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Aufmarsch der USA: Sollen diese US-Panzer Wladimir Putin aufhalten?

Am Suwalki Gap im Baltikum  könnte der Dritte Weltkrieg beginnen, fürchten US-Strategen. Die Panzer, die jetzt in Bremerhaven ankommen, sollen im Ernstfall den Landweg zu den baltischen Staaten freihalten.

Die Brigade ist mit M1 Abrams Kampfpanzern und Bradley Schützenpanzern ausgerüstet,

Die Brigade ist mit M1 Abrams Kampfpanzern und Bradley Schützenpanzern ausgerüstet,

Seit Freitag laden die USA im großen Maßstab und Kriegsgerät am Kaiserhafen in Bremerhaven aus. Aus Colorado wird eine ganze Einheit nach Polen verlegt. Deutschland ist nur Transitland für das 3rd Armored Brigade Combat Team der 4. US Infanterie Division. Innerhalb von zwölf Tagen sollen Soldaten Panzer, Lkw, Anhänger und Gefechtsfahrzeuge im Militärkonvoi oder auf der Schiene nach Polen gelangen.

Fast 100 Kampfpanzer

Schwächer als eine selbstständige Brigade oder gar eine der schweren US-Panzerdivsionen des Kalten Krieges ist die Iron Brigade, dennoch ist es eine mächtige Einheit, die nach Europa kommt. Insgesamt handelt es sich um 3500 Mann, 87 Kampfpanzer (Zum Vergleich: die gesamte Bundeswehr verfügt über weniger als 300 Panzer), 144 Schützenpanzer und 18 Panzerhaubitzen vom Typ M109A6 Paladin. Dazu kommen unzählige weitere Fahrzeuge.

Das Problem der Rotation

Stationiert wird die Brigade in West Polen. Politisch soll sie ein Signal der Stärke nach Moskau senden und zugleich den europäischen Verbündeten die Entschlossenheit der demonstrieren. In Moskau sieht man den Aufmarsch der US-Truppen nahe den eigenen Grenzen naturgemäß extrem kritisch. Zumal die Stationierung der Truppen der Nato-Russland-Grundakte von 1997 eigentlich widerspricht. Der Westen behilft sich mit dem Kniff der Rotation. Da die Truppen nicht dauerhaft bleiben, spricht man nicht von einer Stationierung, sondern von einer Art verlängertem Besuch. Moskau dürfte diese recht freie Interpretation der Akte allerdings nicht von der Vertragstreue der Nato-Staaten überzeugen. 

Strategie der Stolpersteine

Neben den politischen Gesten hat diese Brigade auch eine echte militärische Bedeutung. Die kleinen Nato-Einheiten, die derzeit in den baltischen Staaten stationiert sind, könnten einem entschlossenen Angriff nichts entgegensetzen. Im Militär-Jargon sind sie lediglich Stolpersteine, die die politischen Kosten einer Aggression erhöhen. Wer die baltischen Staaten angreift, müsste auch auf Soldaten der Verbündeten schießen. Da gibt es wenig Hoffnung, den Konflikt lokal begrenzen zu können.

Schlagkräftiger Verband

Die Strike-Brigade der USA hat ein anderes Kaliber, als die 450 bis 650 Mann der Bundeswehr im Baltikum. Sie ist eine militärische Elite-Einheit, die kämpfen kann und siegen soll. Letzten Endes bleibt es zwar eine Brigade, die in etwa ein Drittel der Stärke einer der US-Panzerdivisionen des Kalten Krieges erreicht. Doch zusammen mit Truppen der Nato-Verbündeten könnte sie einen schlagkräftigen Verband bilden.

Das Suwalki Gap 

Dabei wird auch ein mögliches Einsatzszenario offen ausgesprochen: Im Ernstfall soll der sogenannte Suwalki Gap offengehalten werden. Der etwa 100 Kilometer breite Streifen verbindet Polen und die baltischen Staaten und wird von der russischen Enklave Kaliningrad und Weißrussland eingerahmt. Sollte Russland den Streifen besetzen, wären die baltischen Staaten abgeschnitten von West-Europa.


Krieg um das Baltikum

Die Wortschöpfung des US-Militärs soll bewusst an das sogenannte Fulda Gap des Kalten Krieges erinnern. Ob die russische  Bedrohung für Suwalki Gap realistisch ist, darf allerdings bezweifelt werden. An dieser Stelle wären die baltischen Staaten sehr verwundbar, doch Russland wird in der exponierten Enklave Kaliningrad kaum starke Kräfte konzentrieren. Kräfte, die benötigt würden, wenn Russland den Streifen einnehmen und gleichzeitig eine Verteidigung der Enklave bewerkstelligen will, die rundum von Nato-Staaten umgeben ist.

Putins Antwort auf die Stationierung

Russland hat auf die Entsendung der US-Brigade eine Antwort weitab vom Suwalki Gap gegeben. Der Kreml hat mit der Neuaufstellung 1. Garde Panzer Armee begonnen. Diese Einheit wird in der Nähe von Moskau und nicht in Kaliningrad stationiert. Die angestrebte Kampfstärke liegt bei 500 bis 600 Kampfpanzern. Unklar ist allerdings, wann diese Armee die volle Einsatzstärke erreicht. Noch länger dürfte es dauern, bis sie mit dem Superpanzer T-14 Armata ausgerüstet ist. Sollte die 1. Garde Panzer Armee jedoch einsatzfähig sein, soll sie der "Hammer, der jede Verteidigung zerschlägt" sein – so umschreiben sie zumindest russische Medien.

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