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Zweiter Weltkrieg Jagdtiger – diese Panzerlegende litt an massivem Übergewicht

Ein Schwarzweißfoto zeigt einen Panzer
Von anderen Panzern war der Jagdtiger kaum zu bekämpfen
© Commons
Im Zweiten Weltkrieg entwickelten die Deutschen sogenannte Jagdpanzer, sie hatten keinen drehbaren Turm, dafür konnte eine größere Kanone auf das Fahrgestell gebaut werden. Der Jagdtiger war das gewaltigste Modell.

Gegen Endes des Zweiten Weltkrieges schickte die Wehrmacht zwei sehr unterschiedliche Panzer ins Gefecht. Das eine war der Mini-Panzer Hetzer. Er war klein, konnte jede Deckung ausnutzen, hatte eine solide Kanone – war aber kaum gepanzert. Und das andere war der Jagdtiger – ein absoluter Behemoth. Er besaß die stärkste Panzerkanone aller deutschen Panzer und besaß die stärkste Frontpanzerung. Von vorn war der Jagdtiger nicht zu knacken. Der Jagdtiger wurde als Abwehrpanzer für die Rückzugsgefechte der Wehrmacht entwickelt. Der Jagdtiger sollte die neuentwickelten schweren Panzer der Alliierten schon auf große Entfernung stoppen.

Extremes Geschütz im Zweiten Weltkrieg

Als Hauptwaffe wurde die 12,8-cm-KwK L/55 verbaut. Gegen sie war die Acht-Acht des Tiger-Panzers ein Leichtgewicht. Im Kaliber von 12,8 Zentimetern wogen ihre Projektile fast 30 Kilogramm, dazu kam noch die Treibladung von 15 Kilogramm. Geschoss und Ladung waren getrennt, sonst hätten die beiden Ladeschützen die Geschosse nicht bewegen können. Die 12,8-cm-PaK 44d durchschoss die Panzerung eines amerikanischen Sherman Panzers auf drei Kilometer Entfernung aus jedem Winkel. Der Sherman hingegen musste auf hundert Meter herankommen, und versuchen, den Jagdtiger dann von hinten zu fassen.

Doch leider hatte die Konstruktion auch andere Superlative zu bieten: Der Jagdtiger wog etwa 70 Tonnen und war mit drei Metern Höhe alles andere als unauffällig. Am besten könnte man ihn als fahrbaren Bunker charakterisieren.

Zu schwach und zu schwer 

Für den Jagdpanzer wurde das Chassis des Tiger I Panzers verwendet. Dieser schwere Kampfpanzer hatte viele technische Besonderheiten, die ihn bei der Besatzung beliebt machten. Er war einfach und ohne Kraftaufwand zu lenken, zudem konnte der Koloss sehr feinfühlig bewegt werden – wenn die Technik mitspielte. Allerdings war schon der Tiger zu schwer für Motor und Getriebe. Der noch größere Jagdtiger war noch unbeweglicher. Zudem entwickelt er einen gewaltigen Benzin-Durst. Und das in einer Zeit, in der der Wehrmacht der Treibstoff ausging. Die 700 PS des Motors reichten im Gelände gerade einmal für 17 km/h. Die Länge von 10 und die Breite von 3,5 Metern machte es schwer zu manövrieren, ohne überall anzuecken.

Unbedeutende Mengen

Von Februar 1944 bis Kriegsende wurden nur 88 Panzer hergestellt.  Mit ihnen wurden die schweren Panzerjäger-Abteilungen 512 und 653 ausgerüstet. Schon allein wegen der geringen Anzahl hatte der Panzer keine kriegsentscheidende Wirkung. Der Mythos um den Jagdtiger erklärt sich nicht aus seinen tatsächlichen Einsätzen, sondern aus dem extremen Konzept der Waffe.

Von anderen Panzern war er dagegen kaum zu bekämpfen. Die 653 verlor 30 Prozent ihrer Panzer durch Artilleriefeuer und Luftangriffe, 70 Prozent mussten wegen Defekten gesprengt werden, kein einziger wurde durch einen feindlichen Panzer abgeschossen. 

Richtig eingesetzt war die Wirkung der Kanone fürchterlich. Bei Chaumont in der Nähe von Bastogne trafen am 23. Dezember eher aus Zufall vier Jagdtiger der 653 Panzerjägerabteilung ein. Sie wollten weiter nach Bastogne, um die Panzerlehrdivision zu verstärken. Da es Berichte über anrückende Amerikaner gab, gingen die Panzer in einem Waldstück in Stellung mit guter Sicht auf die Felder. Zwei Stunden später tauchte die Speerspitze von Pattons 3. Panzerarmee auf und lief den Jagdtigern direkt ins Schussfeld. Innerhalb weniger Minuten explodierten elf Sherman Panzer.

Schlechter Ausbildungsstand

Otto Carius schrieb nach dem Krieg über seine Einsätze mit dem Jagdtiger. Carius war einer der gefährlichsten Panzerkommandanten des Krieges, berühmt wurde er mit dem Tiger I. Trotz der vorhandenen Gebrechen war Carius vom Tiger begeistert. Vom Jagdtiger hielt er nichts. Die meisten seiner Panzer fielen durch technische Defekte aus.

Um die Kanone auszurichten, musste der 70-Tonnen-Koloss feinfühlig bewegt werden, das führte zu Ausfällen bei der Steuerung und dem Antrieb. Auch bei kurzen Strecken musste die Kanone nach Möglichkeit abgestützt werden, da ihr Gewicht sonst die Lager zerstörte, sodass man die Waffe nicht mehr ausrichten konnte.

Dazu kam die allgemeine Lage gegen Ende des Krieges. In den Jahren zuvor bekamen die schweren Panzerabteilungen nur die besten Leute zugeteilt, die sich woanders bereits bewährt hatten. Die sensiblen und anfälligen Jagdtiger wurden von kaum ausgebildeten Neulingen bemannt.

Carius war entsetzt von den Anfängerfehlern, die seinen Kommandanten unterliefen. Auch der Wehrwille brach zusammen. Soldaten weigerten sich, auf US-Truppen zu schießen, weil sie die folgenden Luftangriffe fürchteten. Zivilisten verrieten die getarnten Stellungen der Riesenpanzer an die US-Armee.

Die schwere Jagdpanzerabteilung 512 bildete das Rückgrat der Verteidigung von Iserlohn und Unna im Ruhrkessel. Der Kommandeur Albert Ernst erkannte den unsinnigen Widerstand. Auch, weil in Iserlohn 300.000 Zivilsten mit seinen Truppen eingeschlossen waren. Als einziger deutscher Offizier überhaupt übergab er am 16. April die Stadt und seine letzten verbliebenen Jagdtiger den Alliierten. Bei der Kapitulation wurde Ernst von fanatischen Einwohnern als Feigling beschimpft und bespuckt.

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