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Luftfahrt AG600 Kulong – Pekings riesiges Flugboot startet erstmals auf dem Meer

Das größte Amphibienflugzeug der Welt, AG600, hat seinen Jungfernflug erfolgreich absolviert. Die Maschine trägt den Spitznamen Jiaolong, zu deutsch "Wasserdrache". Das Flugzeug ist 37 Meter lang hat eine Reichweite von 4.500 Kilometern. Sein Haupteinsatzzweck ist die Waldbrandbekämpfung. Dazu kann es 12 Tonnen Wasser innerhalb von 20 Sekunden aufnehmen.
Die Entwicklung des Flugzeugs dauerte acht Jahre. Design und Bau fanden vollständig in China statt, darauf sind die Ingenieure besonders stolz. Laut Medienberichten sind bereits 17 Maschinen vorbestellt.
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Das größte Flugboot der Welt kann von einem Flugplatz, aber auch vom Wasser aus starten. Die AG600 soll Schiffbrüchige retten und Brände löschen. Doch als U-Boot-Jäger soll sie die US-Navy aus dem südchinesischen Meer verjagen.

Acht Jahre dauerte die Entwicklung. Nun startete das größte Flugboot der Welt in China zum Jungfernflug. Die AG600 mit dem Spitznamen Kunlong verbrachte etwa eine halbe Stunde in der Luft. Bei dem Flugzeug handelt es sich um eine komplette Eigenentwicklung der Aviation Industry Corporation of China (AVIC). Mit 39 Metern Länge besitzt die AG600 in etwa die Größe einer Boeing 737 oder eines Airbus A320. Zusammen mit einer ganzen Familie von Flugzeugen macht Peking sich so vom Import von West-Jets unabhängig. Mittelfristig dürften die China-Flugzeuge dann auch exportiert werden.

Test im Meerwasser

Mit seinen vier Turboprop-Triebwerken kann das Flugzeug zwölf Stunden in der Luft bleiben. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt nur 500 km/h. Die ersten AG600 sollen bereits 2022 ausgeliefert werden. Wang Ya'nan, ein Experte vom Magazin "Aerospace Knowledge", sagte, dass frühere Testflüge in einem Becken stattgefunden hatten, in dem es keine Wellen gab. Ein Testflug auf See sei eine größere Herausforderung, da hier unkontrollierbare Faktoren ins Spiel kämen, darunter Wellen und Salzwasserkorrosion, die möglicherweise zu Fehlfunktionen in den Systemen des Flugzeugs führen könnten, so Wang. Er vermutet, dass weitere Testflüge folgen werden, um die Kunlong unter realistischen Bedingungen zu erproben. Die chinesischen Ingenieure gehen davon aus, dass das Flugzeug sicher auf See auch bei bis zu zwei Meter hohen Wellen operieren kann.

Konkurrenz für Boeing und Airbus

Die Spannweite des Flugboots misst 38,8 Meter und der Rumpf hat eine Länge von 39,6 Metern. Neben dem ambitionierten Programm zum Bau von Militärtransportern gilt die AG600 als Meilenstein für den chinesischen Flugzeugbau. 98 Prozent aller Komponenten des Flugzeugs werden in China gebaut. Diese Zahl macht eindrucksvoll deutlich, dass Peking bei strategischen Programmen nicht auf Importe angewiesen ist – und sie offenbar auch nicht wünscht. "Die AG600 zeigt, dass die Entwicklung der zivilen Luftfahrtindustrie in unserem Land auf ein neues Niveau gehoben wurde und dass unsere Kapazität für unabhängige Forschung und Entwicklung in diesem Bereich um ein Vielfaches zugenommen hat", sagte der Minister für Industrie und Informationstechnologie, Miao Wie 2017.

Die Kulong dürfte im Wesentlichen in staatsnahen Bereichen eingesetzt werden. Von der chinesischen Medienagentur Xinhua wurde die AG600 als "Schutzgeist des Meeres, der Inseln und Riffe" beschrieben. Betont wird ihre Fähigkeit zu Rettungseinsätzen auf dem offenen Meer. Außerdem ist der Einsatz als Löschflugzeug geplant. Pro Einsatz kann das Flugzeug bis zu 12 Tonnen Wasser transportieren, das auch direkt aus einem Gewässer aufgenommen werden kann. Ein Manko der alten großen Flugboote teilt die Kunlong nicht: Sie ist nicht auf das Wasser angewiesen. Die AG600 kann wassern, ist aber auch in der Lage, ganz normal auf einem Flugfeld zu starten und zu landen. Diese Fähigkeit erhöht ihr Einsatzspektrum enorm.

Militärische Bedeutung

Neben den herausgestellten Transportaufgaben und Rettungsdiensten wird die AG600 Chinas Ansprüche im südchinesischen Meer unterstreichen. Dabei sind diese Flugboote nicht auf Landebahnen angewiesen. Da sie auf dem Wasser landen, können sie Nachschub zu Basen auf kleinen Inseln ohne Flugplatz bringen. Dort könnten sie auch wieder aufgetankt werden, sodass sich ihre Reichweite weiter erhöht.

Westliche und chinesische Experten gehen davon aus, dass die Flugboote auch für rein militärische Aufgaben genutzt werden. Sie könnten den Luftraum überwachen oder U-Boote aufspüren. Im Prinzip ließe sich das Flugboot auch bewaffnen und zum U-Boot-Jäger aufrüsten.

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