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Zahlung per Handy: Mobiltelefon hat's als Geldbörse schwer

Handy-Bezahlsystemen ist bislang der große Durchbruch in westlichen Industrienationen versagt. Trotz Milliardeninvestitionen in den vergangenen Jahren ist es nahezu keinem Unternehmen gelungen, einen breit akzeptierten Standard zu etablieren. Die gründe liegen auf der Hand.

Von Arndt Ohler

Das Thema "Zahlung per Handy" genießt in den Zentralen von Mobilfunkkonzernen, Handelsketten, Kredikartenunternehmen sowie Technologiekonzernen hohe Priorität. "Die Unternehmen investieren immens in mobile Lösungen", sagt Tom Booijink vom Marktforschungsunternehmen Innopay. "Wurden vor einigen Jahren weltweit jeden Monat drei bis vier Initiativen gestartet, sind es heute wöchentlich drei bis vier", stellt der Analyst fest.

Für die Übertragung der Daten nutzen viele Initiativen den Standard Near Field Communication (NFC). Dabei werden kontaktlos mit einem geringen Abstand die für die Zahlung notwendigen Daten von einem speziellen Handychip abgerufen.

Mehrere Ursachen für fehlenden Erfolg

Der fehlende Erfolg hat mehrere Ursachen. Da ist das klassische Henne-und-Ei-Problem: Solange es nur wenige Handys mit NFC-Chip gibt, lohnt es sich für Handelsketten nicht, für Millionenbeträge entsprechende Terminals einzurichten. Zudem müssen für einen reibungslosen Ablauf Banken, Händler, Chiphersteller und Mobilfunkunternehmen kooperieren. Dies jedoch bereitet häufig Schwierigkeiten. "Eine der größten Hürden in Europa sind Probleme bei den Geschäftsmodellen", sagt Thomas Husson, Analyst bei dem Marktforschungsunternehmen Forrester Research. Ein Problem sei zum Beispiel die Kostenverteilung für die notwendige Infrastruktur.

Und nicht zuletzt konkurrieren die Handy-Bezahlmodelle gegen eine bestehende, effiziente Infrastruktur. Nahezu in jedem größeren Geschäft, Restaurant oder Hotel lässt sich leicht mit Maestro-Card oder Kreditkarte bezahlen.

In Japan ist die Zahlung per Handy deutlich populärer, da dort der Mobilfunkbetreiber NTT Docomo Millionenbeträge investiert hat, um Handelsketten und Geschäfte mit Lesegeräten auszustatten. Sogar in Afrika ist diese Technologie populär: In Kenia gilt der Service M-Pesa von Safaricom und Vodafone als großer Erfolg. Dort ersetzt der Mobildienst die fehlende Infrastruktur.

Dass weiter um Handy-Bezahlstandards gerangelt wird, liegt an den großen Chancen. In Deutschland wurden 2008 allein mit Maestro-Karten nahezu 95 Mrd. Euro umgesetzt. Würde davon künftig nur ein geringer Anteil per Handy abgerechnet, blieben viele Millionen Euro bei den Anbietern entsprechender Bezahlsysteme hängen. Schließlich, so lautet das Kalkül der Anbieter , gibt es hierzulande deutlich mehr Mobilfunkverträge als Einwohner.

FTD