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Digitale Spiegelreflexkameras Wahre Größe


Spiegelreflexkameras sind der wichtigste Trend auf der diesjährigen Photokina. Der stern nennt die Gründe, zeigt die wichtigsten Neuerscheinungen und gibt Einkaufstipps für Einsteiger.
Von Horst Gottfried und Ulf Schönert

Warum denn so klobig? Da hatten wir uns gerade daran gewöhnt, dass Digitalkameras immer kleiner und billiger werden, schöner und bunter, schmal wie Musikkassetten, an Taschenmodelle, die eingebaute MP3-Player haben oder gleich in Handys integriert werden.

Und nun zeigt die Kameraindustrie ihre Neuheiten zur Fotomesse Photokina - und ist besonders stolz auf Geräte, die man vom Äußeren her längst im Museum vermutet hatte. Sie sind schwarz und kantig, wiegen und kosten so viel wie fünf Kleinkameras zusammen und kommen mit ähnlich dicken Objektiven daher wie ihre analogen Vorgängermodelle aus dem vorigen Jahrhundert: digitale Spiegelreflexkameras.

Schlechte Bilder gibt es genug

Ein Rückschritt? Nein. Kleinkameras sind kein Irrweg. Es gibt sie nach wie vor, und sie werden noch kleiner und billiger und besser. Doch immer mehr Knipsern steht der Sinn zunehmend nach Klasse. Vielleicht liegt es an der Bilderinflation, ausgelöst durch die Digitalisierung der Fotografie und durch das Internet: Schlechte Bilder gibt es schon genug. Vielleicht sind es die Fotohandys, die die gewohnten Kleinkameras in vielen Augen überflüssig scheinen lassen. Vielleicht hat sich aber auch einfach herumgesprochen, dass mit Spiegelreflexkameras auch Amateure Bilder machen können wie sonst nur Profis.

Tatsächlich merkt man schon beim oberflächlichen Ausprobieren: Spiegelreflexkameras sind nicht nur groß, sie machen auch große Bilder. Nicht, weil sie mehr Auflösung bieten; zehn Megapixel bieten auch Taschenkameras. Den Unterschied machen die größere Sensorfläche und die großen Objektive: Spiegelreflexkameras können einfach mehr Licht aufnehmen als Minis. Kontraste werden dadurch besser wiedergegeben, Störeffekte reduziert. Und der Fotograf bekommt eine Fülle an Gestaltungsspielräumen. Zum Beispiel mit der Schärfentiefe, dem Effekt, der dafür sorgt, dass bei einem Porträt das Gesicht scharf wird und der Hintergrund verschwommen bleibt.

Derart vielfältig sind die Einstellmöglichkeiten, dass sie Neulinge erst einmal überfordern können. Doch wie bei Kleinkameras gibt es auch bei Spiegelreflexmodellen viele Hilfen, zum Beispiel Motivprogramme, die Anfängern die Wahl zwischen "Sport"-, "Porträt"- oder "Nacht"-Aufnahmen erlauben und die optimalen Einstellungen automatisch vornehmen. Ein großes Plus ist auch der Sucher, der unter allen Lichtverhältnissen Bildausschnitt und Scharfstellung klar und deutlich zeigt.

Objektiv, wechsle Dich

Ein weiterer entscheidender Vorteil kommt bei Spiegelreflexkameras jedoch hinzu: die große Auswahl an Wechselobjektiven. Sie lassen einen Freiraum bei der Wahl von Brennweiten und Lichtstärken, den andere Kameratypen nicht bieten. Dadurch, dass die Hersteller meist den gleichen Objektivanschluss verwenden wie bei den analogen Modellen, kann man auch alte Analog-Objektive weiter nutzen - wenngleich die Qualität dann nicht immer optimal ausfällt. Fotografen wie Fotohandel gleichermaßen freut außerdem das große Zubehörangebot, mit dem die Kameras für spezielle Aufgaben wie Blitz- oder Makro-Fotografie aufgerüstet werden können. Zusätzliche Funktionen wie Bildstabilisatoren, die in Objektiv oder Gehäuse eingebaut sind, und automatische Staubentfernung kommen bei den neuesten Modellen immer öfter dazu. Die Konsequenz ist: Während die Verkäufe von Kleinkameras nicht mehr wachsen, explodieren die Zahlen für digitale Spiegelreflexkameras. Rainer Schmidt, Geschäftsführer des Photoindustrieverbandes, freut sich: "Die Königsklasse unter den Kameras erlebt eine Renaissance, wie sie selbst die größten Optimisten nicht erwartet haben."

