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Internationale Raumstation Schockmoment im All – russisches Modul schubst ISS aus der Umlaufbahn

Das russische "Nauka"-Modul im Weltall
Das russische "Nauka"-Modul vor dem Andocken an die Internationale Raumstation. Kurz danach passierte der Zwischenfall, der die ISS aus der Bahn brachte
© Roscosmos Space Agency Press Service / DPA
Auf der Erde sind sich Amerikaner und Russen derzeit nicht so recht grün. Im Weltall arbeiten die Nationen aber zusammen – und mussten jetzt mit vereinten Kräften ein Problem an der ISS lösen.

Dass die Internationale Raumstation (ISS) hoch oben im All aus ihrer Bahn geworfen wird, ist ein ungewöhnlicher Zwischenfall. Genau das ist jetzt bei einem Andockmanöver passiert. Glücklicherweise konnten die Astronauten das Problem recht zügig lösen.

Für den Schockmoment sorgte Russlands neues Labor-Modul "Nauka". Das Modul hatte am Donnerstag schon wie geplant nach seiner achttägigen Reise die Raumstation erreicht, dann geriet die Lage für kurze Zeit stark in Bewegung – und zeitweise sogar außer Kontrolle.

Nachdem das Modul "Nauka" schon angedockt hatte, passierte es

Denn nachdem das Modul zunächst wie geplant um 15.29 Uhr MESZ an der ISS angedockt hatte, zündeten seine Triebwerke ungeplant und drehten die gesamte Raumstation, wie die Nasa auf Twitter mitteilte. Der Antrieb habe einige Stunden nach der Ankopplung "unbeabsichtigt und unerwartet" gezündet und die Fluglage der ISS um 45 Grad geändert, so die US-Raumfahrtbehörde.

Die ISS ist der Außenposten der Menschheit im All und fliegt in 400 Kilometern Höhe in einer bestimmten Umlaufbahn um die Erde herum. In einer Live-Übertragung der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos war zuvor die Ankunft des Moduls gezeigt worden. "Es gibt Kontakt!!!", jubelte auf Twitter Roskosmos -Chef Dmitri Rogosin.

Allerdings waren bereits während der Reise zur ISS Probleme aufgetreten. "Wir werden nicht lügen. In den ersten drei Tagen mussten wir uns Sorgen machen", sagte Rogosin der Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Und die Probleme sollten sich dann nach der Ankunft an der ISS fortsetzen.

Durch einen Notfalleinsatz wurde die aus ihrer Umlaufbahn geschubste ISS wieder in ihre reguläre Flugbahn zurückgebracht, so die Nasa. Die Besatzung der Raumstation habe die Triebwerke des russischen Teils der Station gezündet, um gegenzusteuern. Zu keinem Zeitpunkt sei die Crew in Gefahr gewesen, und die ISS und alle Systeme an Bord funktionierten normal.

Kontakt der Nasa zur ISS-Crew war für gut elf Minuten unterbrochen

Allerdings verlor die US-Weltraumbehörde nach eigenen Angaben für fast eine Stunde die Kontrolle über die Position der Station im All. In der Folge brach auch der Kontakt zur Crew für elf Minuten ab.

Es wird nun mehrere Monate und mehrere Weltraumspaziergänge erfordern, um das Modul vollständig in die Raumstation zu integrieren. "Nauka" war in der vergangenen Woche vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan aus mit einer russischen Proton-Rakete gestartet. Das neue Modul dient hauptsächlich der Forschung und der Lagerung von Laborausrüstung. Es misst 13 mal 4,11 Meter, wiegt mehr als 20 Tonnen und soll am russischen Teil der Station das ausgediente Modul "Pirs" (Anlegestelle) ersetzen, das kürzlich abgedockt und im Pazifik versenkt wurde.

Eigentlich sollte "Nauka" schon 2007 ins Weltall gebracht werden. Probleme hatten aber immer wieder zu Verzögerungen geführt. Das letzte Modul hatte Russland vor elf Jahren zum Außenposten der Menschheit geschickt.

Als Mehrzweckmodul ist "Nauka" vorrangig für die Forschung gedacht. Es wird aber auch das Leben der Menschen an Bord der ISS etwas komfortabler machen. Für den russischen Teil der Raumstation schafft "Nauka" Platz für Wasser, Fracht und Sauerstoffgeräte zur Regeneration. An Bord befindet sich auch der Roboterarm ERA der Europäischen Weltraumorganisation, der als erster Roboterarm auch den russischen Teil der ISS erreichen kann. 

Nach dem Zwischenfall teilte die Nasa mit, dass sie den für Freitag geplanten Start eines "Starliner"-Raumschiffs von der Firma Boeing zur ISS zunächst auf unbestimmte Zeit verschiebe. Mit dem unbemannten Testflug soll die Grundlage dafür geschaffen werden, dass mit dem "Starliner" künftig Astronauten zur Raumstation transportiert werden können.

Erleichterung nach der Aufregung: "Auf der ISS ist Ordnung"

Bis Freitag normalisierte sich die Lage auf der ISS, die Experten setzten die Inbetriebnahme von "Nauka" fort, wie aus Mitteilungen von Roskosmos hervorging. Die Spezialisten arbeiteten vom Flugleitzentrum aus an den Triebwerken des neuen Moduls, um so die Sicherheit der ISS und der Besatzung zu gewährleisten, teilte die russische Raumfahrtbehörde in Moskau mit. "Auf der ISS ist Ordnung", twitterte Roskosmos-Chef  Rogosin. "Die Kosmonauten ruhen sich aus. Das empfehle ich Ihnen auch", riet er nach der Aufregung auch bei den amerikanischen Kollegen der Nasa.

"Das war ein sehr schwieriger und wichtiger Sieg für uns!", meinte Rogosin in einer Antwort auf Glückwünsche aus den USA zu dem erfolgreichen Andocken des Moduls. Am Freitagabend sollten nach den Arbeiten der Spezialisten die Schleusen geöffnet werden – zuerst zum Modul "Swesda" (Stern) und danach zum "Nauka"-Modul. Rogosin kündigte für den 24. November den Start eines weiteren Moduls an, das künftig das Andocken von Raumschiffen verbessern soll.

ab AFP DPA

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