70 Jahre Hindenburg-Unglück "Flammen schossen über meinen Kopf"


Als der Zeppelin "Hindenburg" am 6. Mai 1937 im US-amerikanischen Lakehurst explodierte, kamen Dutzende Menschen ums Leben. Die Überlebenden tragen auch 70 Jahre nach der Katatstrophe noch an den Folgen des Unglücks.

Hunderte Schaulustige wollten am 6. Mai 1937 in Lakehurst die Landung des modernsten Luftverkehrsmittels der damaligen Zeit verfolgen. Zu sehen bekamen sie eine Katastrophe: Das Luftschiff "Hindenburg" ging beim Landeanflug nahe New York in Flammen auf, 36 Menschen kamen ums Leben. "Ich bin eine ganze Strecke gerannt, weil Hitze, Flammen über meinem Kopf herausschossen", erinnert sich Robert Buchanan, der damals beim Bodenpersonal arbeitete. "Und ich habe wirklich nicht gedacht, dass ich es schaffen würde."

Der damals 17-Jährige lief um sein Leben, als nur rund 30 Meter über seinem Kopf das größte Luftschiff aller Zeiten verbrannte. "Es klang, als wenn jemand das Gas angelassen hätte", erzählt Buchanan. Das Leben gerettet hat ihm vermutlich das Regenwetter an diesem Tag: "Ich trug einen Pullover und war klatschnass, total durchnässt. Und ich glaube, das hat uns gerettet." Das Flammeninferno kostete 35 Menschen an Bord und einen Mitarbeiter des Bodenpersonals das Leben.

"Das luxuriöseste Erlebnis in der Luft"

Die 245 Meter lange "Hindenburg" sei "die Concorde der damaligen Zeit" gewesen, berichtet Carl Jablonski, der Vorsitzende der Navy Lakehurst Historical Society (NLHS). Sie verkürzte die Reise über den Atlantik beträchtlich, statt vier bis fünf Tagen per Schiff fiel nur noch rund die Hälfte an. Eine Reise mit der "Hindenburg" sei "das luxuriöseste Erlebnis in der Luft" gewesen, das es davor und danach je gegeben habe, schwärmt Rick Zitarosa von der NLHS. Den Passagieren wurden Menüs auf China-Porzellan serviert, dazu gab es französische und deutsche Weine. Für Raucher war eine eigene Lounge abgeteilt. Allerdings war die "Hindenburg" mit rund 200.000 Kubikmetern leicht entzündlichem Wasserstoff gefüllt - weil die US-Behörden ein Embargo für Helium verhängt hatten.

Beim spektakulären Landeanflug in Lakehurst wollten auch der damals 16 Jahre alte Zeno Wicks und sein Vater dabei sein und später einen Bekannten abholen. Als sie die Explosion sahen, "fluchte mein Vater und sagte, er hoffe, dass es dem Mann, den er treffen wollte, gut gehe", erinnert sich Wicks. Werner Doehner saß mit seiner Familie an jenem Tag an Bord des Luftschiffs. Zum Zeitpunkt des Unglücks sei sein Vater im Speisezimmer gewesen, er hat ihn nie wiedergesehen. "Alles stand sofort in Flammen", erinnert sich Doehner, damals acht Jahre alt und heute der letzte noch lebende Passagier der "Hindenburg". "Meine Mutter hat mich aus dem Fenster geworfen. Sie hat meinen Bruder rausgeworfen (...) Meine Schwester war ihr zu schwer. Meine Mutter sprang raus und brach sich das Becken."

Leichte Verletzungen oder schrecklicher Tod

Nach dem Unfall lag Doehner monatelang mit schweren Verbrennungen im Krankenhaus. Noch immer kann er nur schwer über die damaligen Erlebnisse sprechen, die seinen Vater und seine Schwester das Leben gekostet haben. Etwa zwei Drittel der Reisenden konnten dem brennenden Luftschiff entkommen. "Man ist entweder einen schrecklichen Tod gestorben oder mit leichten Verletzungen 'rausgekommen", sagt Zitarosa. "Es gab nicht viele Fälle dazwischen."

Chris Newmarker/AP AP

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