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Light Attack Aircraft: USA schicken Propellerflugzeuge wie aus dem Zweiten Weltkrieg an die Front

Wegen der horrenden Kosten der F-35 wollen die USA ein kleines, billiges Kampfflugzeug anschaffen. Im Rahmen der Erprobung sollen nur zwei Propeller-Flugzeuge gegen echte Aufständische eingesetzt werden.

Embraer 314 Super Tucano: Dieses brasilianische Kampfflugzeug testet die US Air Force

Kampfpiloten von heute sehen ihren Gegner nicht mehr mit eigenen Augen. Der Feind wird von Radarstationen erfasst, die eigenen Jäger dann von -Flugzeugen auf den besten Angriffskurs gebracht. Die nötigen Informationen bekommen sie direkt in den Bordcomputer eingespeist. Die wichtigsten Daten erscheinen auf dem Visier-Display der Piloten.

Aus weiter Entfernung feuern diese dann ihre Raketen ab. Sitzen die Piloten in US-Maschinen wie der F-22 und F-35 soll der Gegner davon gar nichts mitbekommen. Ihre Stealth-Technik soll sie praktisch unsichtbar machen. Ein enger Luftkampf ist gar nicht vorgesehen.

Die A-29 Super Tucano komt aus Brasilien und ist derzeit auch in Libyen im Einsatz.

Die A-29 Super Tucano komt aus Brasilien und ist derzeit auch in Libyen im Einsatz.

Sogar mit Haifisch-Maul

Doch nun rollen ausgerechnet die US-Streitkräfte, die voll und ganz auf die hochmoderne F-35 gesetzt haben, Flugzeuge an den Start, die aussehen, als wären sie im Zweiten Weltkrieg gebaut worden. Sie besitzen einen Propellerantrieb, altmodische Rundum-Sichtkanzeln und tragen ihre Bordwaffen unter den Flügeln. Selbst die martialische Kriegsbemalung des Zweiten Weltkriegs in Form von Haifischzähnen fehlt nicht.

Die US Airforce lässt derzeit im Rahmen eines Beschaffungsprogramms vier verschiedene Typen gegeneinander antreten, nun sollen zwei Modelle in eine echte Warzone entsandt werden, nämlich die Modelle Embraer/Sierra Nevada A-29 Super Tucano und Textron AT-6 Wolverine. Das berichtet "Aviation Week & Space Technology". Die Reduktion auf diese beiden Typen deutet auf eine Vorauswahl im Wettbewerb hin.

Welches Kriegsgebiet für die Erprobung ausgewählt wurde, ist nicht bekannt. Ein Einsatz gegen den IS im Irak oder in Syrien würde allerdings naheliegen.

Von der FW 190 wurde die Versionen F und G zum Einsatz gegen Bodenziele ausgerüstet-

Von der FW 190 wurde die Versionen F und G zum Einsatz gegen Bodenziele ausgerüstet-

Vorbilder des zweiten Weltkriegs

Äußerlich erinnern die Maschinen an die Jagdflugzeuge des Zweiten Weltkriegs, an die deutschen Messerschmidt 109 oder die britische Spitfire. Tatsächlich handelt es sich bei den Light Attack Aircraft nicht um Jäger für den Luftkrieg, sondern um Flugzeuge, die Ziele am Boden angreifen sollten. Im Zweiten Weltkrieg entsprächen ihnen in etwa die F- und G-Erdkampfvarianten der Focke Wulf 190 oder die britischen Hawker Typhoon. Die Leistungsdaten der neuen Propellermaschinen liegen allerdings deutlich über denen der Vorbilder.

Es liegt am Geld

Die Rückkehr der Nostalgiemaschinen hat einen einfachen Grund: Geld. Endlose Kriege wie in Afghanistan werden allmählich selbst den USA zu teuer. Die Propellerflugzeuge sind nicht nur in der Anschaffung, sondern vor allem im Betrieb wesentlich billiger als die supermodernen High-Tech-Jets. Sie können von Straßen und Feldern starten und lassen sich einfach auf Behelfsflugplätzen warten. Den Gegner am Boden müssen sie nicht aus der Ferne mit teuren Lenkwaffen belkämpfen, sondern können ihn mit Bordkanonen und ungelenkten Raketen und Bomben angreifen. Ihre Manövrierfähigkeit und die Möglichkeit auch vergleichsweise langsam zu fliegen, macht es möglich, Infanterie am Boden nach Sicht zu unterstützen. 

Tarnkappen-Kampfjet F-35 im Flug

Alle diese Dinge könnten auch moderne Kampfhubschrauber leisten, allerdings nicht zu den gleichen Preisen. Eine A-29 Super Tucano kostet je nach Ausführung zwischen 9 und 14 Millionen US-Dollar und eine Einsatzstunde schlägt mit nur 430 bis 500 Dollar zu Buche. Für das alte Bodenkampfflugzeug A-10 Warthog kursieren verschiedenen Kostenberechnungen, aber auch noch die günstigste Variante nennt mit 6000 Dollar pro Stunde einen mehr als zehn Mal so hohen Betrag. Auch Modelle der F-35 können gegen Bodenziele eingesetzt werden. Hier werden die Kosten pro Einsatzstunde sogar mit 35.000 Dollar veranschlagt. Ein Kampfhubschrauber vom Typ Boeing AH-64E kostet mittlerweile über 35 Millionen Dollar, die Betriebsstunde mehr als 4000 Dollar.

Nur gegen ausgesuchte Gegner

Dagegen ist der brasilianische Super Tucano sehr günstig und hat sich daher auch zu einem Verkaufsschlager entwickelt. In Afrika und neuerdings auch in wird das zuverlässige Flugzeug zur Bekämpfung von Aufständischen eingesetzt. Neben den genannten Vorzügen gibt es allerdings auch einen gewaltigen Nachteil der Retro-Fighter. Sie lassen sich nur bei einem sehr ungleichen Kräfteverhältnis mit Erfolg einsetzen. Gegen einen Gegner mit moderner Luftwaffe wären die Brummer chancenlos. Auch Aufständische mit tragbaren Abwehrraketen (Manpads) würden den Propellermaschinen wohl gewaltig zusetzen.

Hinweis: Dieser Text war einer der meistgelesenen Artikel auf stern.de im Jahr 2017 - zum Jahresrückblick spielen wir die besten Artikel in loser Reihenfolge bis zum Ende des Jahres.