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AG600 Kunlong: Riesiges Flugboot soll Schiffbrüchige retten und die U-Boote der USA vertreiben

In China startete das größte Flugboot der Welt. Die AG600 kann Schiffbrüchige retten und Brände löschen. Als U-Boot-Jäger soll sie die US-Navy aus dem Südchinesischen Meer verjagen.

Die AG600 Kunlong kann auf Wasser und von Land aus starten.

Acht Jahre dauerte die Entwicklung. Nun startete das größte Flugboot der Welt in China zum Jungfernflug. Die AG600 mit dem Spitznamen Kunlong verbrachte eine Stunde in der Luft. 

Jede Schraube made in China

Die große Zeit der Amphibienflugzeuge ist lange vorbei, vor allem werden keine Giganten wie die AG600 gebaut. Das riesige Flugzeug ist etwa so groß wie eine Boeing 737. Die Spannweite misst 38,8 Meter und der Rumpf hat eine Länge von 39,6 Metern. Neben dem ambitionierten Programm zum Bau von Militärtransportern gilt die AG600 als Meilenstein für den chinesischen Flugzeugbau.

Der Markt für Flugboote ist klein, die Anzahl der Maschinen bleibt also begrenzt. Entscheidend ist aber, dass 98 Prozent aller Komponenten des Flugzeugs in China gefertigt werden. Diese Zahl macht eindrucksvoll deutlich, dass Peking bei strategischen Programmen nicht auf Importe angewiesen ist – und sie offenbar auch nicht wünscht. "Die AG600 zeigt, dass die Entwicklung der zivilen Luftfahrtindustrie in unserem Land auf ein neues Niveau gehoben wurde und dass unsere Kapazität für unabhängige Forschung und Entwicklung in diesem Bereich um ein Vielfaches zugenommen hat", sagte der Minister für Industrie und Informationstechnologie, Miao Wie, beim Jungfernflug.

Im Westen wird befürchtet, dass militarisierte Varianten folgen werden.

Im Westen wird befürchtet, dass militarisierte Varianten folgen werden.


Flugzeug für staatliche Abnehmer

Die Kulong dürfte im Wesentlichen in staatsnahen Bereichen eingesetzt werden. Von der chinesischen Medienagentur Xinhua wurde die AG600 als "Schutzgeist des Meeres, der Inseln und Riffe" beschrieben. Betont wird ihre Fähigkeit zu Rettungseinsätzen auf dem offenen Meer. Die chinesischen Ingenieure gehen davon aus, dass das Flugzeug sicher auf See auch bei bis zu zwei Meter hohen Wellen operieren kann.

Rollout der AG600

Rollout der AG600

Exportprogramm

Neben Rettungsdiensten wird die AG600 Chinas Ansprüche im Südchinesischen Meer unterstreichen. Die Maschinen können zwölf Stunden in der Luft bleiben und sehr weit vom chinesischen Festland entfernt operieren. Da sie nicht auf Landebahnen angewiesen sind, können sie den Nachschub zu den umstrittenen künstlichen Inseln in diesem Gebiet bringen. Die Region wird schon von chinesischen Patrouillenschiffen überwacht, nun wird eine Flotte von AG600 hinzukommen. Grundsätzlich dürfte es auch möglich sein, dass Flugboot für rein militärische Aufgaben wie etwa der Luftraumüberwachung und der Raketenzielsteuerung anzupassen. Mit entsprechenden Waffengondeln ließe sich das auch zum U-Boot-Jäger ausrüsten.

Derzeit hat die chinesische Regierung 17 Flugzeuge bestellt. Es ist anzunehmen, dass diese Zahl wächst, sobald spezialisierte Varianten in Produktion gehen. Neben dem Eigenbedarf wurde die AG600 auch für den Export entwickelt. Ihr Vorteil ist ein vielseitiges Einsatzspektrum, das durch  Umbaumodule erleichtert wird, die eine schnelle Umrüstung von Lasten- zum Personentransport möglich macht. Auch der Einsatz als Löschflugzeug ist vorgesehen.

Ein Manko der alten großen Flugboote teilt die Kunlong nicht: Sie ist nicht auf das Wasser angewiesen. Die AG600 kann wassern, ist aber auch in der Lage, ganz normal auf einem Flugfeld zu starten und zu landen.