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Kamerahandys: Klick und schick

Fotografieren mit dem Telefon wird zum Massenphänomen. Bei der Qualität der Kamera-Handys gibt es jedoch riesige Unterschiede.

Ein anständiges Handy muss auch Fotos machen können, sonst zählt es zum alten Eisen. Behauptet zumindest die laute Werbung der Mobilfunkanbieter. Mit Vertrag gibt es die ersten Kamera-Handys schon zwischen einem und 29 Euro. Mit solchen Preisen sollen die Telefonierer von der beliebten Textbotschaft SMS zur mit Bildern garnierten Variante MMS (Multimedia Messaging Service) gelockt werden. Doch wie viel Bildqualität gibt es bei diesen Schnäppchenpreisen?

Abstriche in der Bildqualität unvermeidlich

Nicht viel. In den Handys stecken Kameras mit einfachen Kunststoff-Objektiven und winzige Aufnahme-Chips, die im Vergleich zu echten Digitalkameras nur mäßige Bildqualität zustande bringen. Zumindest für die aktuelle Generation von Kamera-Handys gilt: Jede Digitalkamera vom Wühltisch macht bessere Bilder als selbst teure Multimedia-Mobiltelefone.

Den Spaß an MMS-Nachrichten trübt das nicht: Um einen Schnappschuss vom einen Handy aufs andere zu schicken, reicht die geringe Bildqualität allemal aus - das Handy-Display könnte bessere Fotos gar nicht anzeigen.

Das Grauen am Monitor

Augenfällig werden die Qualitätsunterschiede erst dann, wenn die Mini-Fotos nicht auf ein zweites Handy, sondern auf einen Computer übertragen werden, damit sie auf einem großen Bildschirm betrachtet oder sogar ausgedruckt werden können. Am Monitor fällt schnell auf, dass es auch zwischen verschiedenen Kamera-Handys erhebliche Unterschiede gibt. Schlusslicht ist dabei das Panasonic GD87, das nur Fotos in einer Auflösung von 176 mal 132 Bildpunkten schießen kann. Bei der Auflösung im Mittelfeld liegen fast alle fernöstlichen Kamera-Handys, also die Modelle von Samsung, Sharp, Sony-Ericsson und NEC. Sie produzieren Bilder im Format 352 mal 288 Pixel. Auch das Nokia 7250 spielt in dieser Liga.

Die derzeit höchste Bildauflösung erreichen die Nokia-Modelle 3650 und 7650, die Siemens-Handys S55 und M55 mit ihren ansteckbaren Mini-Kameras sowie die beiden Organizer-Handys Siemens SX1 und Sony-Ericsson P800. Sie produzieren Bilder in einer Größe von immerhin 640 mal 480 Pixel, die auch auf einem PC-Display noch recht stattlich wirken. Zum Vergleich mit Digitalkameras: Selbst das entspricht nur 0,3 Megapixel.

Jede Kamera schwächelt anders

Zudem ist die Auflösung nicht allein entscheidend für die Bildqualität. So neigt etwa die eingebaute Kamera der Nokia-Handys 7650 und 3650 zu Farbstichen und Unschärfen im Randbereich. Eher überstrahlte Bilder produziert das Sony-Ericsson P800, während Bilder aus dem Motorola T720i zu flau wirken. Bessere Ergebnisse erzielen die Siemens-Modelle S55 und M55. Das Panasonic GD87 liefert trotz seiner geringen Auflösung zumindest natürliche Farben, das Sharp GX10 schmälert das Fotovergnügen durch Flecken und Farbschlieren.

Farbleere

Zur Bildbeurteilung taugen die meist als Sucher dienenden eigenen Farbdisplays der Foto-Handys kaum - insbesondere wenn sie, wie bei der ersten Generation von Kamera-Handys, nur 256 Farben darstellen können. Erfreulicherweise zeigen die meisten neueren Multimedia-Handys zumindest 4096 Farben, zum Teil sogar über 65.000. Auf solchen Displays wirken sowohl selbst aufgenommene Fotos als auch empfangene Multimedia-Nachrichten recht natürlich.

MMS hinkt immer noch

Innerhalb der gleichen Mobilfunknetze klappt der Versand von MMS-Nachrichten mit Kurztext, Bild und gegebenenfalls zusätzlichem Soundclip mittlerweile überwiegend problemlos. Nach wie vor kämpfen die Anbieter aber mit Schwierigkeiten beim Versand zwischen verschiedenen Netzen. Wer also eine Bildbotschaft von seinem T-D1-Handy an einen Vodafone-D2-Teilnehmer schickt, kann keineswegs sicher sein, dass seine Nachricht ankommt - zumal in für den Empfänger erkennbarer Form. Vermeiden sollten MMS-Nutzer, mehrere Bilder in einem Schwung zu verschicken. Manches Handy ist damit komplett überfordert.

Es geht noch problematischer

Noch problematischer ist der MMS-Versand aus dem Ausland. Die von den Netzbetreibern propagierte Vision von Urlauberscharen, die statt konventioneller Postkarten MMS-Grüße nach Hause schicken, wird an vielen Ferienzielen noch mindestens eine weitere Saison auf sich warten lassen. Bei Preisen von 2,20 Euro und mehr für eine MMS aus dem Ausland ist das vielleicht auch besser so.

MMS zum Anfassen?

Wem ein konventioneller Postkartengruß nun aber doch zu spießig erscheint, dem bieten die Mobilfunkfirmen seit neuestem noch eine weitere Alternative: MMS-Postcards. Dabei wird die MMS nicht an den Empfänger, sondern an T-Mobile, Vodafone oder O2 geschickt. Die drucken das Bild samt der mitgeschickten Textbotschaft aus und schicken das Ergebnis als konventionelle Postkarte an den Empfänger. Bei Vodafone und O2 läuft der Service bereits, T-Mobile will in wenigen Wochen nachziehen, E-Plus bis Jahresende. Der digitale Druck- und Weiterleitungsdienst kostet bei T-Mobile und Vodafone 1,99 Euro pro Postkarte, O2 stellt pro Karte 2,29 Euro in Rechnung.

Die Empfänger werden sich vielleicht über das möglicherweise verschwommene Bild wundern. Aber ein liebenswertes Unikat ist eine MMS-Postkarte trotzdem.

Hannes Rügheimer / print