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Haushalts-Roboter: Braava Jet M6 im Küchentest – lohnt sich ein Luxusbodenwischer für 700 Euro?

Blitzsaubere Böden, ganz ohne Mühen und dreckige Hände - das verspricht der Braava Jet M6 von iRobot. Für 700 Euro produziert er tatsächlich Glanz auf dem Fußboden. Doch perfekt ist er noch lange nicht.

Die Stärke des Sprühstrahls kann per App geregelt werden.

Die Stärke des Sprühstrahls kann per App geregelt werden.

Anfang des Jahres brachte iRobot ein neues Powerduo in die Welt der Haushaltsroboter. Den Saugroboter Roomba S9+ und den Wischroboter M6. Bei der Präsentation überzeugten beide Geräte, der gesalzene Preis verstörte allerdings etwas, auch wenn uns der Chefentwickler versicherte, dass diese Geräte für besonders penible Kunden gedacht seien.

Nun haben wir den Wischer - Braava Jet M6 – selbst ausprobiert. Im Haushalt befand sich bereits sein kleiner Vorgänger, der Braava 240, er wischte dann und wann die Küche. Das machte er auch ganz gut, aus verschiedenen Gründen wurde er aber nur gelegentlich benutzt. Im Grunde ist der 240 ein etwas improvisiertes Modell. Er hat keine Dockingstation und besitzt nur einen kleinen Wassertank, zu jedem Einsatz muss man den Akku einlegen und das Gerät eigens starten – dazu kam es dann bei Weitem nicht so häufig, wie beim Kauf gedacht.

Improvisiert wirkt der neue M6 gewiss nicht. Zuerst einmal ist das Gerät ungleich größer als der 240, wenn auch immer noch kleiner als ein typischer Saugroboter, außerdem besitzt er auch eine eigene Dockingstation zum Aufladen, inklusive eines Abtropfschutzes, sodass der feuchte Lappen nicht immer auf dem Boden ruht.

Vlies-System

Und so arbeitet der Wischer: Der M6 sprüht Wasser auf dem Boden und fährt dann mit einem vibrierenden Vlies über die benetzte Stelle – die Vibrationen lösen den Schmutz und das Vlies nimmt ihn auf. Das Prinzip ist ähnlich wie beim 240 T, allerdings ist die Wirkung beim neuen Modell weit besser. Mehr Gewicht, größeres Vlies und stärkere Bewegungen führen zu einer schönen Reinigung. Aber Achtung: Auch der M6 saugt das Schmutzwasser nicht wieder auf, der Schmutz verbleibt im Vlies. Es gibt auch Geräte, die vorne Wasser sprühen und es hinten wieder aufsaugen. Im Prinzip ist das besser, funktioniert in der Praxis aber nicht reibungslos.

Die Schmutzfänger gibt es als Einweg-Pad, das mit einem Reinigungsmittel vorbehandelt wurde, oder als waschbares Mehrweg-Pad, dann muss man selbst einen Reiniger in den Wassertank kippen. Ob nun ein spezieller Reiniger von Roomba benutzt wird oder ein übliches Reinigungsmittel, bleibt dem Kunden überlassen. Aggressive Mittel, die Gummis und Kunststoffe angreifen, sollte man allerdings meiden. "Schleimige" Bodenpflegemittel setzen die Düse zu. Die Sprühstärke kann zudem per App dosiert werden. Mit einem speziellen Pad fegt der Wischer nur trocken. Ein Feature, welches nur interessant ist, wenn man keinen Saugroboter im Einsatz hat.

Vorsichtiger Einsatz des Wasserstrahls

Aufgrund des Reinigungssystems muss das Nasswisch-Pad bei jedem zweiten oder zumindest dritten Einsatz gewechselt beziehungsweise ausgewaschen werden. Auf Dauer sind die Mehrwegtücher deutlich billiger, aber jemand, der mit dem verdreckten "Igitt"-Pad gar nicht in Berührung kommen mag, sollte zu den Einwegmodellen greifen. Im Vergleich zum Vorgänger und zu Konkurrenzprodukten arbeitet der M6 energisch und doch sehr umsichtig. Denn er sprüht nicht einfach darauf los, sondern fährt seine nächste Sprühzone zunächst trocken ab und setzt dann zurück. Erst danach wird Wasser gesprüht und gewischt. Die aufwendige Prozedur bewahrt das Gerät sehr zuverlässig davor, Tapeten, Fußbodenleisten, Mobiliar oder ein liegengelassenes Notebook einzusprühen. In einem vollgefliesten Bad ist das nicht so wichtig, doch wird der Boden im Wohnbereich gewischt, würde ein regelmäßiger Nässeschauer auf Dauer massive Schäden auf Hölzern hinterlassen. Hier rechtfertig sich auch der vergleichsweise hohe Preis. Ein Gerät, dass unachtsam ist, kann nach einiger Zeit enorme Kosten hervorrufen. Wenn man die Wasserschäden bemerkt, ist es meist schon zu spät. Wie man es von den iRobot Geräten gewohnt ist, fährt der M6 nicht chaotisch hin und her. Er vermisst zunächst den Raum und fährt dann gerade Bahnen ab.

