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Trophy Active Protection System Der Panzer Challenger 3 soll von Hard-Kill-System aus Israel geschützt werden

Die Flotte an Challengern wird verkleinert und umfassend modernisiert.
Die Flotte an Challengern wird verkleinert und umfassend modernisiert.
© Commons
Britannien modernisiert seine schweren Kampfpanzer. Beim aktiven Schutz setzte sich das Rafael Trophy Active Protection Systems durch. Auch die Bundeswehr will einige Leopard 2 damit ausrüsten.

Rheinmetall spielt eine zentrale Rolle bei der Aufrüstung der britischen Kampfpanzer. Die alten Challenger 2 werden auf den Status "3" aufgerüstet und dabei genau genommen komplett zerlegt und mit neuen Komponenten wiederaufgebaut. Der Challenger spielte beim passiven Schutz eine wichtige Rolle, seine Chobham-Panzerung aus Kompositverbundstoffen war wegweisend. Doch heute spielen aktive Schutzsysteme eine ebenso große Rolle. Sie helfen nicht gegen die panzerbrechende Munition anderer Panzer, aber gegen die immer gefährlichen Anti-Tankraketen (ATGM). Sie können von zwei Infanteristen bewegt und bedient werden, verfügen über eine enorme Reichweite. Moderne Systeme finden ihr Ziel sogar ohne Sichtlinie.

Bedrohung durch Lenkwaffen

Bazooka und Panzerschreck aus dem Zweiten Weltkrieg konnten nur auf sehr kurze Entfernung eingesetzt werden, moderne ATGMs treffen ihr Ziel aus mehr als drei Kilometern. Eine ATGM sprengt das Ziel nicht mit roher Gewalt auf, wie etwa Hartkernmunition aus Uran oder Wolfram, sondern setzt eine Art "Schweißstrahl" ein. Ein aktiver Schutz fängt sie vor dem Einschlagen ab. Ein spezielles Radar erfasst die anfliegende Rakete, am Turm wird eine Ladung auf die Bedrohung ausgerichtet, kurz vor dem Einschlag wird sie gezündet und erzeugt einen Splitterkegel, der den anfliegenden Gefechtskopf zerfetzt. Bei den aktiven Abwehrsystemen sind die russischen Streitkräfte weit fortgeschritten. Seit den 1990ern werden Panzer mit dem Arena-System ausgestattet. Hier wird eine Kassette vom Turm ausgestoßen, ihre Explosion löst dann einen Splitterhagel aus.

Nun ist geplant, die 148 Challenger-3-Panzer mit dem aktiven Schutzsystem Rafael Trophy Active Protection Systems (APS) auszustatten. Es kommt aus Israel und ist das einzige System im Westen, dass schon unter Kampfbedingungen erprobt wurde. Die Bundeswehr will das System ebenfalls beim Leopard 2 einsetzen und die USA werden vier Brigaden mit M-1A2 SEP2 Abrams-Panzern damit nachrüsten.

Abwehr durch "Schrotschuß"

Das Trophy-Raketenabwehrsystem kann ankommende feindliche Panzerfäuste (RPG), Lenkwaffen und andere Munition mit einem Radar erkennen. Vier Flachantennen sorgen für einen 360-Grad-Rundumblick. Kurz vor dem Einschlag wird eine Hülse des Systems abgefeuert, dann tritt eine ganze Wolke von Stahlkugeln aus. Die Waffe muss also nicht genau treffen, der Zündzeitpunkt muss aber exakt stimmen.

Das hört sich einfach an, ist in der Praxis aber tückisch. Denn die Kämpfe, die Israel bestreitet, aber auch wie man sie im Irak, Syrien und der Ostukraine beobachten konnte, sind keine Bewegungsgefechte wie man sie im Kalten Krieg übte. Anstatt in einer großen Panzerschlacht bewegen sich auch schwere Kampfpanzer inmitten von Infanterie im urbanen Gelände. Es ist also entscheidend, dass ein Abwehrsystem zuverlässig eine anfliegende Rakete zerstört, dabei darf die Kugel-Wolke aber nicht die Infanteristen in der Umgebung töten oder Fahrzeuge in der Nähe zerfetzen.

Oberst Will Waugh, Direktor des britischen Kampfpanzerprogramms, sagte: "Diese Technologie, die sich bereits bei unseren internationalen Verbündeten und Partnern bewährt hat, wird den Schutz vor gelenkten und ungelenkten Panzerabwehrwaffen entscheidend verbessern – eine Bedrohung, die sich weltweit immer weiter ausbreitet und immer tödlicher wird."

Erprobtes System 

Die israelischen Streitkräfte begannen in den frühen 2000er-Jahren mit der Arbeit an Trophy. Nach dem Verluste mehrerer Merkava-Panzer im Libanonkrieg 2006 wurde das System 2010 installiert. Gegenüber anderen Entwicklungen dürfte es aus der Zeit der Kinderkrankheiten heraus sein. Mehrere Videos zeigen, wie es sich gegenüber echten Angriffen bewährt hat. Unter anderem konnte es eine Kornet-Rakete abwehren. Die Kornet ist ursprünglich eine Entwicklung der UdSSR und entspricht grob der deutschen Milan.

Ankommende Projektile erkennt das Trophy-System durch die vier Phased-Array-Radare, und berechnet dann den besten Zeitpunkt zum Zurückfeuern. Dabei versucht es auch, die gegnerische Position auszumachen, und kann den Turm auf das Ziel ausrichten. Bei verbundenen Waffensystemen werden diese Werte übertragen, so könnte sofort ein Artillerieschlag auf die Position des Gegners erfolgen.

Die Staaten des Westens müssen hier dringend aufholen, da Russland auch Erfahrungen mit aktiven Abwehrsystemen hat und sie nicht nur beim modernsten Panzer T-14 Armata einsetzt, sondern auch die Typen T-90, T-84 und T-72 mit ihnen modernisierte. Die NATO steht derzeit vor der Situation, dass die Hauptwaffe von Kampfpanzern wie dem Leopard 2 die Frontpanzerung eines T-14 oder eines modernisierten T-90 nicht durchschlagen kann. Und zusätzlich können sich diese Panzer auch noch mit einem aktiven Schutzsystem gegen Panzerabwehrraketen zur Wehr setzen, während die westlichen Modelle – wie auch der Challenger 3 – erst langsam nachziehen.

Ewiger Wettlauf

In den Zeiten von immer raffinierteren Panzerabwehrraketen und der Bedrohung durch Drohnen haben schwere Kampfpanzer ohne aktiven Schutz keine Chance im Gefecht. Leistungsfähige Abwehrsysteme sollen Kampfpanzer wieder unangreifbar machen, wie er es in der ersten Hälfte des Zweiten Weltkriegs war.

Ob das gelingt, bleibt fraglich. Schon heute müssten die Systeme auch Drohnen abwehren können. Und selbst dann könnten sie keine Schwarmattacke zerstören. Bei Angriffen mit Dummies schießt so ein System sich schnell leer. Daher kann schon eine einfache Panzerbüchse wie die russische RPG-30 Krjuk ein System wie Trophy überfordern. Die RPG-30 wirft nämlich zwei Raketen hintereinander aus. Vor dem tödlichen Gefechtskopf fliegt ein Dummy auf der gleichen Bahn, kurz vor dem Ziel detoniert der Dummy und löst so die Raketenabwehr aus. Der eigentliche Gefechtskopf soll dann durchkommen und das Ziel zerstören.

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