Überwachung Aus heiterem Himmel

In dieser Qualität liefern Satelliten noch keine Fotos von Bikinischönheiten. Aber vielleicht bald?
In dieser Qualität liefern Satelliten noch keine Fotos von Bikinischönheiten. Aber vielleicht bald?
© colourbox
Eigentlich sind Google Earth oder Microsofts Virtual Earth praktische Programme, mit denen sich der Globus bereisen lässt. Auf manchen Bildern erkennt man aber nackte Menschen oder geheime U-Boot-Stützpunkte. Politiker fordern nun einen "Geodatenschutz", um die Privatsphäre zu schützen.
Von Thomas Soltau

Wer sich mit Online-Atlanten auf Weltreise begibt, trifft zuweilen auf Highlights fernab touristischer Trampelpfade: Der Softwarekonzern Microsoft hat vor kurzem ein streng geheimes U-Boot der US-Marine fotografiert und dieses versehentlich bei "Virtual Earth" veröffentlicht. Konkurrent Google Earth hat bereits im Juni ein chinesisches U-Boot gezeigt, das unter strikter Geheimhaltung stand. Und Indien protestierte, weil militärische Anlagen bei Google Earth zu finden waren. Doch nicht nur die Militärs schreien auf, weil prekäre Bilder im Internet kursieren. Auch Privatpersonen gehören zu den Voyeurismus-Opfern auf die Weltreisende stoßen: Im letzten Jahr veröffentlichte Google Earth das Bild einer Frau in Holland, die sich nackt in einem Hinterhof sonnte.

In den USA geht Google mit dem "Street-View-Feature" seines Routenplaners Google Maps noch dichter ran: Es ermöglicht, sich an einem beliebigen Punkt in einer Straße zu stellen und eine hochauflösende Rundumsicht der Örtlichkeiten zu erhalten. Oder einfach durch die Straße der Stadt zu fahren. Die Tatsache, dass Passanten, die sich zufällig auf der Straße aufhalten, während Google die Umgebung abfotografiert, Teil der Panoramaansichten werden, führt seit Einführung des Angebots zu erheblichen Problemen.

Schnappschüsse von Kriminelllen

Bereits kurz nach der ersten Veröffentlichung haben User peinliche Situationen auf den Fotos ausfindig gemacht. Ein Mann aus San Francisco etwa wurde beim heimlichen Rauchen fotografiert. Nach seiner Beschwerde hat Google das betreffende Foto entfernt. Auch zur Aufklärung von kriminellen Straftaten ist "Street View" durchaus tauglich. So wurde ein Afroamerikaner bei dem sehr uneleganten Versuch abgelichtet, den Zaun einer Villa zu überwinden.

Plätze online erkunden

Eigentlich dient das neue Feature ja dazu, Plätze, die man besuchen möchte, bereits im Vorfeld zu erkunden. Häufiger wird der Service jedoch zur Befriedigung des persönlichen Voyeurismus genutzt - schließlich lässt sich in Fenster einiger Häuser schauen, Kennzeichen von Autos und Gesichter sind ebenfalls eindeutig zu erkennen. Nach geltendem US-Gesetz ist es erlaubt, im öffentlichen Raum uneingeschränkt zu fotografieren. Rechtlich ergeben sich für Google in den USA deshalb keine Probleme. Im Ausland und ganz besonders in Deutschland gibt es Bewegung in der Rechtslage um die Privatsphäre. Grundsätzlich gilt in Deutschland das Recht am eigenen Bild, das heißt jeder Bürger darf selbst bestimmen, ob und wie sein Bild in der Öffentlichkeit gezeigt wird.

Datenschützer und einige Politiker fordern schon länger den besseren Schutz von über Satelliten gewonnenen personenbezogenen Informationen. Schließlich können anhand der Fotos sensible private Details gesammelt werden, die ein Eingriff in das Grundrecht bedeuten. Aufnahmen aus heiterem Himmel lassen etwa Rückschlüsse auf den Wert eines Grundstücks zu - oder auf die Kreditwürdigkeit einer Person.

Gesetze gegen Spione von oben

Neben dem geplanten Satellitendatensicherungsgesetz (SatDSiG), das die Privatsphäre schützen soll, treibt die Bundesregierung noch ein zweites Gesetz voran. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) will nun regeln, welche Anbieter die Satelliten betreiben und ihre Daten anbieten dürfen. Ein Entwurf des so genannten "Gesetzes zum Schutz vor Gefährdung der Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland durch das Verbreiten von hochwertigen Erdfernerkundungsdaten" soll dem Bundestag bereits vorliegen. Die Bundesregierung erklärt, die Daten der kommerziellen Satelliten hätten inzwischen eine so gute Qualität, wie man sie bislang nur vom Militär kenne und seien deshalb sicherheitsrelevant. Bei diesem Entwurf geht es aber nicht um die Privatsphäre, sondern nur um die Wahrung politischer und militärischer Interessen.

Google selbst ergreift mittlerweile auch die Initiative. Das Unternehmen wünscht sich, dass Google Earth als Zweitanbieter von Satellitenbildern möglichst nicht von den Auflagen des Gesetzes betroffen sei. Die Begründung: Man prüfe die Bilder ja bereits vorher auf eventuelle Verletzungen der Privatsphäre.


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