Junkers "Tante" Ju 52 Traditionsflugzeug in der Wellness-Oase


Die "Tante Ju" ist eine fliegende Legende. Jedes Jahr kommt das einzige flugtüchtige Exemplar der Lufthansa zur Generalüberholung in den Hangar. Bei der Wartung ist die Lufthansa auf ehrenamtliche Hilfe angewiesen, denn mit der alten Technik kennt sich heute kaum noch jemand aus.

Mit ihren mittlerweile fast 73 Jahren sei es der alten "Tante Ju" gegönnt: Wie jeden Winter bekommt das historische Flugzeug auch in diesem Jahr eine Kur und einen Aufenthalt in der Hamburger Lufthansa-Werft - ihre "Wellness-Oase" sozusagen. Nach sechs Monaten Vollzeitarbeit muss sich die alte Dame erstmal erholen. Das einzige Exemplar der Junkers Ju 52/3m, das sich im Besitz der Lufthansa befindet, genießt sorgfältige Pflege. Alle Teile werden peinlich genau überprüft, zudem widmet man sich in jedem Winter einem wartungstechnischen Großprojekt. In diesem Jahr ist es die Elektrik. Auf ihre alten Tage soll "Tante Ju" ein TCAS (Traffic Collision Avoidance System) eingebaut werden - ein System, das den Piloten bei schlechter Sicht vor Kollisionen warnt. Das haben auch ihre Nachfahren von der modernen Luftfahrt.

Weltweit gibt es derzeit noch sieben flugtüchtige Exemplare vom Typ der "Tante Ju". 1936 erbaut, war sie ein ganzes Flugzeugleben lang als Transportmaschine und als einer der ersten Passagierflieger eingesetzt. Bis heute: Zwischen Mitte April und Ende Oktober bietet die Deutsche Lufthansa Berlin Stiftung mit der Ju 52 Rund- und Ferry-Flüge an, zum Beispiel nach England oder ins Baltikum. Höchstens eineinhalb Stunden dauern diese Flüge, für längere Reisen ist die Maschine nicht geeignet. Auf Gepäck müssen die 16 Passagiere dabei aber verzichten. "Nur Handgepäck, sonst wird die Maschine zu schwer, und wir können weniger Treibstoff mitnehmen. 10 Tonnen kann die Ju maximal laden", erklärt Wolfgang Hübel, Technischer Betriebsleiter und Stiftungssekretär, und weist auf die winzigen Gepäcknetze über den beiden Sitzreihen. Dafür ist aber jedem Fluggast ein Fensterplatz garantiert. "Mit der Ju 52 wurden 1943 auch Soldaten aus dem Kessel von Stalingrad geholt", erzählt Hübel. Seit vier Jahren organisiert er Betrieb und Wartung der "Tante Ju" und kennt sich mit ihrer Geschichte gut aus. "Noch heute kommen ältere Herrschaften, die in ihrer Jugend mit der Ju 52 geflogen sind, und buchen einen Rundflug. Da kommen auch Erinnerungen hoch, manche weinen sogar. Da muss man auch mit umgehen können und den Leuten die Zeit lassen."

Im Hangar auf dem Fuhlsbütteler Flughafen wird das Innenleben des silbernen Wellblechvogels, auf dem in riesigen Buchstaben das historische Kennzeichen "D-AQUI" aufgemalt ist, zerlegt: Die Sitze sind ausgebaut, aus dem Instrumentenbrett im Cockpit hängen Kabel, der Steuerknüppel fehlt. "Mechaniker, die heute längst Rentner sind, arbeiten hier ehrenamtlich, um das Flugzeug am Laufen zu halten", erzählt der Betriebsleiter. "Sie kennen sich noch mit der alten Technik aus und geben ihr Wissen an die jungen Kollegen weiter." Trotz vieler Reparaturen bestehen immerhin 50 Prozent des Flugzeuges noch aus den Originalbauteilen von 1936.

Oda Tischewski/DPA DPA

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