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Antrieb mit Biomethan Der Oközug rollt – mit Gülle und Fäkalien bringt dieser Wagen Pendler ans Ziel

Mit solchen Triebwagen können Nebenstrecken ökologisch betrieben werden 
Mit solchen Triebwagen können Nebenstrecken ökologisch betrieben werden 
© Ultra Light Rail Partner / PR
Straßenbahnen und Stadtbahnen sollen durch einen umweltfreundlichen Zug ersetzt werden, der mit Biomethan angetrieben wird. Er könnte auf den Strecken eingesetzt werden, bei denen sich die Elektrifizierung nicht lohnt.

Strom wird die Energie der Zukunft, für den Schienenverkehr ist das ein Problem. Kleinere und wenig genutzte Strecken müssten elektrifiziert werden. Ihr Defizit würde größer. Die Ingenieure von Ultra Light Rail Partners wollen stinkende Dieseltriebwagen ersetzen. Sie sollen in Zukunft mit Bioabfall und Fäkalien betrieben werden, genau genommen mit Biomethan. Ein Triebwagen vereint Antrieb und Passagierraum in einer Einheit, streng genommen ist es kein Zug, bei dem eine Lokomotive die angekoppelten Passagierwagen ohne eigenen Antrieb bewegt.

Biogas als Treibstoff

Die Technik ist nicht neu. Schon in den Filmen der "Mad Max" Reihe wurde der Strom in Bartertown aus Schweinemist gewonnen. Biomethan ist ein Biokraftstoff, der aus verschiedenen Abfallprodukten gewonnen werden kann, darunter Klärschlamm, Ernterückstände aus der Landwirtschaft, Tiermist und Lebensmittelabfälle. Alle diese Stoffe werden von Bakterien abgebaut, die ein Gas erzeugen, das wiederum als sauberer alternativer Kraftstoff verwendet wird.

Die Technik ist weit weniger aufwendig als der Antrieb mit einer Wasserstoffzelle. Der größte Vorteil ist allerdings, dass der Kraftstoff aus Abfällen produziert wird, die sonst entsorgt werden müssen. Menschliche Fäkalien werden schon lange nicht mehr als Dünger genutzt. Für Biogasanlagen können auch gesundheitlich bedenkliche Rohstoffe verwandt werden, weil das entstehende Gas immer frei von Schadstoffen ist und außerdem nicht wieder in den Lebensmittelkreislauf eingebracht wird.

Bei der Verbrennung wird CO2 freigesetzt, das wäre aber auch bei einem natürlichen Abbau der Rohstoffe geschehen. Die britische Regierung fördert die Entwicklung des nachhaltigen Triebwagens, der bis zu 120 Passagiere befördern soll. Neben dem neuartigen Antrieb soll der Wagen leichter werden, was wiederum hilft, Kraftstoff einzusparen. Die im Dienst befindlichen Triebwagen basieren häufig auf sehr alten Designs, die sehr massiv ausgelegt sind und bei deren Entwicklung man wenig Rücksicht auf den Verbrauch genommen hat.

Covid-sichere Belüftung

Beverley Nielsen, die Vorsitzende von Ultra Light Rail Partners, sagte: "Das ist ein Vertrauensbeweis für unser Unternehmen, das sich darauf konzentriert, leichtes, erschwingliches Reisen mit der Bahn als komfortable, moderne, zuverlässige und sichere Alternative zum Auto anzubieten."

"Wir möchten in der Lage sein, diese Option größeren und kleineren Städten in ganz Großbritannien anzubieten, damit sie umweltschädliche Fahrzeuge aus ihren Stadt- und Ortszentren entfernen können, um die Lebensqualität für alle zu verbessern."

Bei der Entwicklung wird auch auf die Erfahrungen der Corona-Pandemie zurückgegriffen. Der Wagen erhält eine Dusche mit ultraviolettem Licht, um Viren zu töten, außerdem soll eine spezielle Entlüftung das Risiko von Ansteckungen klein halten.

Quelle: Ultra Light Rail Partner

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