Hybrid-Antrieb für Motoryacht Stiller Star der Wasserwelt


In Kalifornien wurde die erste Motoryacht mit Hybrid-Antrieb vorgestellt. Sie ist so leise und abgasarm wie ein Segelboot - solange sie im Hafen den Elektromotor nutzt. Auf See wird der starke Dieselmotor der Yacht angeschaltet. stern.de war bei der Premiere dabei.
Von Karsten Lemm

Arnold kommt nicht. Aber das macht nichts. Der wahre Star an diesem Tag ist eine Österreicherin, die zeigen soll, dass man auch mit leisem Auftreten Aufmerksamkeit erregen kann. "Frauscher 757 St. Tropez" heißt die Besucherin aus den Alpen, die extra eingeflogen ist, um in San Francisco ihr Amerika-Debüt zu geben. Als erste Motoryacht der Welt vereint sie unter Deck zwei Antriebe: einen Elektromotor für kurze Fahrten, etwa im Hafen, und einen Dieselmotor, der den Rest übernimmt.

Presse und Fernsehen sind gekommen, um die Innovation zu begutachten, und für Kaliforniens Gouverneur, der seiner Politik gern einen grünen Anstrich gibt, wäre der Termin in San Franciscos Yachthafen eigentlich eine Gelegenheit, die Brücke zu seinem Herkunftsland zu schlagen. Doch Arnold Schwarzenegger muss anderes vorhaben; entgegen aller Ankündigungen lässt er sich nicht blicken. Stattdessen übernehmen es zwei seiner Abgesandten, ein Umweltabkommen zwischen Österreich und Kalifornien zu unterzeichnen, ehe sie mit der Yacht eine Runde vor dem Golden Gate drehen.

Gut für Umwelt und Brieftasche

Genau wie bei Hybrid-Autos wie dem Toyota Prius, die in Zeiten rekordverdächtiger Benzinpreise immer mehr Freunde gewinnen, sollen durch den neuartigen Bootsantrieb sowohl die Umwelt als auch die Brieftasche des Besitzers geschont werden. "Ein Siebtel des Verbrauchs fällt allein durch den Kaltstart und das Herumtuckern an", erklärt Rudolf Mandorfer, Geschäftsführer des Motorherstellers Steyr, der den Sowohl-als-auch-Antrieb gemeinsam mit dem Yacht-Hersteller Frauscher entwickelt hat. "Diesen Bereich schneiden wir komplett weg." Nach seinen Worten dürfen Käufer der neuartigen Yacht auf 10 bis 15 Prozent niedrigere Treibstoffkosten hoffen, abhängig von Fahrstil und Nutzung.

Der Hybridantrieb macht das Boot, das in Europa je nach Ausstattung 130.000 Euro und aufwärts kostet, etwa 20.000 Euro teurer als herkömmliche Modelle mit Dieselmotor. Dennoch sei das Interesse an der Neuerung, die ihre Weltpremiere im Januar auf der Bootsmesse in Düsseldorf feierte, "viel besser, als wir erwartet hatten", sagt Michael Frauscher, Geschäftsführer des österreichischen Bootsbauers. Das 80 Jahre alte Familienunternehmen, das etwa 40 Mitarbeiter beschäftigt und 2007 rund 15 Millionen Euro umsetzte, baut bereits seit Jahrzehnten Boote mit reinem Elektroantrieb, zusätzlich zu Freizeityachten mit Dieselmotor. Der Gedanke, ein Hybrid-Modell anzubieten, war allerdings anfangs mehr von PR als praktischem Nutzen geprägt: "Wir haben gedacht, das ist tolles Marketing", räumt Frauscher ein.

Ein Boot fährt immer bergauf

Dem 45-Jährigen war klar, dass ein Motorboot nie so energiesparend fahren kann wie ein Auto, selbst wenn ein E-Aggregat mit aushilft. "Ein Boot fährt im Grunde immer bergauf", erklärt Frauscher, "es muss ja die Welle erzeugen. Man braucht enorm viel Energie." Die liefert die meiste Zeit - außerhalb des Hafens - der Dieselmotor mit seinen 250 PS, der die Yacht auf ein Spitzentempo von 34 Knoten (etwa 63 km/h) beschleunigen kann und entsprechend Sprit schluckt. Ökofreundlich ist die "St. Tropez" nur im reinen Elektrobetrieb, in dem sie auf maximal 5 Knoten kommt (gut 9 km/h), aber leichter zu manövrieren ist als herkömmliche Motorboote. "Es ist einfach bequem", sagt Michael Frauscher. "Wenn ich auf einem See beim Baden bin, bewege ich einfach nur den Hebel und rutsche ein Stück rüber."

Obendrein ist da noch die Sache mit der Etikette. Normalerweise geben Sportboote Seglern durchaus Grund zum Naserümpfen. "Im Tuckermodus ist der Diesel eine Katastrophe", klagt Frauscher. "Der Motor raucht und stinkt und obendrein verbrennt er zuviel." Mit E-Antrieb dagegen gleitet der Motorboot-Liebhaber genauso elegant und leise übers Wasser wie seine windgetriebenen Nachbarn. "Manchmal ist einfach schön, wenn ein Boot leise ist", sinniert Frauscher. "Natürlich gibt es den Umweltaspekt, aber es ist auch höflich, wenn man in der Marina keinen Lärm macht."

Richtig klar, wie attraktiv die Hybrid-Kombi sein kann, wurde ihm allerdings erst mit Verspätung - als sich Anfragen von Interessenten häuften und es daheim in Gmunden am Traunsee immer öfter zum Tauziehen um das neue Modell kam. "Mein Bruder, mein Vater, unsere Mitarbeiter, wir streiten uns jetzt immer, wer das Boot bekommt", berichtet Frauscher. Die anderen Yachten bleiben liegen, aber "der Hybrid ist immer weg." Ganz wie man es von Stars gewohnt ist.


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