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"Der Hammer, der jede Verteidigung zerschlägt"

Die Nato schickt 4000 Mann in die baltischen Staaten. Für Moskau eine Provokation. Der Kreml stellt ihnen die 1. Garde Panzer Armee entgegen. Mit mehr als 500 Kampfpanzern soll sie jeden Widerstand zermahlen.

Die Armee soll als erste Formation mit dem neuen T-14 Armata Panzer ausgerüstet werden.

Der neue T-14 Armata Panzer: Die Armee soll als erste Formation mit dieser Waffe ausgerüstet werden.

Die Nato will Truppen an Russlands Außengrenze stationieren. Insgesamt etwa vier Bataillone zu maximal je 1000 Mann. Für Moskau eine Provokation, die beantwortet wird. Und zwar indem eine komplette Panzerarmee im Westen Russlands aufgestellt wird.

Schon 2015 wurde im Kreml beschlossen, die 1. Garde Panzer Armee zu reaktivieren. Das ist eine Traditionsformation, die 1943 formiert und 1999 aufgelöst wurde. Die erste 1. Garde Panzer Armee wurde bei Stalingrad aufgerieben. Neu aufgestellt stoppte sie mit anderen Panzergruppen den Vorstoß der deutschen Truppen in der entscheidenden Schlacht bei Kursk. Für ihren Einsatz dort wurde die einzige Panzerkommandantin der Armee, Aleksandra Samusenko, mit dem Roten Stern ausgezeichnet. 

Aleksandra Samusenko kämpfte mir der 1. Panzer Garde Armee, sie fiel in der Nähe von Berlin.

Der Kreml knüpft geschickt an die ruhmreiche Vergangenheit des Zweiten Weltkriegs an. Aleksandra Samusenko kämpfte mir der 1. Panzer Garde Armee, sie fiel in der Nähe von Berlin. 

Nun sickerten Details durch, wie die neue Armee konkret aussehen soll. Ihre Basis bilden die Kantemirovskaya und Tamanskaya Panzerdivsionen. Laut Izvestia soll die Armee nicht weniger als 500 bis 600 Panzer, 600 bis 800 Schützenpanzer, 300 bis 400 Artilleriegeschütze und bis zu 50.000 Soldaten umfassen. Zur Erinnerung: Die Bundeswehr hat derzeit 225 Panzer. Zunächst ist die Ausrüstung der Garde Armee allerdings nicht auf der Höhe der Zeit. Sie wird mit modernisierten, aber veralteten T-72 und T-80 Panzern ausgerüstet und hat bei Weitem nicht die angestrebte Stärke. Die 1. Garde Panzer Armee soll jedoch vorrangig mit den neuen T-14 Armata Panzern versorgt werden. Ein Kampfpanzer, gegen den der Westen derzeit machtlos ist.


Kein direktes Ziel

Eine direkte Bedrohung für die baltischen Staaten ist die 1. Panzer Armee nicht. Sie wird in der Umgebung von Moskau aufgestellt und stärkt so die gesamte westliche Front. Böse könnte man auch formulieren, dass diese Einheit viel zu stark ist, um sie allein gegen die kleinen baltischen Staaten zu positionieren.

Rückkehr des kalten Kriegs

Es ist allerdings nicht nur die reine Präsenz von Menschen und Material im Westen Russlands, die dem Westen Sorgen machen sollte. Die Neuformation einer Panzer Armee deutet auch auf eine Neuausrichtung der militärischen Doktrin hin. Nach dem Kalten Krieg galten derartige Großverbände und Panzerdivisionen im Westen wie im Osten als zu groß und zu unflexibel für die veränderte Sicherheitslage. Statt ihrer setzte man auf kleinere Einheiten, die für ihre Einsätze jeweils modular kombiniert werden konnten. Damals dachte man allerdings auch, dass die Zeit der Großverbände und der großen Schlachten endgültig vorüber sei. Selbst Panzer und Schützenpanzer galten als antiquiert. Leichte Infanterie schien zukunftssicher. Als die USA mit ungeschützten Humvees in den Irak einmarschierten, zeigte sich schnell die Schattenseite des Konzepts.

Putins neue Angriffsformation

Eine Panzerarmee ist für einen anderen Krieg gedacht, sie ist eine klassische  Angriffsformation. Dafür gebaut, vorzustoßen und alles, was sich ihr in den Weg stellt, zu eliminieren. Russische Medien sprechen es auch ganz offen aus, die schweren Panzerdivisionen der Armee sind der "Hammer, der jede Verteidigung" zerstören kann.  Ein weiteres Indiz der veränderten Doktrin ist der Tinktank Jamestown Foundation. Demnach will die russische Armee spezielle Angiffstruppen für die Eroberung von Häuserblocks in urbaner Umgebung aufstellen. Ideengeber sind die Erfahrungen in Syrien und die Einsätze von Pionierbrigaden in der letzten Phase des zweiten Weltkrieges. Auch in diesem Zusammenhang werden ruhmreiche Traditionsbegriffe wiederbelebt. Ein weiteres Anzeichen, dass Moskau mit echten oder vermeintlichen Bedrohungen sehr offensiv umgehen will.

Eine Frage des Geldes

Diese Pläne hängen allerdings entscheidend von der Kassenlage im Kreml ab. Denn auch wenn Rüstungsgüter in Russland preiswerter hergestellt werden als im Westen, kostet die geplante Aufrüstung enorm viel Geld - doch das dürfte während der Wirtschaftskrise in Russland schwer aufzutreiben sein. 


Kra
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