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Alternative Antriebstechnik "Wir erleben gerade den Tod des Elektroautos"


Elektroauto-Millionär will Deutschland bis 2020 werden. Doch das ehrgeizige Ziel ist in Gefahr. An der Technik liegt es nicht. Schon 1905 hatte Siemens E-Autos im Angebot.

Für manche Experten ist der Traum vom Elektroauto bereits ausgeträumt. Die Vorstellung von millionenfach verkauften Stromern könnte eine Vision bleiben, fürchten sie. Vor allem die Politik tue zu wenig, um die Rahmenbedingungen für E-Autos zu verbessern und vor allem Autokäufer von den Vorteilen der surrenden Autos zu überzeugen. "Wir erleben gerade den Tod des Elektroautos", sagte jüngst Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer in einem Interview. Auf der Münchner Fachmesse eCarTec trifft sich seit Dienstag vor allem die Zulieferbranche, um Trends und Entwicklungen vorzustellen. Vom Hype vergangener Jahre ist auf dem Gelände kaum etwas zu spüren.

Die Antriebstechnik ist dabei nicht das größte Problem. Siemens hatte schon 1905 Elektroautos im Angebot. Auch später unternahm die Industrie immer wieder zarte Anläufe. Bisher allerdings vergebens. Vor allem die geringe Reichweite, der wegen niedriger Stückzahlen hohe Preis oder die fehlende Infrastruktur schrecken Autokäufer ab. Dabei tickt die Uhr: die Bundesregierung will bis 2020 eine Million E-Autos auf die Straße bringen. Ein "anspruchsvolles Ziel", nennt es der Branchenverband der Elektroindustrie ZVEI in einer auf der Messe vorgestellten Studie zu den Aussichten für die eigenen Mitglieder.

Und selbst wenn es klappt: Angesichts von derzeit deutlich mehr als 40 Millionen Autos auf deutschen Straßen wären die E-Autos noch immer eine Minderheit. Dabei gehen die Meinungen, ob zumindest dieses Ziel erreichbar ist, weit auseinander. Die Prognosen, wie viele Elektrofahrzeuge 2020 unterwegs sein werden, seien unterschiedlich: "Sie reichen von 0,4 bis 4,5 Millionen", schreibt der ZVEI. Die Krux: Für alles was über den Stadt- und Nahverkehr hinausgeht, reicht der reine Elektroantrieb nicht aus. In den letzten beiden Jahren wurden hierzulande nur rund 3000 E-Fahrzeuge angemeldet.

An den Herstellern liege es nicht, sagte der Präsident des Branchenverbands VDA, Matthias Wissman vor einiger Zeit der dpa. "Die deutschen Hersteller sind längst in den Startlöchern. Bereits heute haben wir drei Elektro-Modelle im Angebot, bis zum Jahr 2014 kommen insgesamt 15 Modelle mit elektrischem Antrieb. Allerdings ist die Elektromobilität ein Marathon, kein Sprint." BMW etwa setzt auf ein ambitioniertes Projekt. Die Münchner schufen mit BMWi eine eigene Marke für Elektromobilität. Mit dem i3 kommt 2013 ein Wagen, der nicht nur elektrisch fährt, sondern auch weitgehend aus Karbonfaser gefertigt und vor allem für die Metropolen der Welt gedacht ist.

BMW setzt große Hoffnung in das Projekt und steckt eine Menge Geld in die Technologie. Das ist nicht ohne Risiko. Denn es müssen noch viele Probleme gelöst werden, vor allem bei Speicher, Batterien und Preis. Insgesamt, rechnet der VDA vor, verschlinge die Entwicklung der Elektromobilität rund 17 Milliarden Euro. Ab 2017, so hofft die Branche werden die Zulassungen hierzulande deutlich steigen. Bis 2030 werden der Unternehmensberatung McKinsey zufolge 27 Prozent der weltweit produzierten Autos einen Elektroantrieb haben. Doch sicher sind auch die Berater nicht. Es könnten auch 15 oder 50 sein.

Der ZVEI sieht in der Elektromobilität für die eigene Branche trotz der schwer vorherzusagenden Entwicklung Chancen, vor allem für Firmen, die bisher nicht in der Autoindustrie aktiv waren. Angesichts des technischen Wandels würden die Karten in der Zuliefererindustrie neu gemischt. Doch die Deutsche Industriebank IKB warnt in einem Papier für den Verband auch gleich vor überzogenen Erwartungen, da in der Autoindustrie scharfer Wettbewerb und Preisdruck herrsche. "Die Wiesen der Elektromobilität werden also vermutlich nicht grüner sein als die Wiesen anderer Absatzmärkte." Das dürfte für viele gelten.

Von Sebastian Raabe, DPA DPA

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