetzt? In dieser Frage stecken die nächsten Memes

Die Tweets zu Truss' Abgang und das politische Beben drum herum sind das eine. Denn damit einher geht natürlich auch die Frage nach einem möglichen Nachfolger. Sie wolle im Amt bleiben, bis einer gefunden sei, sagte Truss bei ihrer Rücktrittserklärung am Donnerstag. Und das dürfte schnell gehen. Bereits in der kommenden Woche möchten die Konservativen einen neuen Premierminister finden. 

Unter den möglichen Kandidaten ist auch Ex-Premier Boris Johnson. Sein potenzielles Comeback ist Anlass für zahlreiche weitere Memes. 

Einer, der in diesem ganzen Spektakel natürlich nicht fehlen darf, ist Larry the Cat. Während die Premierminister kommen und gehen, bleibt der Kater in der Downing Street eine Konstante. Ein satirischer Twitter-Account in seinem Namen sieht Larrys großen Moment nun endgültig gekommen: Der König habe ihn gebeten, sein Premierminister zu werden. "Weil dieser Unsinn schon lange genug andauert." 

Nach all den Jahren in der Downing Street dürfte dem Kater jedenfalls nichts Menschliches fremd sein. 

Eine große, junge Stimme aus England, die Kritik an der Politik ihres Landes übt, ist Joy Crookes. Der stern hat die Sängerin getroffen. Was sie über ihre Musik und die Frustration der Menschen zu sagen hat, lesen Sie hier.

Quellen: Twitter (I), Twitter (II), BBC, Daily Mail

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