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Smartphones: Eine Frage des Betriebssystems

Kontakte pflegen, Musik hören, im Netz surfen und Filme schauen: Mobile Telefone werden mit ihrer leistungsstarken Software zu echten Smartphones. Doch wo liegen die Unterschiede von Windows, Apple und Google für die Hosentasche?

Von Gerd Blank

Jedes Jahr kommen hunderte neue Mobiltelefone verschiedener Hersteller in den Handel, die sich äußerlich kaum noch unterscheiden. Nachdem Apple beim iPhone fast vollständig auf Tasten verzichtete, setzen jetzt auch Nokia, Sony Ericsson, Samsung und LG verstärkt auf Touchscreen-Geräte. Der Unterschied bei den Geräten liegt also nicht mehr in der Handhabung, sondern in der Software. Dabei sollen alle Geräte im Prinzip dasselbe können: die Kommunikation erleichtern, das Internet mobil machen und als Entertainment-Gerät dienen.

Da es für jedes Betriebssystem spezielle Software gibt, muss sich ein Käufer nicht nur mit der Hardware auseinandersetzen. Da es sich meist um geschlossene Systeme handelt, können Programme nicht von einem Betriebssystem aufs andere übertragen werden. Was bei kostenlosen Applikationen vielleicht noch verschmerzbar ist, wird bei gekaufter Software sehr ärgerlich.

stern.de gibt einen Überblick über die wichtigsten aktuellen Smartphone-Betriebssystem und sagt, welche Vor- und Nachteile sie haben.

Symbian

Wahrscheinlich ist auf den meisten Smartphones der Welt eine Symbian-Version gespeichert. Marktforscher schätzen, dass 80 Prozent aller Smartphones dieses Betriebssystem nutzen. Symbian gehört dem Handy-Weltmarktführer Nokia, der es auf fast allen Geräten als treibende Kraft nutzt. Aber auch Sony Ericsson, Motorola, LG und Samsung haben Handys mit dem Betriebssystem an Bord. Doch die weite Verbreitung birgt auch Gefahren, denn das macht das System für Virenprogrammierer interessant. Doch Hersteller von Schutzsoftware haben das System auf dem Zettel und kümmern sich um die optimale Handy-Sicherheit. Obwohl andere Betriebssystem auf dem mobilen Vormarsch sind, wird Nokia auch weiterhin auf Symbian setzen. Allerdings tut sich einiges unter der Motorhaube, denn in der jetzigen Form ist Symbian noch nicht optimal für die trendigen Touchscreen-Geräte ausgelegt. Nokia hat bereits für das N97 eine deutliche Leistungssteigerung angekündigt.


Vorteil: Eine Weite Verbreitung des Systems

Nachteil:

Die Weiterentwicklung schreitet nur langsam voran

Android

Das Betriebssystem basiert auf Linux und wird von der Open Handset Alliance entwickelt. Obwohl dieser Vereinigung 34 Mitglieder angehören, wird in der Öffentlichkeit meist vom Google-Betriebssystem gesprochen. Auch die ersten beiden Smartphones mit Android als Betriebssystem werden "Google Phone" genannt. Inzwischen haben die beiden größten deutschen Mobilfunkbetreiber T-Mobile und Vodafone jeweils ein eigenes exklusives Gerät mit dem Android im Sortiment. Bei Android handelt es sich um ein freies Betriebssystem, für das jeder Programme entwickeln kann. Dadurch sind den Möglichkeiten theoretisch keine Grenzen gesetzt. Derzeit überfluten Anwendungen für soziale Netze oder ortsbasierte Dienste den Markt.


