HOME

Puppe hört und schaut zu: Will Google mit diesen gruseligen Teddys Ihre Kinder ausspionieren?

Der Ruf als Datenkrake haftet Google bereits seit Jahren an. Ein neues Patent des Konzerns ist aber noch ein ganzes Stück unheimlicher: Plüschtiere sollen per Kamera und Mikro Ihre Kinder aufzeichnen.

Ob Google sein Patent für verkabelte Teddys wirklich umsetzt, ist unklar

Ob Google sein Patent für verkabelte Teddys wirklich umsetzt, ist unklar

Im weltweiten Vergleich sind die Deutschen extrem um ihre Privatsphäre bedacht. Durch die Erfahrungen aus den Gestapo-Methoden im dritten Reich und die exzessive Spionage der Stasi in der DDR sind viele Bürger in hohem Grade um den Schutz ihrer Daten besorgt. International ist das häufig anders: Während deutsche Datenschützer ob der Neugierde von Facebook, Google und Co. regelmäßig Schnappatmung bekommen, schütteln etwa die US-Amerikaner nur verständnislos den Kopf. Ein neues Patent von Google geht aber selbst dort vielen zu weit: Der Konzern hat sich Plüschpuppen ausgedacht, die Kinder per Mikro und Kamera aufzeichnen und auf sie reagieren sollen.

Der aus dem Jahr 2012 stammende Patentantrag beschreibt "ein menschenähnliches Gerät, eventuell in Form einer Puppe oder eines Spielzeugs", dass dazu benutzt werden kann, Mediengeräte zu kontrollieren. Dazu nimmt es die Umgebung auf. Erkennt es bestimmte Gesten oder gesprochene Worte, richtet es seinen Blick auf die Quelle. Sie sollen zudem in der Lage sein, Sprachbefehle zu erkennen und etwa an Mediengeräte weiterzugeben, die sie dann umsetzen. Ähnlich also, wie es Siri beim iPhone tut.

Die Funktionsbeschreibung klingt, vom Puppendesign einmal abgesehen, erst einmal harmlos. Allerdings ist nicht unbedingt ersichtlich, warum ein solches Spracherkennungstool ausgerechnet die Form einer Puppe oder eines Teddys haben sollte. Google gibt daher an, dass sich die Nutzer besser damit identifizieren können, wenn das Gerät ein Gesicht hat. Der ganze Vorgang soll so natürlicher wirken. Allerdings hat Google auch gezielt Kinder im Sinn: Die benutzten Formen könnten auch "süß" sein. So ließen sich gezielter Kinder erreichen.

Auch dass die "Geräte" ihre Emotionen über Bewegungen und Gesten verstärken sollen, spricht eher Kinder als Erwachsene an. Sie sollen etwa ungeduldig mit dem Fuß tippen, gelangweilt den Blick vom Nutzer nehmen oder sich fragend am Kopf kratzen können. Überraschtes Zucken und neugieriges Zuhören sind ebenfalls im Programm.

Dass Google die neugierigen Puppen jemals tatsächlich verwirklicht, ist allerdings gar nicht gesagt. Der Konzern hat in der Vergangenheit bereits häufiger Patente angemeldet, die dann nie umgesetzt wurden. So können die Pläne in den knapp drei Jahren seit Einreichung des Antrags längst verworfen worden sein.

Trotzdem wäre Google heute nicht einmal der erste Konzern, mit lauschenden Puppen. Mattel hat bereits im März eine Barbie-Puppe angekündigt, die sich gezielt mit Kindern unterhalten soll – und praktischerweise auch gleich ihre Vorlieben speichert.

Malte Mansholt