Man kann den Kleinen zunächst trainieren lassen: Dann wird als erstes ein Grundriss der Wohnung angefertigt. Sobald die Karte fertig ist – das dauert etwa drei Trainingsdurchläufe – kann sie bearbeitet werden. Dann können Zonen eingerichtet und den Räumen Namen gegeben werden. Das ist für Nutzer von Alexa und Co. sehr praktisch: Sie können dem M6 zurufen "Wische das Bad" und der Roboter wuselt in den richtigen Raum. Wahrscheinlicher dürfte aber die Nutzung per Programmierung sein. Hier kann man angeben, die Küche und den Flur jeden Tag zu reinigen, die anderen Räume aber seltener. Weiteres Feature: Der M6 kann koordiniert mit den Saugrobotern Roomba i7+ oder Roomba S9+ eingesetzt werden. " Imprint-Kopplungstechnik" nennt sich das, dann wird eine Zone zuerst gesaugt und danach gewischt. Ziemlich patent. Umgekehrt wäre es nämlich schlecht, sollten die Sauger über eine feuchte Fläche fahren, richtet die Feuchtigkeit eine schöne Sauerei im Inneren des Saugroboters an.

Eingesperrt durch Türschwellen

Der M6 kann größere Flächen reinigen als der 240 – aber seine Kapazität ist doch geringer als die eines Saugroboters. Wir schätzen, dass der Wischer etwa 40-50 Quadratmeter mit einer Tankladung befeuchten kann. Diese Nettofläche entspricht allerdings deutlich größeren Räumen, da man nicht nur die Fläche des Mobiliars, sondern auch die von Teppichen belegten Quadratmeter abziehen muss. Stufen bewältigt der M6 natürlich nicht, aber auch vor Türschwellen, wie sie in allen Altbauten verwendet werden, macht er Halt. Denn der M6 krabbelt nirgends hoch, so schützt er Teppiche vor einem Schaumbad.

In unserem Testhaushalt führt das dazu, dass der Roboter in der Küche – dem Raum seiner Dockingstation - eingesperrt wurde. Soll er andere Räume saugen, muss man ihn über die Schwelle tragen. Bei einem eigenen Gerät im Dauereinsatz wäre es mit vertretbarem Aufwand möglich, die störenden zwei Schwellenleisten im Haus zu entfernen und durch flache Metallschienen zu ersetzen. Die Reinigungswirkung selbst überzeugt. Ein Roboter mit einem Vlies kann natürlich nicht einen verschütteten Topf Bolognese aufwischen. Staub und Spuren in den Wohnräumen verschwinden sofort. Nach dem erstmaligen Einsatz gab es durchaus noch Flecken in der Küche. Aber wie immer bei Haushaltsrobotern gilt: Fleiß macht alles wett. Wenn das Gerät täglich arbeitet, produziert es strahlende Sauberkeit.

Fazit

Navigation und Präzision der Bewegung überzeugen. Als einziges Malheur blieb der Roboter unter der Klappe der Spülmaschine stecken. An solchen Stellen muss man ein Stopper anbringen. Die Reinigungswirkung gefiel, auch sprühte der M6 keine Einrichtungsgegenstände ein. Doch von der Perfektion der teuren iRobot-Sauger ist das Gerät noch entfernt. Durch die große Dockingstation der Sauger, in der der Schmutz gesammelt wird, muss man sich tagelang nicht um die Roboter kümmern. In einem für die Sauger einfachen Ambiente kann das Gerät sogar sechs Wochen ohne Eingriff selbst operieren.

Die Größe des Tanks und das sich mit Schmutz zusetzende Vlies des M6 machen es dagegen nötig, jeden zweiten oder dritten Tag einen kleinen Service durchzuführen. Dann wird der Tank aufgefüllt und das Vlies gewechselt beziehungsweise ausgespült. Das ist eine schleimige Angelegenheit, bei der auch Hartgesottene Gummihandschuhe überziehen. Der Preis von 700 Euro für den M6 ist allerdings heftig. Kombiniert mit dem Flaggschiffsauger S9+ sind dann fast 2000 Euro fällig. Im Verkauf sind die Preise geringfügig niedriger.

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