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Ukraine-Krieg BKA legt die "Luna" an die Leine: Zweite Oligarchen-Jacht darf Hamburg nicht mehr verlassen

Jacht "Luna" von Farchad Achmedow
115 Meter eingefrorene Jacht: Die "Luna" (IMO 1010222) von Farchad Achmedow darf den Hamburger Hafen nicht mehr verlassen.
© TheYachtPhoto / Picture Alliance
Und noch ein Klotz am Bein von Blohm+Voss im Hamburger Hafen: Behörden froren die Mega-Jacht "Luna" ein, sie soll dem sanktionierten Oligarchen Farchad Achmedow gehören.

Es stellt sich die Frage, wen der neueste Fang des Bundeskriminalamts härter trifft: Den mutmaßlichen Schiffseigner Farchad Achmedow, dessen Mega-Jacht "Luna" nun den Hamburger Hafen nicht mehr verlassen darf, oder Blohm+Voss, deren Docks und Anlegestellen in der Hansestadt allmählich zum Dauerparkplatz der Oligarchen-Schiffe mutieren. 

Denn zur bereits eingefrorenen Jacht "Dilbar" gesellt sich nun auch die "Luna", teilte das Bundeskriminalamt der "Süddeutschen Zeitung" mit. Deren mutmaßlicher Besitzer Achmedow steht ebenso wie "Dilbar"-Eigner Usmanow auf den Sanktionslisten der EU, die nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine regen Zuwachs verzeichnen.

Farchad Achmedow ist ein aserbaidschanischer Geschäftsmann, der mit Gasförderung in Sibirien reich wurde und der russischen Regierung nahestehen soll. Das Wirtschaftsmagazin "Forbes" schätzt sein Vermögen derzeit auf rund 1,7 Milliarden US-Dollar.

Auch totes Kapital braucht Pflege

Beschlagnahmt ist die "Luna" nicht – wie auch die "Dilbar" gilt das Schiff als eingefrorener Vermögenswert. Eine eingefrorene Sache darf nicht mehr veräußert, vermietet oder belastet werden – gehört aber weiterhin ihrem Eigentümer. Die unklare Zukunft ist bei Jachten offenbar für alle Seiten ein Problem – denn viele Werften in den Gewässern der EU wissen nicht, was sie mit den schwimmenden Riesen machen sollen.

Trotzdem müssen sie aber für deren Pflege aufkommen, da die aktuelle Gesetzeslage vorsieht, die Besitztümer nach Wegfall der Sanktionen in einwandfreiem Zustand zurückzugeben. Bei Jachten ist das besonders teuer und aufwändig, eine etwaige Rückgabe dürfte sich aufgrund der angesammelten Rechnungen kompliziert gestalten. Wie lange die "Luna" nun die Skyline der Elbsüdseite prägt, ist ebenso unklar, wie im Falle der "Dilbar". Fakt ist, dass die Schiffe zur finanziellen Belastungsprobe für die Werft werden, da deren Instandhaltung von den Behörden nicht bezahlt wird, trotz der ausbleibenden Nutzung aber hohe Kosten anfallen. Wie sehr das ins Geld geht, lesen Sie hier.

Erst Scheidungsmasse, jetzt erneut festgesetzt

Seine Mega-Jacht "Luna" erwarb Farchad Achmedow 2014 von Roman Abramowitsch. Im Zuge seiner Scheidung von Tatjana Achmedowa sollte das Schiff eigentlich in ihren Besitz übergehen, doch Achmedow hielt es erst drei Jahre zurück, bevor er sich im Juli 2021 mit seiner Ex-Frau einigen konnte und sie auf die "Luna" verzichtete. Nun, kein Jahr später, droht ihm dennoch der Verlust des Schiffs.

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Die "Luna" ist 115 Meter lang und soll rund 400 Millionen Euro wert sein. Gebaut wurde die Jacht 2010 von der Lloyd Werft in Bremerhaven, die heute zur Rönner-Zech-Gruppe gehört. Das Schiff liegt seit Januar im Hamburger Hafen bei Blohm+Voss, wohl aufgrund anstehender Wartungsarbeiten. 

Laut dem Blog "Superyachtfan" hatte die "Luna" lange den Titel als weltweit größtes Expeditionsschiff inne, bevor ihr ehemaliger Eigner sich mit dem Bau der "Solaris" selbst übertraf. Das Schiff bietet Platz für 18 Gäste und wird von einer 49-köpfigen Crew betrieben. Auf dem Hauptdeck gibt es ein großes Schwimmbecken und ein kleines U-Boot für Ausflüge ins Meer steckt im Bauch des Riesen.

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Quelle: SZ, SYF


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