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Social-Media-Test: Twitter-Konto postet, was Donald Trump postet – und wird nach drei Tagen gesperrt

Das ging schnell: Ein Twitterer wollte testen, was geschieht, wenn er dieselben Botschaften verbreitet, wie US-Präsident Donald Trump. Am dritten Tag des Experiments kam die Antwort.


Donald Trump vs. Twitter und Co.

"Dieses Konto wird twittern, was der Präsident twittert": Mit dieser Ankündigung startete der Nutzer BizzareLazar Ende Mai auf dem Twitter-Konto SuspendThePres einen Test, der zeigen sollte, wie der Kurznachrichtendienst reagiert, wenn jemand der nicht US-Präsident ist, dieselben Botschaften verbreitet wie Donald Trump. "Mal sehen, ob es wegen Verletzung der Twitter-Nutzungsbedingungen gesperrt wird", schrieb BizzareLazar und forderte die Nutzer auf: "Verfolgen Sie dieses soziale Experiment mit. Melden Sie alle Tweets, die gegen die Regeln verstoßen. Ich danke Ihnen."

Trumps Kommentar zu US-Unruhen stört Twitter

Rund 68 Stunden später wurde SuspendThePres von Twitter vorübergehend außer Funktion gesetzt. Die Begründung: Das Konto habe gegen die Regeln zur Verherrlichung von Gewalt verstoßen. Auslöser für die Sperre war die Wiedergabe von Trumps Kommentar zu den Protesten nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd durch einen brutalen Polizeieinsatz in Minnesota: "Diese Schlägertypen entehren das Andenken an George Floyd, und das werde ich nicht zulassen", hatte der US-Präsident geschrieben. "Ich habe gerade mit Gouverneur Tim Walz gesprochen und ihm gesagt, dass das Militär ihn voll unterstützt. Irgendwelche Schwierigkeiten und wir werden die Kontrolle übernehmen, aber wenn die Plünderungen losgehen, geht das Schießen los. Ich danke Ihnen!"

Das Zitat "Wenn die Plünderungen losgehen, geht das Schießen los" ("When the looting starts, the shooting starts") ist historisch behaftet. Mit diesen Worten hatte 1967 der damalige Polizeichef von Miami ein hartes Vorgehen gegen die schwarze Bevölkerung angekündigt. Als Trump seinen Tweet verbreitet hatte, hatte Twitter ihn mit einem Warnhinweis versehen, aber keine Löschung verlangt und das Konto des US-Präsidenten auch nicht gesperrt. In dem Warnhinweis hieß es: "Dieser Tweet verstößt gegen die Twitter-Regeln zur Gewaltverherrlichung. Twitter hat jedoch beschlossen, dass möglicherweise ein öffentliches Interesse daran besteht, diesen Tweet zugänglich zu lassen."

SuspendThePres hingegen musste seine Kopie des Trump-Textes löschen. In einer E-Mail, die BizzareLazar auf seinem Konto teilte, schrieb Twitter, dass die Sperre zwölf Stunden nach Löschung des Beitrags aufgehoben werden würde. So geschah es dann auch.

Er habe selbst sehen wollen, ob der Tweet aus dem Weißen Haus tatsächlich gegen die Nutzungsbedingungen von Twitter verstoße, teilte der Schöpfer von SuspendThePres der Nachrichtenseite "Mashable" via Direktnachricht mit. Und um das zu testen, habe er herausfinden wollen, ob sie ihn wegen genau der gleichen Sprache sperren würden. "Anscheinend glaubt Twitter tatsächlich, dass der fragliche Tweet 'Gewalt verherrlicht'. Ihre Worte, nicht meine", zitiert ihn "Mashable".

Angesichts der aktuellen Ereignisse und der Art des Experiments habe SuspendThePres seinen echten Namen nicht nennen wollen, aber erklärt, dass er US-Bürger sei, berichtet die Nachrichtenseite.

SuspendThePres will Experiment fortsetzen

Um Trumps Äußerungen in den sozialen Medien hat sich in den vergangenen Tagen eine heftige Kontroverse entwickelt. Nach Twitter reagierte mittlerweile auch der Online-Dienst Snapchat auf die Rhetorik des Präsidenten und kündigte an, man werde dessen Beiträge künftig weniger prominent platzieren. Facebook hingegen will umstrittene Botschaften des Republikaners weiter unkommentiert auf seiner Plattform stehen lassen.

"Ich glaube, dass wir als freie Gesellschaft, die mehr und mehr auf soziale Medien angewiesen ist, um unsere Informationen zu sammeln, dafür verantwortlich sind, unsere gewählten Amtsträger für die Inhalte, die sie dort veröffentlichen, zur Rechenschaft zu ziehen", zitiert "Mashable" SuspendThePres. Auch soziale Netzwerke hätten diese Verantwortung, unterlägen dabei jedoch bestimmten Einschränkungen.

Wenn es um einen führenden Politiker gehe, argumentiere Twitter, dass es wichtig sei, dessen Botschaften unabhängig von ihrem Inhalt sichtbar zu lassen, um das nationale Interesse am Diskurs darüber zu fördern, erklärte SuspendThePres. Obwohl er dieser Aussage nicht widerspreche, meine er, dass auch klar sein sollte, ob diese Inhalte andernfalls die Nutzungsbedingungen einer Plattform verletzen würden.

Das Experiment soll "Mashable" zufolge auf unbestimmte Zeit fortgesetzt werden, in der Hoffnung, dass es sich schließlich über mehrere US-Regierungen erstrecken werde. Ganz gleich, was bei der Wahl im November geschehen werde und unabhängig davon, wer US-Präsident sei, "ich bin der Meinung, dass diese Art von sozialen Experimenten den Menschen helfen kann, zumindest ein wenig Einsicht zu gewinnen", erklärte SuspendThePres. "Hoffen wir, dass Twitter es nicht dauerhaft stilllegt."

Quellen: SuspendThePress auf Twitter, BizzareLazar auf Twitter, Donald Trump auf Twitter"Mashable"

mad