Der Ansturm auf die Spiegelreflexkameras hat den Markt reichlich durcheinandergewirbelt. War die Auswahl bis vor kurzem überschaubar, gibt es neuerdings richtig Wettbewerb. Ob Panasonic, Samsung oder Sony: Sie alle kommen in diesem Jahr erstmalig mit eigenen Digital-Spiegelreflexkameras auf den Markt. Die Folge sind stark fallende Preise. Konnten sich noch vor kurzem nur Profi-Fotografen solch eine Spiegelreflex leisten, gibt es die Neuerscheinungen inzwischen schon für weit unter 1000 Euro -Êmit zehn Megapixel Auflösung, optischem Bildstabilisator, Sensorstaubschutz und großem 6,35-cm-LCD-Monitor als Standard.

Noch preisgünstiger ist es, wenn man sich einen Apparat der Vorgängergeneration zulegt. Welche Modelle aus dieser Klasse besonders empfehlenswert sind, zeigt der Test des Fachmagazins "Colorfoto" auf der nächsten Seite. Das Auslaufmodell Fuji S3Pro beispielsweise bekommt man inzwischen für weniger als 1000 Euro - als es 2004 zum ersten Mal in die Läden kam, musste man dafür noch 2500 Euro berappen.

Auf der nächsten Seite: Fünf ausgezeichnete Einsteigermodelle, getestet von "Colorfoto"

Die Fachzeitschrift "Colorfoto" hat 20 digitale Spiegelreflexkameras mit einem Kaufpreis unter 1000 Euro getestet. Unsere Tabelle zeigt die fünf Modelle, die am besten abgeschnitten haben.

Fuji

Canon

Modell

S3Pro

EOS 350D

Straßenpreis

999 Euro

699 Euro

Sensor (Auflösung und Fläche)

6 Megapixel, 23 x 15,5 mm

8 Megapixel, 22,2 x 14,8 mm

Auflösung (Pixel)

3024 x 2016

3456 x 2304

Brennweitenfaktor

1,5x

1,6x

Dateiformate

JPEG, RAW

JPEG, RAW, RAW+JPEG

Autofokus

5 Sensoren

7 Sensoren

LCD-Monitor

5 cm, 235.000 Pixel

5 cm, 115 000 Pixel

Speicherkarte

CompactFlash, xD

CompactFlash

Größe

148x135x79 mm

127x94x64 mm

Gewicht

815 g

485 g

"Colorfoto"- Test-PrädikatKauftipp: BildqualitätKauftipp: Klassenbeste
Kurzbewertung

Profimodell mit hervorragender Bildqualität und Nikon-Objektiv-Anschluss jetzt als Auslaufmodell zum Schnäppchenpreis. Trotz "nur" 6 Megapixel besser als einige 8-Megapixler, besonders bei Farbgenauigkeit und Kontrast. Groß und schwer.

Pentax

Olympus

Modell

K100D

E-500

Straßenpreis

630 Euro

570 Euro

Sensor (Auflösung und Fläche)

6 Megapixel, 23,5 x 15,7 mm

8 Megapixel, 17,3 x 13 mm

Auflösung (Pixel)

3008 x 2008

3264 x 2448

Brennweitenfaktor

1,5x

2x

Dateiformate

JPEG, RAW

JPEG, RAW, TIFF, RAW+JPEG

Autofokus

11 Sensoren

3 Sensoren

LCD-Monitor

6,35 cm, 210.000 Pixel

6,35 cm, 215.250 Pixel

Speicherkarte

SD

CompactFlash, xD

Größe

130x93x70 mm

130x95x66 mm

Gewicht

560 g

435 g

"Colorfoto"- Test-PrädikatKauftipp: BildstabilisatorKauftipp: Preis/Leistung
Kurzbewertung

Mit gleichermaßen sehr guter Bildqualität bei ISO 100 wie ISO 400 sowie einem Bildstabilisator, der mit allen Objektiven funktioniert, sichert sich die günstige Pentax einen Platz in der Spitzengruppe.

Nikon

Modell

D50

Straßenpreis

450 Euro

Sensor (Auflösung und Fläche)

6 Megapixel, 23,6 x 15,6

Auflösung (Pixel)

3008 x 2000

Brennweitenfaktor

1,5x

Dateiformate

JPEG, RAW, RAW+JPEG

Autofokus

5 Sensoren

LCD-Monitor

5 cm, 130.000 Pixel

Speicherkarte

SD

Größe

133x102x76 mm

Gewicht

540 g

"Colorfoto"- Test-PrädikatKauftipp: Preis/Leistung
Kurzbewertung

Spiegelreflexkamera Test: Hier geht es zum Spiegelreflexkamera Vergleich.

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