50 Jahre Lufthansa-Flugausbildung ABC der Kranich-Küken


Ein halbes Jahrhundert Flugausbildung: Dutzende Stunden in Flugsimulatoren, das Pauken zäher Theorie und Übungsflüge in Propellermaschinen oder Jets gehören zum Ausbildungsprogramm der Nachwuchsflieger. Ein Einblick.

Draufgänger in Top-Gun-Manier sind tabu. Nicht tollkühne Solisten, sondern "Mannschaftsspieler" sind gefragt. Wer unter dem Emblem des Kranichs am Steuerknüppel eines modernen Verkehrsflugzeuges über den Wolken seinen Traum als Flieger verwirklichen will, muss hohen Ansprüchen genügen. "Wir suchen intelligente Teamplayer", sagt der Leiter der Lufthansa-Fliegerschule in Bremen, Nils Ecke. Am 1. Mai vor 50 Jahren gründete die noch junge Fluggesellschaft ihre eigene Pilotenschmiede in der Hansestadt. Bis heute wird dort der Cockpit-Nachwuchs ausgebildet. Ein halbes Jahrhundert nicht ohne Turbulenzen und nicht ohne Gegenwind.

Umfassendes Ausbildungsprogramm

Dutzende Stunden in Flugsimulatoren, das Pauken zäher Theorie und Übungsflüge in Propellermaschinen oder Jets in den USA und Deutschland gehören zum Ausbildungsprogramm der Nachwuchsflieger. Wer das Auswahlverfahren überstanden hat und in Bremen bei der Lufthansa die Schulbank drückt, hat beste Aussichten, künftig Verantwortung in einem Cockpit zu übernehmen und bis zur Pensionierung bei der Fluggesellschaft zu bleiben.

Dabei bietet das Unternehmen den jungen Leuten bei und nach der Ausbildung gute Perspektiven. Während auf dem freien Markt Kosten bis zu 80.000 Euro für den Traum vom Piloten keine Seltenheit sind, müssen die Auserwählten der deutschen Fluglinie 41.000 Euro zahlen - wenn sie von der Lufthansa übernommen worden sind. Doch zunächst einmal müssen die jungen Bewerber die Tests bestehen und Zustimmung finden. "Wir suchen nicht einfach Piloten, sondern zukünftige Kapitäne. Das ist weit mehr als nur fliegen", dämpft der Geschäftsführer des Flugtraining-Programms, Florian Hamm, die Erwartungen.

120 Absolventen

Derzeit werden 120 junge Leute jedes Jahr für den Cockpit- Nachwuchs ausgewählt. Ab Mitte 2006 soll die Zahl dann verdoppelt werden. "Es sind gute Zeiten für Flugschüler", sagt Ecke. Doch das war nicht immer so, erläutert Hamm. "Es war durchaus nicht immer leicht, es gab extreme Schwankungen bei den Schülerzahlen und teils musste die Ausbildung sogar ausgesetzt werden."

Konjunkturelle Schwankungen in der Weltwirtschaft machten sich in der Geschichte der Schule immer auch für die jungen Piloten bemerkbar. 1982 wird wegen weltweiter Rezession ein Aufnahmestopp verhängt. Zehn Jahre später werden zeitweise laufende Lehrgänge wegen der schwierigen Lage des Unternehmens unterbrochen. Auch die Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA oder später der Irak-Krieg hinterlassen ihre Spuren. "Jetzt zieht die Konjunktur wieder an. Wenn das Wachstum kommt, können wir den Nachschub an Piloten sichern", sagt Ecke.

Ausbildung auch in den USA

Gut ein Jahr, nachdem ehemalige Luftwaffen- und Berufspiloten den Flugbetrieb der Lufthansa aufnahmen, wurde am 1. Mai 1956 die Fliegerschmiede aus der Taufe gehoben. Am Anfang war es eine alte Kaserne, in der die Flieger-Enthusiasten jungen Männern das ABC der Luftfahrt beibringen wollten. Heute stehen Ausbildungsphasen nicht nur in Bremen, sondern auch zum Beispiel in Goodyear in Arizona auf dem Programm, wo 80 Prozent der praktischen Flugausbildung vermittelt werden. Aus der kleinen Schule hat sich binnen fünf Jahrzehnten ein weltweit engagierter Trainingskonzern entwickelt, der bis heute 6700 junge Männer und Frauen zu Piloten ausgebildet hat.

Oliver Pietschmann/DPA DPA

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