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Facebook in der Krise Die Skandalwochen des Mark Zuckerberg: Warum der Ausfall von Facebook ins Gesamtbild passt

Mark Zuckerberg bei einer Anhörung des House Financial Services Committee
Mark Zuckerberg ist zu seinem eigenen Krisenmanager geworden. Der stundenlange Ausfall von Facebook, Instagram und WhatsApp wirkt dabei nur wie ein Nebengeräusch in einer Zeit voller Tiefpunkte
© Andrew Harnik / DPA
Facebook taumelt seit Wochen durch mehrere Krisen. Der weltweite stundenlange Totalausfall all seiner Netzwerke ist dabei nur ein Tiefpunkt von vielen. Im Fokus steht der Gründer selbst.

Am Montagabend gingen Facebook, WhatsApp und Instagram in die Knie – in den sozialen Netzwerken ging gar nichts mehr. (Alle Informationen lesen Sie hier.)

"Uns ist bekannt, dass einige Menschen Probleme haben, unsere Apps und Produkte zu erreichen. Wir arbeiten daran, die Dinge so schnell wie möglich wieder in Ordnung zu bringen und entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten", teilte ein Facebook-Verantwortlicher mit. Es klang wie eine maßlose Untertreibung, die sich hervorragend einfügte in die schwierigen Wochen, die der Internetriese momentan durchlebt – aber der Reihe nach.

Mark Zuckerberg verliert sechs Milliarden Dollar seines Vermögens

Für Facebook und seinen Gründer und CEO Mark Zuckerberg bedeutete der Totalausfall seiner Kanäle vor allem eines: ein finanzielles Fiasko. Die Facebook-Aktie stürzte ab, Zuckerberg verlor laut "Bloomberg" in den sieben Stunden etwa sechs Milliarden Dollar seines Vermögens. 

Für das US-Unternehmen der nächste Tiefschlag in einer Reihe von Skandalen. Erst vor wenigen Wochen enthüllte das "Wall Street Journal" eine Reihe interner Dokumente unter dem Titel "The Facebook Files". Hieraus wird deutlich: Facebook weiß schon seit Jahren, dass insbesondere die App Instagram zu psychischen Problemen seiner User beiträgt. Viele Nutzerinnen und Nutzer gaben Instagram die Schuld für Angststörungen und  Depressionen. Sechs bis 13 Prozent der Befragten mit Essstörungen oder Depressionen führten diese (auch) auf die App zurück. Die Enthüllungen zeigten: Facebook versuchte diese Ergebnisse unter Verschluss zu halten und spielte sie intern herunter

Nur drei bis sechs Prozent der Hassinhalte werden von Facebook bekämpft

Dass diese und weitere Skandale an die Öffentlichkeit gelangen konnten, ist der Whistleblowerin Frances Haugen zu verdanken. Die Datenwissenschaftlerin arbeitete von 2019 bis 2021 für Facebook und hatte in dieser Zeit dutzende Dokumente gesichert. Ein zentraler Punkt in ihren Vorwürfen gegenüber Zuckerberg und seinem Unternehmen: Facebook verdient mit Hass und Wut Geld – Wachstum ist hierbei wichtiger als die Sicherheit der User oder Gesetze in jeweiligen Ländern. 

Haugen belegt diese Anschuldigungen unter anderem mit einer Studie, die Facebook in diesem Jahr selbst durchführte. Demnach würden nur etwa drei bis sechs Prozent der Hass- und 0,6 Prozent der Gewaltinhalte bekämpft werden. 

Zudem sollen in Facebooks "XCheck"-Programm Millionen von Accounts hinterlegt sein, denen es erlaubt ist, die allgemeinen Community-Regeln zu umgehen. Die Folge: Diese Accounts müssen keinen Konsequenzen fürchten, wenn sie etwa zu Gewalt aufrufen oder andere Nutzer belästigen.

Zwangsläufig stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage: Welche Rolle spielt Mark Zuckerberg selbst? 

Fakt ist: Lange Zeit war es die Strategie des Unternehmens, sich vor jeder Verantwortung wegzuducken. Doch der Druck auf die Spitze und auch auf Zuckerberg selbst wächst seit Jahren.  Laut der "Facebook Files" haben Mitarbeiter von Facebook mehrmals auf das Problem aufmerksam gemacht, das das Netzwerk in Entwicklungsländern mit sich bringt: Demnach ist Facebook dort ein wichtiges Werkzeug für Kriminelle. Egal ob Hetze gegen Minderheiten, Organ- oder Menschenhandel – Apps wie Whatsapp dienen eben nicht nur der harmlosen Kommunikation von Milliarden Menschen weltweit, sondern auch der einfachen und ungefilterten Kommunikation und dem Verabreden zu Straftaten.

Mark Zuckerberg wirkt hilflos – und flüchtet sich in Sarkasmus

Der CEO selbst wirkt in dieser Langzeitkrise überfordert und hilflos. Auf die Anschuldigungen durch die "Facebook Files" reagierte Zuckerberg selbst lange Zeit gar nicht. Das Unternehmen veröffentlichte eine Pressemitteilung mit dem Titel "Wo das Wall Street Journal falsch liegt". In dieser erklärte Facebook: "Diese Storys charakterisieren das, was wir versuchen zu tun, absichtlich falsch, und unterstellen der Facebook-Führung ungeheuerlich falsche Motive." Das Tech-Unternehmen habe zudem bereits mehr als 13 Milliarden US-Dollar in Sicherheitsinfrastruktur investiert. 

Erst nachdem die "New York Times" einen Artikel veröffentlichte, in dem sie darlegte, Facebook würde mit einer neuen PR-Strategie auf Kritik reagieren, äußerte sich auch Zuckerberg. Laut "NYT" plane Facebook zukünftig, statt auf Anschuldigungen einzugehen, seinen Usern einfach mehr positive Nachrichten in die Timeline zu spülen. Facebook wirbt für sich auf Facebook. 

Ein Beispiel für diese Aktion sei ein Video von Zuckerberg, in dem er auf einem Gefährt übers Wasser gleitete. Der CEO reagierte mit Sarkasmus: "Es ist die eine Sache, wenn Medien falsche Dinge über meine Arbeit erzählen. Aber sie übertreten eine Grenze, wenn sie von einem elektrischen Surfbrett schreiben, obwohl ich in dem Video eindeutig ein Hydrofoil nutze, das ich mit meinen eigenen Beinen pumpe."

Beruhigt haben seine Aussagen die Situation nicht. Und die aktuellen Enthüllungen dürften, davon ist auszugehen, auch in den kommenden Wochen für Aufsehen sorgen. Da kommt die Tatsache, dass die eigene Netzwerktechnik für einen stundenlangen Ausfall sorgte, zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Passt aber auch zum Gesamtbild, das die Firma und ihr Chef seit Wochen abgeben.

Quellen:Wall Street Journal "Bloomberg", Pressemitteilung Facebook New York Times Facebook Post Mark Zuckerberg Bayrischer Rundfunk Tweet Facebook


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