Vorteil Android ist kostenlos, was entsprechende Smartphones entsprechend günstiger macht

Nachteil

Junges System, noch nicht ausgereift

Windows Mobile

Das Microsoft Betriebssystem gibt es auch in klein. Ursprünglich wurde Windows Mobile hauptsächlich bei Smartphones und PDAs eingesetzt. Inzwischen hat Microsoft Version 6.5 vorgestellt und will damit nicht mehr nur Geschäftskunden erreichen. Eine wesentliche Neuerung ist bei der neuesten Version die Integration des Windows Marketplace for Mobile. Nutzer sollen es damit noch leichter haben, aus der Fülle an Software die passenden Programme auszuwählen - und zu kaufen. Windows Mobile lässt sich perfekt mit Windows für Computer verbinden. Allerdings war dies bislang vor allem für den Büroalltag sinnvoll, um Text-Dokumente auszutauschen oder E-Mail-Kontakte zu synchronisieren. Inzwischen dienen Mobiltelefone verstärkt als Abspielstation für Musik und Filme. Hier kommt nun die gute Möglichkeit der Plattformübergreifenden Vernetzung voll zur Geltung. Microsoft geht noch einen Schritt weiter und will Computer, Spielkonsolen und Handys enger verzahnen.


Vorteil Gute Verbindung zu Windows-PCs

Nachteil

Umständliches Benutzerinterface

OSX

Obwohl es nur ein Telefon mit dem Betriebssystem von Apple gibt, scheint OSX fürs Smartphone das Maß aller Dinge zu sein. Alle großen Handyhersteller nutzen das iPhone als Blaupause für eigene Systeme. Die einfache Bedienbarkeit des iPhone lässt Anwenderherzen höher schlagen. Alle für das Betriebssystem entwickelten Programme lassen sich bequem per Fingerzeig steuern, das intuitive Benutzerkonzept geht voll auf. Allerdings ist das iPhone eng mit iTunes verzahnt, Inhalte lassen sich nur mit dem Medienprogramm übertragen. Dafür wird der Nutzer mit einem App Store belohnt, über den aktuelle Software verkauft oder kostenlos verteilt wird. Regelmäßige Updates des Betriebssystems sorgen zudem dafür, dass der Funktionsumfang ständig erweitert wird.


Vorteil Schnell und einfach zu bedienen

Nachteil

Geschlossenes System mit eingeschränkten Möglichkeiten

Blackberry OS

Das proprietäre Betriebssystem wurde vom Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) selbst entwickelt. In vielen Unternehmen werden Blackberry-Geräte genutzt, da diese einfach in die bestehende IT-Infrastruktur eingebunden werden können. Inzwischen ist Blackberry fast ein Gattungsbegriff für Business-Smartphones. Hardware-Design und Benutzerinterface sind auf die Kommunikationsfeatures ausgelegt. Nutzer werden - ähnlich wie bei Kurznachrichten - über eingehende E-Mails informiert, ohne wie bei den meisten privaten E-Mail-Diensten, diese manuell abrufen zu müssen. Doch viel mehr kann man mit Blackberry-Geräten nicht anfangen, weitere Funktionen sind eher spartanisch integriert. Die eingeschränkten Möglichkeiten des Blackberry-Systems verhindern eine weite Verbreitung bei privaten Nutzern.


Vorteil Perfekte Integration in Firmennetzwerke

Nachteil

Optimiert für Businesskunden, Privatnutzer haben das Nachsehen

Palm

Der erste Palm kam 1996 in den Handel. Das System wurde zum großen Erfolg für das gleichnamige Unternehmen. Allerdings dienten die ersten Geräte noch nicht als Telfon, sondern lediglich als Terminplaner und Kontaktverwalter. Inzwischen ist die Bedeutung von Palm-Geräten kaum noch messbar, andere Hersteller haben inzwischen eigene Systeme im Portfolio, die deutlich besser und nutzerfreundlicher sind. Doch mit einem neuen Betriebssystem, dem WebOS, will das Unternehmen noch einmal durchstarten. Dieses ermöglicht die einfache Bündelung Facebook und anderen sozialen Netzwerken mit der klassischen Telekommunikation.


Vorteil Perfekt auf die Hardware zugeschnittenes Bedienkonzept

Nachteil

Erfolg ungewiss, andere Hersteller haben mehr Möglichkeiten auf Marktveränderungen zu reagieren