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Kriegspropaganda aus Moskau: Unglaubliches Drohnenvideo aus dem Hexenkessel von Damaskus

In Syrien will sich Russland als Weltmacht darstellen. Ein Propaganda-Video zeigt den Angriff von Assad-Truppen in Jobar.

T-72 des Regimes im Gefecht.

T-72 des Regimes im Gefecht.

In Moskau ist ein Video mit unglaublich detaillierten Aufnahmen vom Krieg in Syrien veröffentlicht worden. Eine Drohne beobachtet einen Angriff der Assad-Truppen in Jobar mit der HD-Kamera. Jobar ist ein Vorort von Damaskus, in dem die Rebellen Fuß gefasst hatten. In Jobar ist es im April 2013 zu den Giftgasangriffen gekommen, für die viele Länder das Assad-Regime verantwortlich machen. Erschreckend ist aber nicht nur das Maß der Zerstörung - kaum ein Gebäude steht noch -, sondern die Aufbereitung des Videos. Die Schlacht wurde mit hypnotischem Beat unterlegt und das Bildmaterial rhythmisch geschnitten. Es wird der Eindruck eines Computerspiels mit Trance-Musik erweckt.

Was von Jobar übrigblieb. 

Was von Jobar übrigblieb. 

Der Clip ist keine offizielle Veröffentlichung eines Ministeriums, sondern stammt von RussiaWorks. Die Agentur hat allerdings schon in der Vergangenheit die Politik des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit Videos unterstützt und arbeitet für das Staatsfernsehen in Russland. Die außerordentlich detaillierten Aufnahmen der Kämpfe deuten auf enge Beziehungen zu offiziellen Quellen hin. Material in dieser Qualität hat das russische Militär bislang nicht veröffentlicht.

Das Material stammt vermutlich von einem Quadcopter eines Journalisten. Diese eigentlich zivilen Geräte werden allerdings auch häufig von Artilleriebeobachtern eingesetzt. Es ist allerdings denkbar, dass ein Teil der hyperrealistischen Anmutung erst am Computer erzeugt wurde. Schnitt, rhytmische Wiederholung und Verfremdung machen es unmöglich zu erkennen, ob das Video bei einem echten Gefecht gedreht wurde. Dagegen spricht, dass es keine triumphierenden Einstellungen von echten Treffern enthält. 

Assad-Soldaten in einer Bereitstellung.

Assad-Soldaten in einer Bereitstellung.

Auf der Seite von RussiaWorks gibt es zahlreiche Videos aus Syrien, die meisten sind allerdings keine Musik-Clips sondern Kriegsreportagen. Trotz der offenkundigen Propagandamission lässt sich erkennen, welches Risiko die eingebetteten Journalisten eingehen. Kreml-Experte Boris Zimmermann sagte zu Business Insider: "RussiaWorks ist Teil einer Kampagne, mit der der Kreml den Krieg zu Hause verkaufen will und die Russland als militärische Supermacht darstellen soll." Am selben Tag tauchte ein Video auf, das zeigt, wie sich ein russischer Kampfjet in perfekter Schussposition hinter eine Kampfdrohne der USA hängt. Eine klare Machtdemonstration.

In der russischen Bevölkerung hält sich die Begeisterung für das Syrien-Abenteuer in Grenzen. Viele Russen fürchten eine Verwicklung in den Morast des Bürgerkrieges.

Der Kreml lernt schnell, vor allem in Sachen Propaganda. Als die USA den Irak überfielen, gab es auf westlicher Seite ganz ähnliche kriegsverherrlichende Kompositionen - damals allerdings noch mit Rockmusik unterlegt.