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Meinung

Pläne gegen E-Müll: Die EU will wechselbare Akkus im iPhone erzwingen - doch das schadet den Kunden mehr, als es nutzt

Endlich wieder selbst den Akku tauschen können - das will die EU wohl für Smartphones und andere Geräte erzwingen. Doch der vermeintliche Gewinn für die Konsumenten dürfte einen hohen Preis haben, glaubt Malte Mansholt.

Smartphone Android Akku Datenvolumen

Nutzt man sein Smartphone über Jahre, wird der Akku zum häufigen Ärgernis (Symbolbild)

Das Phänomen kennt jeder: Kommt das Smartphone neu aus der Verpackung, läuft der Akku noch tagelang durch. Doch die Freude hält in der Regel nicht an. Nach spätestens zwei Jahren geht er deutlich schneller in die Knie, irgendwann muss das Gerät dann schon mittags ans Kabel. Die EU-Kommission will das wohl nun ändern - und die Hersteller zu wechselbaren Akkus zwingen. Doch die Kunden sollten sich darüber lieber nicht freuen - sondern auf die Barrikaden gehen.

Dabei ist die Idee der EU im Grundsatz durchaus nachvollziehbar. Die schwächer werdenden Akkus seien einer der wichtigsten Gründe dafür, dass wir alle unsere Smartphones nur wenige Jahre nutzen, argumentiert die Kommission laut dem niederländischen "Het Financieele Dagblad" in einem geheimen Entwurf. Weil sich viele für einen Neukauf statt eines Akkuwechsels entschieden, entstünden Unmengen an Elektromüll. Wechselbare Akkus sollen helfen, den zu reduzieren, so der Plan.

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Der hohe Preis der Flexibilität

Was zunächst sehr kundenfreundlich wirkt, bedeutet im Alltag jede Menge Einschnitte. Während wir die Wechselakkus in klassischen Handys selbstverständlich fanden, sind sie in Smartphones eine Ausnahme-Erscheinung. Und das nicht ohne Grund: Beliebte Eigenschaften moderner Smartphones wie die schlanken und leichten Gehäuse, kabelloses Laden, schicke Glasrückseiten und Schutz vor Staub und Wasser sind mit Wechselakku gar nicht oder nur deutlich teurer machbar. 

Während sich wohl jeder grundsätzlich freuen würde, wenn man den Akku schnell selbst tauschen könnte, wollte deshalb wohl kaum jemand Geräte in Kauf nehmen, die größer, schwerer und empfindlicher sind. Das gilt insbesondere dann, wenn man bedenkt, dass die EU nicht nur bei Smartphones schnelle Akkuwechsel will - sondern auch bei Tablets und kabellosen Kopfhörern. Schlanke Stöpsel wie Apples AirPods wären mit Wechselakku aber nicht mehr umsetzbar. Der Plan würde sie also schlicht vom Markt fegen.

Frau zeigt Mann etwas auf dem Smartphone

Dass die Kunden unbedingt Wechselakkus haben wollen, ist angesichts der Verkaufszahlen ohnehin eine steile These. Es gibt die Geräte ja schließlich - doch unter den beliebtesten Modellen findet sich kein einziges von ihnen. Die Kunden, denen der Wechselakku diese Abstriche wert ist, sind im Alltag in der absoluten Minderheit. Wären Geräte mit Wechselakku nicht Randphänomen, sondern Kassenschlager, bräuchte es den Gesetzesentwurf ja auch nicht.

Andere Optionen sind hilfreicher

Für die Reduzierung des Elektromülls durch Smartphones und Co. ist der klassische Wechselakku wie bei Handys auch gar nicht nötig. Es würde vielmehr ausreichen, die horrenden Kosten für den Wechsel zu reduzieren. Bei vielen Herstellern zahlt man auf dem offiziellen Weg 100 Euro und mehr für einen neuen Akku. Bedenkt man, dass man für unter 200 Euro potente Smartphones bekommt, ist das nicht zu rechtfertigen.

Tatsächlich hat die EU das durchaus auf dem Zettel: Neben Wechselakkus nennt der Entwurf auch einfachere Reparaturen und längere Garantiezeiträume als Optionen. Zudem will man ein Recycling-System für Smartphone-Teile einführen. Diese Maßnahmen sind allemal sinnvoller, als gegen den Markt ein Nischenfeature erzwingen zu wollen.

Eine Idee der EU ist auch ohne das Ziel der Müll-Reduktion längst überfällig: Damit die Geräte länger genutzt werden, sollen die Hersteller sie auch länger mit Updates versorgen. angesichts der katastrophalen Lage bei Android-Smartphones, von denen manche schon mit veraltetem System auf den Markt kommen, wäre das dann auch ein echter Grund zum Jubeln.

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