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Telefone für Festnetz und VoIP: Das Beste aus zwei Welten

Praktische Endgeräte stärken die Internet-Telefonie. Im Trend liegen so genannte Hybridtelefone, die Festnetz- und Gespräche übers Web mittels Voice over IP unterstützen - und das ohne nervige Konfigurationen oder dem Hochfahren des Computers.

Von Thomas Soltau

Waren das noch Zeiten: Am 26. Oktober 1877 wurde in Berlin das erste innerdeutsche Festnetz-Telefonat über eine Entfernung von rund zwei Kilometern geführt. Das Ereignis markiert zugleich den Beginn der einsatzfähigen Telefonie in Deutschland. Nach rund 130 Jahren Dominanz des konventionellen Telefons folgt jetzt langsam die technologische Wachablösung. Telefonate über das Internet mittles Voice over IP (VoIP) ergänzen schon länger konventionelle Gespräche. Bislang führt diese Art zu kommunizieren ein tristes Schattendasein - und das zu Recht. Wer hatte schon Lust darauf erst den Computer hochzufahren und dann die Headphones zum Telefonieren aufzusetzen? Nerviges Konfigurieren der Geräte raubte so manchen zusätzlich den letzten Nerv. Ergebnis: anstatt sich zu ärgern, griffen viele lieber zum guten alten Telefon.

Rettung für Technik-Hasser

Mittlerweile gibt es aber keine Ausrede mehr für Bequemlichkeit. Das Hybridtelefon ist die Rettung für alle, die mit Technik auf Kriegsfuß stehen. Es ist relativ einfach anzuschließen und zu bedienen wie ein schnurloses Telefon. Die Basisstation hängt sowohl am Festnetz wie auch am DSL-Router. Somit kann der Nutzer entscheiden, wie er am liebsten Telefonieren möchte. Solche WLan-Telefone können im Prinzip jedes drahtlose Netzwerk für Gespräche nutzen. Die Registrierung im Anbietersystem erfolgt nach Installation in der Regel automatisch übers Internet. Ausgehende Gespräche können so günstig per VoIP geführt werden, eingehende Telefonate werden weiterhin über den konventionellen Festnetzanschluss zugestellt.

Viele Modelle im Angebot

Auf Hybridtelefone setzten mittlerweile einige Hersteller ihre Hoffnungen. Siemens alleine führt gleich sieben Modelle im Angebot, auch Panasonic und Philips erkennen die Chancen des neuen Marktes. Panasonic etwa arbeitet mit dem VoIP-Provider Joip zusammen, für dessen Dienst das Gerät bereits konfiguriert geliefert wird. Ähnlich wie bei Mobilfunkanbietern kosten die Gespräche zwischen Joip-Nutzern nichts. Wer aus dem Internet kostenpflichtige Gespräche ins Festnetz führen will, muss sich allerdings auf der Homepage von Joip anmelden. Die Festnetznummer bleibt dann erhalten.

Andere Hersteller von Hybridtelefonen nutzen unterschiedliche Wege, um übers Web zu telefonieren. Siemens nutzt den offenen Standard Sip. Auch hier gilt: Bei Sip-Angeboten telefonieren die Kunden desselben Netzes gratis miteinander. Geht das Gespräch aber ins normale Festnetz oder gar zum Handy, werden Gebühren fällig. Diese liegen aber häufig unter denen der Festnetz-Anbieter. Philips wiederum hat sich auf den Internet-Telefonie-Dienst Skype festgelegt. Gespräche innerhalb von Skype sind auch hier kostenlos. Für beide Systeme gilt: Kostenlos sind Telefonate nur zum Teil. Denn grundsätzlich fallen immer Gebühren für den Internetzugang an, der Voraussetzung für den weltweiten Telefonspaß ist. Den Unterscheid zwischen Skype und Sip hingegen bemerken die Nutzer kaum.

Mit Handy übers Internet telefonieren

Bei der Telefonie übers Netz wird die Sprache wie im Internet üblich in Daten verwandelt und paketweise verschickt. Entfernungen spielen für die Qualität der Gespräche keine Rolle. Wie immer ist etwas anderes für kristallklare Plauschereien entscheidend: nämlich die Geschwindigkeit des Internetzugangs. Je schneller, desto besser. Besonders wichtig dabei ist der oft vergessene Upstream. Beim Telefonieren empfängt man nicht nur Daten aus dem Internet (Downstream), sondern sendet auch welche mittels Upstream. Bei einem handelsüblichen DSL-Anschluss sind diese beiden Werte sehr unterschiedlich. 64 Kilobit je Sekunde können zu wenig sein, selbst bei 128 kBit/s kann es zu Störungen kommen, sofern das Internet parallel genutzt wird. Zudem ist das Telefonieren via Web nur lohnenswert, wenn eine Flatrate vorhanden ist.

Der nächste Schritt in der Evolution ist schon getan. Auch bei Handys kündigt sich das Telefonieren übers Internet an. Eine neue Geräte-Generation von Mobiltelefonen kann schon jetzt drahtlose Netzwerke nutzen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis es Handys in den unterschiedlichsten Segmenten geben wird. Weitere 130 Jahre werden dabei nicht ins Land ziehen.

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