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Smartphone: Mesh statt Mobilfunk: Ist diese Technik das Ende des Funklochs?

Telefonieren unf chatten, wenn der Empfang weg ist,  das hat der Smartphone-Hersteller Oppo gerade vorgestellt. Statt auf Mobilfunk setzt man auf eine direkte Verbindung zwischen den Geräten - kilometerweit. 

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Wenn kein Empfang da ist, nützt auch die Flatrate nichts

"Kein Empfang": Diese Meldung war schon zu Handy-Zeiten ein Graus, in der Ära des Smartphones hat sie noch an Schrecken dazugewonnen. Mit einer gerade vorgestellten Lösung will Hersteller Oppo es ermöglichen, auch in Gegenden ohne Mobilfunknetz weiter telefonieren und chatten zu können. Doch die clevere Technik hat ihre Tücken.

Direktverbindung statt Mobilfunk

Zunächst klingt es aber sehr vielversprechend: Verlieren künftig Oppos Smartphones den Mobilfunkempfang, verbinden Sie sich stattdessen einfach mit anderen Geräten des Herstellers - und nutzen deren Verbindung mit. So soll ein Netz aus Smartphones - wie bei modernen WLAN-Systemen Mesh genannt - auch entlegene Gegenden mit einem Mobilnetz versorgen.

Die Meshverbindung wird von einem eigenen Chip erstellt, so Oppo. Obwohl sie bis zu drei Kilometer entfernte Geräte verbinden können soll, ist der Stromverbrauch nach Angaben des Herstellers kaum höher. Trotzdem soll die Verbindung stark genug sein, um Datenverbindungen und sogar Telefongespräche zu ermöglichen.

Apple nutzt die Technik anders

Die Direktverbindung erinnert an das sogenannte "Multipeer Connectivity framework". Die Apple-Technologie erlaubt so etwa, Daten schnell zwischen iPhones, iPads oder den eigenen Mac-Rechnern auszutauschen, ohne dass diese über ein Netzwerk miteinander verbunden sind. Die Übertragungsgeschwindigkeiten sind dabei beeindruckend hoch. Schon seit 2014 nutzt die App "Firechat" die Technik, auch zum Chatten ohne Mobilfunkverbindung. 

Noch gibt es bei Oppos Ansatz jede Menge offene Fragen. Über die technische Umsetzung verrät man bisher wenig, selbst Oppo stellte bisher keine Geräte mit dem Feature vor. Da sie auf einem proprietären Chip basiert, lassen sich vermutlich nur Oppo-Smartphones miteinander verbinden. Der Hersteller ist in der Heimat China bereits sehr erfolgreich, im Westen ist er eher unbekannt.

Um das Funklochproblem in den Griff zu kriegen, müsste die Lösung aber auch mit anderen Herstellern kompatibel sein. Ein gemeinsamer Standard oder eine Implementierung in weit verbreiteten Chips wie denen von Qualcomm wäre dafür die Vorraussetzung. Bisher gibt es solche Bemühungen aber noch nicht.

Offene Fragen

Hinzu kommen Sicherheitsfragen. Da die Verbindung auch über Kilometer erfolgen kann, müsste sich verschlüsselt erfolgen. Wie gut diese Verbindung gesichert ist, ist aktuell noch nicht bekannt. Eine Lücke in einer so weit reichenden Funkverbindung wäre eine Katastrophe. Auch ob die Privatsphäre der Nutzer ist geschützt wird, ist bei einer proprietären Lösung eines chinesischen Unternehmens zumindest fraglich.

Trotzdem hat die Technik großes Potenzial. Sollten die Sicherheits- und Privatsphäre-Fragen in einem gemeinsamen Standard gelöst werden, könnte man mit Mesh-Netzwerken unter Smartphones eventuell die größte Schwäche aktueller Funknetze aushebeln: Trotz immer neuer Technologien und fortwährendem Netzausbau sind viele Teile Deutschlands nach wie vor vom modernen Funknetz angeschnitten. Wegen der geringen Anzahl von Kunden lohnt sich der Ausbau der Netze nicht, klagen die Provider. Durch Direktverbindungen könnten diese Löcher zumindest deutlich schrumpfen. 

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