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Luftwaffe Erdkampfflugzeug Super Tucano Embraer A-29 – letzte Hoffnung für Kabul

In Afghanistan dient die A-29 nur zur Bekämpfung von Bodenzielen. 
In Afghanistan dient die A-29 nur zur Bekämpfung von Bodenzielen. 
© Rahmat Gul/ / Picture Alliance
Die afghanische Luftwaffe fliegt pausenlos Einsätze, um den Vormarsch der Taliban zu stoppen. Dabei stützen sie sich auf ein Flugzeug, das aussieht, wie aus dem Zweiten Weltkrieg.

Nachdem USA und Verbündete das Land verlassen, stehen die Truppen der afghanischen Armee (ANA) unter Druck. Überall rücken die Taliban vor, nur ein Vorteil ist der ANA geblieben: Anders als die Taliban verfügen sie über eine Luftwaffe. Und anders als die USA an die Mudschahidin liefern Russland und China keine tragbaren Flugabwehrraketen an die Aufständischen.

In der schwierigen Lage vergeht kein Tag, an dem Kabul nicht einen erfolgreichen Einsatz der Luftstreitkräfte vermeldet. Die Luftwaffe dort verfügt in etwa über 150 Flugzeuge und Hubschrauber, echte Fighter sind allerdings selten. Kabul besitzt acht Kampfhubschrauber vom Typ Mi-24 Hind – ein fliegender Panzer, dessen Vorgänger die Sowjets bereits in dem Land einsetzten.

Dazu kommen Maschinen vom Typ Super Tucano Embraer A-29. Insgesamt sind 30 bestellt, in Afghanistan sollen sich 19 Exemplare befinden, wie viele einsatzfähig sind, ist unbekannt. Bei der Super Tucano handelt es sich um ein Erdkampfflugzeug – oder auch Light Ground Attack Aircraft. Gewissermaßen ein Nachfolger der IL-2 Sturmovik, des meistgebauten Flugzeuges des Zweiten Weltkrieges oder den Schlachtflieger-Varianten der Ju-87 Stuka.

Verwandte aus dem Kalten Krieg

Auch die Großmächte USA und Russland haben derartige Flugzeuge im Einsatz. Bei den Russen ist es die Suchoi Su-25 Grach, bei den Amerikanern die ungleich bekanntere Fairchild Republic A-10 Thunderbolt II – Spitzname "Warthog". Doch von der Embraer unterscheiden sich beide Modelle deutlich. Sie wurden nicht für die Aufstandsbekämpfung konstruiert, sondern für den Zusammenprall großer Panzermassen, wie man es im Kalten Krieg annahm. Dazu sind beide deutlich größer und verfügen über zwei Triebwerke.

Die Super Tucano hingegen ist ein wesentlich moderneres Flugzeug, sie wird seit 2003 gebaut, auch wenn sie mit ihrem Turbofan-Antrieb und dem Propeller für den Laien aussieht, wie ein Flieger aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Maschine stammt von Embraer in Brasilien und ist speziell für die Low-Intensity-Konflikte der heutigen Zeit konstruiert. Man kann auch sagen, sie ist die Luftwaffe des armen Mannes. Anders als Multi-Role-Fighter wurde die A-29 nicht primär für den Luftkampf gegen andere Kampfjets gebaut. Sie vereint einfache Wartung, geringe Betriebskosten, minimale Anforderungen an das Rollfeld mit Eigenschaften wie einer langen Flugdauer und einer hohen Waffenlast. Während ein moderner Kampfjet wegen seiner begrenzten Flugzeit nicht auf Abruf in der Luft bleiben kann, ist das für die A-29 durchaus möglich.

Gleichzeitig ist die A-29 wie ein moderner Jet der vierten Generation ausgestattet. Sie kann zum Beispiel nachts starten, landen und Bodeneinsätze fliegen. Weil Stealth und herausragende Flugeigenschaften keine Rolle spielen, trägt die A-29 ihre Waffen an Gondeln außenbords.

Robust und genügsam 

Afghanistan erhielt die ersten vier Modelle im Januar 2016, die Piloten wurden in den USA ausgebildet. Auch Kauf und Bezahlung der Flugzeuge erfolgte durch das Pentagon. Die einmotorige Maschine hat ähnlich wie ein Kampfhubschrauber eine zweiköpfige Besatzung. Mit einer Länge von 11,30 Metern und einer Spannweite von 11,14 Metern ist es ein relativ kleines Flugzeug. Die Maße der A-10: 16,26 Meter und 17,53 Meter. Sie kommt allerdings nicht über 590 km/h hinaus. Billig ist sie nicht, der Systempreis liegt zwischen 20 und 30 Millionen US-Dollar.

Die Waffenlast ist mit 1800 Kilogramm ebenfalls begrenzt. Durch das Gondelsystem kann die Super Tucano je nach Auftrag zahlreiche verschiedene Waffen mit sich führen. In Afghanistan kommen unter anderem lasergeführte Bomben zum Einsatz. Dazu können Luft-Boden-Raketen und auch billige ungelenkte Freifallbomben kommen. Darunter wiederum befinden sich Bomben mit Streumunition und Aerosolbomben.

Fest installiert in den Flügeln sind zwei 12,7-mm-Maschinengewehre. In einem Behälter können zwei 20-mm-Maschinenkanonen mitgeführt werden. Eine Waffe wie die 30-mm-Rotationskanone der A-10 könnte das kleine Flugzeug nicht transportieren. Zu den Abnehmern gehören Länder wie Nigeria, Mali, Libanon und die Philippinen – die USA haben zeitweise erwogen, selbst so ein kostengünstiges Flugzeug anzuschaffen, den Plan aber wieder verworfen.
Bislang haben die afghanischen Streitkräfte noch kein Flugzeug im Kampf verloren, gegen Bodenfeuer aus leichten Waffen ist die Maschine auch geschützt. Allerdings haben die Taliban eine andere Strategie entwickelt, um die Luftwaffe zu schwächen. Sie töten die Piloten außerhalb der Basen, wenn sie bei ihren Familien sind. In den letzten Monaten sollen sieben Piloten derartigen Anschlägen zum Opfer gefallen sein.
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