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Spionageverdacht: Hackt sich der Kreml in die Smartphones von Nato-Soldaten?

Nato-Truppen in Osteuropa haben besorgniserregende Zugriffe auf ihren Handys erlebt. Hinter den Angriffen soll Moskau stecken. Der Trick: Die Attacken richten sich gegen die privaten, ungesicherten Smartphones der Soldaten.

US-Soldaten während einer Übung in Litauen.

US-Soldaten während einer Übung in Litauen.

Schock bei der Nato: Laut dem "Wall Street Journal" ist das Bündnis entsetzt, weil der Kreml ranghohe Militärs ausspionieren soll. Die Überraschung ist etwas verwunderlich, denn eigentlich gehört das Ausspionieren militärischer Geheimnisse zum Standardrepertoire von Geheimdiensten.

Neu ist offenbar, dass die privaten Smartphones der Militärs das Einfallstor der Angriffe sind. Westliche Offizielle sagten, sie hätten keinen Zweifel, dass Russland hinter der Kampagne stecke. Wenn auch das beschriebene Vorgehen ziemlich plump wirkt. Die Angriffe sollen sich gegen leitende Offiziere der Nato-Truppen in Ost-Europa richten. Oberstleutnant Christopher L' Heureux sagte dem "Wall Street Journal", ein Hacker habe den "Verloren-Modus" auf seinem persönlichen iPhone ausgelöst. Der Angriff soll aus Moskau erfolgt sein. Ziel sei es gewesen, das Handy und damit den Oberstleutnant zu lokalisieren. "Sie haben mich geortet, wer auch immer es war", sagte er. "Ich dachte mir, was zum Teufel ist das?" Oberst L' Heureux sagte weiter, dass mindestens bei sechs seiner Soldaten Telefone oder Facebook-Konten gehackt wurden. Er sagte aber auch, dass er den Angriff mit einem einfachen Tool - vermutlich über die IP - nach Moskau zurückverfolgen konnte. Das würde bedeuten, dass der Hacker nicht einmal die einfachsten Maßnahmen ergriffen hat, um seine Spur zu verbergen.

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Plumper Angriff

"Russland hat immer versucht, Nato-Soldaten für die Ausbeutung von Geheimdiensten ins Visier zu nehmen", sagte Keir Giles, ein Associate Fellow am Chatham House's Russia and Eurasia Program, dem "Wall Street Journal". "Aber eine solche Kampagne der Belästigung und Einschüchterung ist in letzter Zeit beispiellos."

Andere Soldaten berichten, dass ihre Smartphones neben der russischen Grenze gestört worden seien. Die Nato vermutet den Einsatz einer Drohne.

Einfache und lohnende Ziele

Tatsächlich ist der Angriff auf private Smartphones eine erfolgversprechende Strategie. Das Militär nutzt geschlossene und besonders gesicherte Kommunikationswege, zu denen man sich zunächst Zugang verschaffen muss. Das private Gerät eines Soldaten, ob nun Smartphone oder Laptop, ist nicht sicherer als das Gerät eines x-beliebigen Zivilisten. Bei hochrangigen Offizieren können so detaillierte persönliche Informationen abgeschöpft werden. Truppenbewegungen würden durch die Ortsveränderungen einer großen Zahl von Soldaten verraten werden. Würde der Gegner die Geräte tatsächlich hacken, hätte er umfassende Überwachungsmöglichkeiten durch Kamera und Mikrofon. Theoretisch könnte man über die Privat-Geräte im Ernstfall falsche Nachrichten und Anweisungen verschicken.

Gefahrenquelle Privat-Geräte

Spätestens seit der NSA-Affäre wurden die Gefahren durch gekaperte Handys breit diskutiert. Eigentlich war zu erwarten, dass der russische Geheimdienst über vergleichbare Möglichkeiten wie westliche Geheimdienste verfügt. Erstaunlich bleibt, dass ungesicherte Privat-Smartphones beim Militär keine Besonderheit sind. Denn auch einem einfachen Artilleristen sollte klar sein, dass eine Tarnung der Stellung sinnlos ist, wenn das Handy sich von dort aus in einem Mobilnetz anmeldet und den exakten Standort weitergibt. Einfach ausgedrückt: Der Gegner benötigt kein kompliziertes Radar, wenn die Panzer der Gegenseite ihre Bewegungen durch die Smartphones der Besatzungen verraten.